Warum Kanzleien 55 Prozent mehr Büromiete zahlen als andere
Rechtsanwaltskanzleien zählen zu den anspruchsvollsten Nutzern auf dem deutschen Büroimmobilienmarkt. mit Fokus auf sehr guten Lagen und modernen, qualitativ hochwertigen Flächen. Dafür sind sie bereit, mehr Miete zu bezahlen als der durchschnittliche Büromieter.
Das zeigt eine aktuelle Analyse von JLL, für die das Anmietungsverhalten in den sieben Metropolen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart untersucht wurde. Dazu gab es auch Befragungen in Kanzleien.
Kanzleien als Treiber der Spitzenmieten
In den sieben untersuchten Bürohochburgen liegen die von den Kanzleien gezahlten Durchschnittsmieten über dem jeweiligen branchenübergreifenden Marktniveau. Die Aufschläge reichen laut JLL von zehn Prozent in Köln bis zu 55 Prozent in München.
Auch Düsseldorf (plus 54 Prozent) und Frankfurt am Main (plus 49 Prozent) verzeichnen deutlich überdurchschnittliche Mietniveaus für Kanzleiflächen, während sie in Berlin (plus 16 Prozent) und Hamburg (plus 28 Prozent) etwas moderater ausfallen.
Büro als Strategie: investieren in Adresse
Ein weiteres Ergebnis der JLL-Analyse: Führende Kanzleien verlagern ihre Standorte systematisch in die historischen Geschäftszentren der sieben Metropolen. In Düsseldorf gab es Umzüge von Standorten wie Seestern oder Grafenberg-Ost in die Innenstadt oder an den Kennedydamm.
Systematischer Rückzug von der Peripherie in den CBD
In Frankfurt am Main wird eine Bewegung von Randlagen wie Sachsenhausen oder Nord / Ost in den Central Business District (CBD), in Hamburg von Eimsbüttel oder Altona-Ottensen-Bahrenfeld in die Hafencity und die Innenstadt.
Ähnliche Muster zeigen sich in München (von Bogenhausen und Arabellapark ins Westend), Köln (von Ehrenfeld / Braunsfeld ins Rheinufer-West) und Stuttgart (von Feuerbach und Vaihingen-Möhringen in den CBD).
Warum Rechtsanwälte tiefer in die Tasche greifen als andere Mieter
Treiber dieser Entwicklung ist nach Angaben von JLL der Wandel des Büros vom reinen Arbeitsplatz zum Erlebnisraum für persönliche Kollaboration und Unternehmenskultur.
"Das Büro muss heute Dinge leisten, die Homeoffice nicht kann: Kollaboration, Kultur, spontanen fachlichen Austausch", erklärt Miguel Rodriguez Thielen, Head of Office Leasing Germany bei JLL.
Der Go-Central-Trend in der Praxis
Für die größten Abschlüsse sorgten der JLL-Analyse zufolge in den vergangenen drei Jahren Freshfields an der Königsallee in Düsseldorf (10.500 Quadratmeter), White & Case an der Bockenheimer Landstraße in Frankfurt am Main (10.100 Quadratmeter) und Hengeler Mueller, ebenfalls an der Düsseldorfer Königsallee (9.600 Quadratmeter).
Auch international agierende Kanzleien wie Milbank, Jones Day und Herbert Smith Freehills haben sichneue Flächen in zentralen Innenstadtlagen gesichert. "Die Liste der Neuanmietungen liest sich wie ein Who’s Who der Rechtsbranche. Sie alle haben eines gemeinsam: die Adresse in bester Innenstadtlage. Das ist kein Zufall, sondern strategisches Kalkül", kommentiert Thielen.
Die Pipeline schrumpft – wer wartet, verliert
Weil die Neubaupipeline auf den deutschen Büromärkten nach Erkentnissen von JLL spürbar abnimmt und spekulative Projekte seltener werden, konkurrieren die Kanzleien um ein zunehmend kleiner werdendes Marktsegment.
"Wer heute nicht vorausschauend plant, läuft Gefahr, zum Vertragsende keine passende Fläche mehr zu finden", sagt Thielen. Der Vorlauf für Standortentscheidungen werde länger, vor allem für Kanzleien mit hohen Qualitätsansprüchen seien drei bis vier Jahre keine Seltenheit mehr.
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