Krieg in der Ukraine: Folgen für den Immobilienmarkt

Sanktionen gegen Russland, steigende Energiepreise, Lieferengpässe am Bau, Geldwäsche bei Immobilien russischer Oligarchen – welche Konsequenzen könnte der Krieg in der Ukraine für den deutschen Immobiliensektor haben? Worauf sich Investoren und Bauherren einstellen müssen.

In Großbritannien soll im März ein neues Gesetz in Kraft treten, das es Superreichen unter anderem aus Russland schwerer macht, Immobilien über Strohmänner und Briefkastenfirmen zu kaufen. Londons Bürgermeister Sadiq Khan forderte, dass Immobilien russischer Milliardäre vom Staat beschlagnahmt werden. Auch in Deutschland werden Luxusvillen, die mit russischem Geld bezahlt worden sind, zum Politikum.

Dem sanktionierten Oligarchen Alischer Usmanow etwa sollen mehrere Häuser am Tegernsee in Bayern gehören, wie unter anderem die Tagesschau berichtete. Eindeutig geklärt seien die (undurchsichtigen) Eigentumsverhältnisse noch nicht. Die Frage ist, ob der deutsche Staat nun künftig härter gegen Geldwäsche im Immobiliensektor durchgreifen wird. Schon das Transparenzregister gilt als vollkommen unzureichend. Der Miesbacher Landrat Olaf von Löwis (CSU) brachte ins Spiel, dass Enteignungen geprüft werden müssten.

Wie sich der Krieg in der Ukraine auf die nationalen Immobilienmärkte auswirken könnte, wird auch Thema bei der Immobilienmesse Mipim in Cannes sein, die am 15. März ihre Pforten öffnet. Im Vorfeld des Branchentreffens hat Ulrich Höller, Geschäftsführender Gesellschafter der ABG Real Estate Group, eine kurze Einschätzung zu möglichen Folgen des Krieges für den deutschen Markt abgegeben.

Ulrich Höller

Bleibt Deutschland ein "sicherer Hafen" für Investoren?

"Der Krieg in der Ukraine beeinflusst den Immobiliensektor gleich auf mehreren Ebenen", sagt Experte Höller. Er geht davon aus, dass im Kontext der aktuellen Krise Sachwerte noch stärker in den Fokus der Investoren rücken werden. Die Banken wiederum dürften mögliche Investments genauer prüfen als bisher und gegebenenfalls Risiken reduzieren wollen. "Abzuwarten bleibt, ob Deutschland weiterhin als sicherer Hafen für Investoren gelten oder ob der britische Markt stärker in den Fokus rücken wird", so Höller.

Zumindest ein Ende des Runs auf Gewerbeimmobilien sei nicht zu erwarten: "Insbesondere institutionelle Anleger bleiben in diesem Bereich sehr aktiv." Der Grund: Alternative Anlagemöglichkeiten mit einem ähnlich attraktiven Risikoprofil dürften weiterhin kaum verfügbar sein, mit der Folge, dass ein Teil der anstehenden Neuinvestitionen in den Immobiliensektor fließen und die Nachfrage auf dem sowieso schon knappen Markt für Core-Immobilien weiter vorantreiben dürften.

Ohnehin bestehende Herausforderungen in der Branche wird der Krieg dem Marktexperten zufolge weiter verschärfen: Vor allem mit Blick auf Bauprojekte und die Verfügbarkeit von Baustoffen und Fachkräften. "Schon vor der Ukraine-Krise zeigte die Richtung der Baupreisentwicklung eindeutig nach oben. Jetzt werden die zu Jahresbeginn für 2022 zu prognostizierenden Preissteigerungen sicher übertroffen", so die Prognose.

Energieeffizienz: Anforderungen könnten noch steigen

Das Bewusstsein für eine strategische Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern hat sich seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine laut Höller schlagartig vergrößert. Für den Immobiliensektor geht Höller davon aus, dass die Anforderungen an die Energieeffizienz von Immobilien nochmals deutlich steigen werden.

"Zwar ist Energieeffizienz in der Umsetzung bereits sehr teuer und aufwändig. Trotzdem hat die Bereitschaft, entsprechende Maßnahmen umzusetzen, mit den sprunghaft gestiegenen Energiekosten zugenommen", meint der Experte. Dabei bleibe fraglich, ob das theoretisch Mögliche auch direkt praktisch machbar sei, denn bei erneuerbaren Energietechnologien werde das Angebot aufgrund der bekannten Probleme bei den Lieferketten nicht mit der Nachfrage Schritt halten können.

"Die Nachhaltigkeit von Immobilien ist auf dem Markt zur Pflicht geworden", so Höller abschließend. Die Branche tue sich aber noch immer schwer, die Ziele von ESG – Environmental (Umwelt), Social (Soziales) Governance (Unternehmensführung) – auf Immobilien zu übertragen.


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dpa
Schlagworte zum Thema:  Krieg in der Ukraine, Immobilienmarkt, Investment