"Grüne" Investments: ESG auf Platz 1 der Prioritätenliste

Immobilieninvestoren denken immer nachhaltiger: Das Gros der Profianleger achtet bereits auf ESG-Parameter beim Ankauf – und auch 2022 hat die Implementierung von ESG oberste Priorität, wie eine Umfrage zeigt. Bei der Optimierung des Portfolios gibt es noch Luft nach oben.

Die Stimmung am deutschen Immobilieninvestmentmarkt bleibt positiv, die Zeichen stehen weiter auf Wachstum. Mehr als 65 Prozent der Teilnehmer der jährlichen Investorenumfrage von Engel & Völkers Investment Consulting (EVIC) will in den kommenden zwölf Monaten das Portfolio ausbauen – die Speckgürtel der Metropolregionen haben 63 Prozent der Investoren im Fokus, Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern nehmen 50 Prozent der Anleger ins Visier.

"Die Branche hat gelernt, mit Covid-19 und seinen Implikationen umzugehen. In diesem Jahr geht es den Investoren darum, ihr Portfolio gezielt auszubauen und den Bestand zu optimieren. Der Investitionshorizont erweitert sich in Richtung B- und C- Lagen sowie gen Ausland", erklärt Kai Wolfram, geschäftsführender Gesellschafter bei EVIC.

Mehr als jeder zehnte (13 Prozent) Investor will demnach einen Blick auf Immobilien im Ausland werfen. Während in Deutschland Immobilien an B- und C-Standorten attraktiver werden, lässt EVIC zufolge die Anziehungskraft der Top-7-Standorte (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München, Stuttgart) nach: Knapp ein Viertel (23 Prozent) der befragten Investoren gab an, in diesem Jahr Investitionen in den Top 7 zurückschrauben zu wollen.

Bestandsoptimierung mit ESG-konformen Immobilien

Aber es soll nicht nur eingekauft werden: Neben dem Portfolioausbau stehen nach Angaben der Investoren im Jahr 2022 vor allem Bestandsoptimierungen an. Fast alle (90 Prozent) Anleger wollen im gleichen Maße wie bisher (47 Prozent) oder sogar mehr als bisher (43 Prozent) in den Bestand investieren. Einen Grund dafür sieht EVIC in der Umsetzung von ESG-Anforderungen die Kriterien "Environmental" (Umwelt), "Social" (Soziales), "Governance" (Unternehmensführung) gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Für mehr als die Hälfte (56 Prozent) der befragten Investoren hat die Implementierung von ESG-Faktoren in das Tagesgeschäft eine besondere Priorität: Rund zwei Drittel (69 Prozent) wollen in den kommenden Monaten ihre Bestandsgebäude ESG-konform optimieren, ein Drittel (35 Prozent) streben eine Bestandsoptimierung an. Immerhin 63 Prozent berücksichtigen bereits jetzt beim Ankauf von Immobilien ESG-Parameter, aber nur zirka jeder Zehnte (13 Prozent) will das Immobilienportfolio auch um nicht ESG-konforme Objekte bereinigen.

"Klimaneutralität und ESG sind sicherlich nicht nur für 2022, sondern für das gesamte Jahrzehnt zentrale Themen. Die Marktteilnehmer sind sich dieser Aufgabe bewusst. Die Bereitschaft, zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen, ist groß", John Kamphorst, Mitglied der EVIC-Geschäftsleitung

Wohnimmobilien: Investors "Liebling"

Besonders beliebt bei Investoren bleiben auch im neuen Jahr Wohnimmobilien trotz steigender Preise wollen mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der Umfrageteilnehmer 2022 vor allem in diese Assetklasse investieren. Knapp die Hälfte (48 Prozent) liebäugelt mit den Segmenten Logistik und Light Industrial. Jeder fünfte (20 Prozent) traut sich wieder an Hotels. Umstritten bleiben Büros.

Schon im vergangenen Jahr haben weniger Investoren (13 Prozent) Büroimmobilien auf Platz eins der Ankaufsrangliste gesetzt (2020: 25 Prozent) – 2022 planen immerhin wieder ein paar mehr (38 Prozent) der Befragten Büroankäufe. Dabei geht die Hälfte (50 Prozent) von stabilen Preisen in den Ballungsgebieten aus. Knapp ein Drittel (32 Prozent) erwartet sinkende Preisen. Laut EVIC zeigt das eine große Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung von Büroimmobilien.

Die größten Sorgen bereiten Investoren in den kommenden Monaten aber steigende Baupreise (71 Prozent) und regulatorische Veränderungen im Mietrecht (42 Prozent).

EVIC-Investorenumfrage "Investment Pulse 2022"


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dpa
Schlagworte zum Thema:  Investment, Immobilien, Klimaschutz