Energieeffizienz im Mehrfamilienhaus Infografik

Das durchschnittliche deutsche Mehrfamilienhaus ist 42 Jahre alt und wird mit Erdgas geheizt. Die Energiebilanz ist bescheiden, wie eine Studie von Ista und TU Dortmund zeigt. Dabei ließen sich Energie und Kosten gut sparen, etwa mit Verbrauchsinformationen für Mieter. Das wird bald sogar Pflicht.

Bis zum 15.10.2020 muss die neue Energieeffizienzrichtlinie (EED) der Europäischen Union in nationales Recht umgesetzt werden. Mieter mit fernauslesbaren Zählern können dann eine vierteljährliche Verbrauchsinformation fordern. Ab 2022 haben Wohnungsmieter mit solchen Geräten das Recht auf eine monatliche Information. Bis 2027 müssen schließlich alle Messgeräte fernauslesbar sein. Hier sehen Statistiker der Technischen Universität (TU) Dortmund und die Experten des Energiedienstleisters Ista großes Potenzial, Energie und Kosten beim Heizen auch in älteren Mehrfamilienhäusern drastisch zu senken.

"Alleine durch eine häufigere und zeitnahe Verbrauchsinformation für die Bewohner ließen sich zehn Prozent der Heizenergie im Gebäude einsparen." Auszug aus der Studie von TU Dortmund und Ista

Die jährlichen Heizkosten für das typische bundesdeutsche Mehrfamilienhaus könnten der Studie zufolge auf diese Weise in Summe von durchschnittlich 3.524 auf 3.172 Euro gesenkt werden. Das Einsparpotenzial durch eine häufigere und zeitnahe Verbrauchsinformation fällt der Studie zufolge in Berlin mit 731 Euro am höchsten aus. Hamburg liegt mit 634 Euro auf Platz zwei.

Energiebilanz im typischen deutschen Mehrfamilienhaus

Knapp die Hälfte der rund 40 Millionen Wohnungen in Deutschland befindet sich der Studie zufolge in Mehrfamilienhäusern. Untersucht haben die Studienautoren für ihre Auswertung bundesweit mehr als 74.000 Wohngebäude. Im Bundesdurchschnitt ist das typische Mehrfamilienhaus im Jahr 1978 gebaut worden, hat sieben Wohneinheiten mit einer mittleren Größe von 65 Quadratmetern und verfügt insgesamt über 521 Quadratmeter Heizfläche.

Geheizt wird das typische bundesdeutsche Mehrfamilienhaus überwiegend mit Erdgas (65,2 Prozent der Gebäude), die Heizungsanlage wurde 1997 eingebaut. In den sanierten Gebäuden – das trifft nicht auf alle der analysierten Mehrfamilienhäuser zu – wurde am häufigsten die Heizanlage erneuert (48 Prozent). Auf Dach, Fenster und die oberste Geschossdecke entfällt jeweils ein Anteil von 43 Prozent. Der Energiekennwert des Gebäudes liegt im Schnitt bei 118, was der mittleren Kategorie D auf dem Energieausweis entspricht. Die Skala reicht von A+ (höchste Energieeffizienz) bis H (niedrigste Energieeffizienz).

Brennstoffe in Heizanlagen_Grafik
Geheizt wird das typische bundesdeutsche Mehrfamilienhaus überwiegend mit Erdgas

Energieeffizienz im Mehrfamilienhaus: Digitalisierung und Mieterverhalten machen den Unterschied

Neben der Gebäudesanierung und der Modernisierung der Heizanlage ist laut Ista-Chef Thomas Zinnöcker auch das Heizverhalten ein wichtiger Hebel für mehr Energieeffizienz – und kann im Mehrfamilienhaus den Unterschied machen.

"Dazu muss die Digitalisierung im Gebäude gestärkt werden." Thomas Zinnöcker, CEO von Ista

Voraussetzung für mehr Energieeffizienz sei nicht nur, dass die Verbrauchsinformationen für die Mieter häufiger und zeitnaher kommen, die Wärmeverbräuche im Gebäude müssten auch digital erfasst werden, so Zinnöcker. Der vorwiegende Brennstoff ist in allen 16 Bundesländern Erdgas. Der Anteil von Erdöl und Fernwärme variiert stark.

Anteil Brennstoffe nach Bundesländern_Grafik
Der Anteil von Erdöl und Fernwärme bei den Brennstoffen variiert je Bundesland stark.

Große regionale Unterschiede bei Sanierung und Energieeffizienz

Die Wohngebäude sind in den neuen Bundesländern im Durchschnitt 50 Jahre oder älter. In den alten Bundesländern reichen die Baujahre von 1972 in Bremen bis 1989 in Hessen. Dafür sind die Wohnhäuser in den neuen Bundesländern meistens besser saniert: Dabei liegt das typische Mehrfamilienhaus in Brandenburg im Ländervergleich klar vorn (Dach 66 Prozent, oberste Geschossdecke 67 Prozent, Außenwand 61 Prozent, Fenster 71 Prozent, Kellerdecke 49 Prozent). Die einzige Ausnahme bildet die Sanierung der Heizungsanlage: Hier nimmt das westdeutsche Bundesland Schleswig-Holstein mit 58 Prozent den Spitzenplatz ein.

Den mit Abstand geringsten Energiekennwert haben Mehrfamilienhäuser in Mecklenburg-Vorpommern (96), Sachsen (101) und Thüringen (101). Die höchsten Energiekennwerte weisen die Gebäude in Berlin (128) und Hamburg (128) sowie Bremen (126) und Schleswig-Holstein (126) auf.

Die Berechnung der Sanierungsquoten basiert auf rund 25.000 Mehrfamilienhäusern mit einem Energieausweis aus dem Jahr 2018. Dabei gelten das Dach, die oberste Geschossdecke, die Außenwand, die Fenster und die Kellerdecke als saniert, wenn sie der Wärmeschutzverordnung 1995 entsprechen. Heizanlagen dürfen nicht 20 Jahre oder älter sein.

Studie zur Energieeffizienz in Mehrfamilienhäusern: Eine Bestandsaufnahme auf Bundes- und Landesebene (pdf)


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