Ist die Krise zu Ende?

Plus bei Baugenehmigungen kann Wohnungsmarkt entlasten


Plus bei Baugenehmigungen kann Wohnungsmarkt entlasten

Die Zahl der Baugenehmigungen ist nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts erneut spürbar gestiegen – das kann den Wohnungsmarkt in Zukunft entlasten. Die Immobilienbranche ist vorsichtig optimistisch, auch wegen des Iran-Kriegs.

In Deutschland wurden im Januar 2026 deutlich mehr Wohnungen genehmigt: Die Zahl stieg gegenüber Januar 2025 um 8,4 Prozent (plus 1.500 Baugenehmigungen) auf 19.500 Wohnungen, wie das Statistische Bundesamt am 18.3.2026 mitteilte. Damit setzte sich der Wachstumstrend der Vormonate fort.

Dabei stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen im Neubau um 7,4 Prozent (plus 1.100) auf 16.400. Die Zahl genehmigter Wohnungen, die durch den Umbau bestehender Gebäude entstehen, stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 13,5 Prozent (plus 400) auf 3.100.

Mehrfamilienhäuser: 7,1 Prozent mehr Baugenehmigungen

Die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser stieg laut Bundesbehörde im Januar 2026 im Jahresvergleich um 12,6 Prozent (plus 400) auf 3.800. Bei den Zweifamilienhäusern nahm die Zahl genehmigter Wohnungen um 26,1 Prozent (plus 300) auf 1.200 zu.

In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, genehmigten die Bauaufsichtsbehörden 10.500 Neubauwohnungen. Damit verzeichnen die aktuellen Daten erneut ein Plus von 7,1 Prozent (plus 700) auf 10.500 genehmigte Neubauwohnungen.

Die Zahl der genehmigten Wohnungen in Wohnheimen fiel im Vergleich zum Januar 2025 um 47,6 Prozent (minus 450) auf 500 Wohnungen. In neuen Nichtwohngebäuden wurden 350 Wohnungen genehmigt, das ist ein Plus von 148,6 Prozent beziehungsweise um 200 Einheiten. Hierunter fallen unter anderem Hausmeisterwohnungen oder Wohnungen in Innenstadtlagen über Gewerbeflächen. Als Umbaumaßnahme in bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden wurden im Januar 2026 insgesamt 3.100 Wohnungen genehmigt (plus 13,5 Prozent oder 400 Wohnungen mehr).

ZIA: "Für Euphorie ist es deutlich zu früh"

Trotz der positiven Entwicklung warnt der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) vor überzogenen Erwartungen.

"Für Euphorie ist es deutlich zu früh. Entscheidend für eine echte Entspannung am Wohnungsmarkt sind nicht allein steigende Genehmigungszahlen, sondern vor allem mehr Fertigstellungen", so ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan.

Angesichts der weiterhin hohen Baukosten – die sind zwischen 2015 und Ende 2023 um rund 60 Prozent gestiegen – müssten drei wesentliche Maßnahmen ergriffen werden, um den Wohnungsbau nachhaltig anzukurbeln:

  1. Bauen erleichtern und damit Baukosten senken, insbesondere durch einen neuen Basisstandard Wohnen.
  2. Die Staatsquote von 37 Prozent senken, zum Beispiel durch den Erlass der Grunderwerbssteuer für den Erwerb der ersten Wohnimmobilie.
  3. Einführung von eigenkapitalersetzenden Maßnahmen, wie Staatsbürgschaften.

"Erst wenn wir diese strukturellen Hebel entschlossen bewegen, entsteht aus steigenden Genehmigungszahlen tatsächlich neuer Wohnraum", so Özkan weiter. Kontraproduktiv seien Debatten über Verschärfungen im Mietrecht oder gar Diskussionen um Vergesellschaftung. Sie verunsicherten Investoren und bremsten die privaten Mittel aus, die für den Wohnungsbau dringend benötigt würden.

Mit dem Iran-Krieg wachsen die Belastungen für Bauherren

Die Zahlen sind dennoch ein Lichtblick im Kampf gegen Wohnungsmangel und steigende Mieten – und ein Zeichen, dass sich Investoren wieder in den Markt wagen. Die Zahlen zeigten, dass die Bauwirtschaft mit Rückenwind ins neue Jahr gestartet sei, sagt Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Allerdings habe sich der Trend verlangsamt. 

Mit dem Iran-Krieg nähmen die Risiken im Wohnungsbau zu: "Wenn die Menschen wegen gestiegener Energiepreise weniger Kaufkraft haben, bleibt auch weniger Spielraum zum Bau eines Eigenheims." Auch könnten mit steigender Inflation die Bauzinsen steigen.

Baubranche fordert Tempo beim Gebäudetyp E

Die Baugenehmigungen sind ein wichtiger Indikator für den Wohnungsbau, der wegen gestiegener Zinsen und Baukosten in der Krise steckt: Was nicht genehmigt wird, wird später nicht gebaut. Vor allem in Ballungsräumen ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Die Bundesregierung will mit dem Bauturbo-Gesetz über schnellere Genehmigungen den Wohnungsbau voranbringen. Mit den staatlichen Milliardenausgaben für Infrastruktur schöpft die Baubranche Hoffnung auf eine Trendwende in diesem Jahr.

"Was jetzt nicht genehmigt wird, landet in dieser Legislaturperiode nicht mehr auf der Baustelle. Uns läuft die Zeit davon", so Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB). Im Mietwohnungsbau müsse auch die Sonder-AfA an den EH 55-Standard gekoppelt werden.

Zudem brauchen Planer und Bauherren laut Pakleppa endlich einen Standard, der erschwinglich ist: "Der Gebäudetyp E ist der richtige Ansatz, aber er muss bis zum Sommer endlich zur Verfügung stehen. Sonst verpufft auch dieses Instrument." 


Das könnte Sie auch interessieren:

Gebäudetyp E: rechtliche Einordnung

EH55-Plus-Förderung: das gilt ab März

AfA im Wohnungsbau: Möglichkeiten und Nutzen

Bauturbo – was Projektentwickler ins Spiel bringt

dpa

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau , Baugenehmigung
0 Kommentare
Das Eingabefeld enthält noch keinen Text oder nicht erlaubte Sonderzeichen. Bitte überprüfen Sie Ihre Eingabe, um den Kommentar veröffentlichen zu können.
Noch keine Kommentare - teilen Sie Ihre Sicht und starten Sie die Diskussion