Einer der meist diskutierten Transformationsprozesse im Einzelhandel ist der Vormarsch der Gastronomie-Konzepte in den Innenstädten. Bislang hatten sie maximal einen Anteil von 14 Prozent am Flächenumsatz im deutschen Einzelhandel, im ersten Halbjahr 2018 lag dieser Anteil bei rund 19 Prozent. Das zeigt eine Studie von BNP Paribas Real Estate. Insgesamt ist der Flächenumsatz in Citylagen mit rund 300.000 Quadratmetern und mehr als 550 Vermietungen und Eröffnungen leicht rückläufig.

Davon ausgenommen sind die A- und B-Lagen über alle Städte hinweg: Ihr Umsatzanteil am gesamten deutschen Einzelhandelsvermietungsmarkt lag im ersten Halbjahr 2018 bei 82 Prozent und fiel damit noch einmal deutlich höher aus als in den sowieso sehr starken Jahren 2014 und 2015 (mit jeweils rund 70 Prozent). Im Vorjahresvergleich ist der Anteil laut Christoph Scharf, Geschäftsführer von BNP Paribas Real Estate (BNPPRE) Deutschland und Head of Retail Services, um 19 Prozent gestiegen.

Die A-Städte, zu denen BNPPRE zufolge neben den Big 6 (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und München) auch Stuttgart, Leipzig, Hannover und Nürnberg zählt, vereinen knapp 30 Prozent des Volumens auf sich. Hier kommt laut BNPPRE dem Faktor Brandbuilding in den großen Shoppingdestinationen Bedeutung zu. Mit Dortmund, Wiesbaden oder Bonn war der Studie zufolge auch in wichtigen B-Städten ein reges Marktgeschehen zu beobachten.

A-Städte warten mit Labels und modernen Konzepten auf

Ein Halbjahresergebnis von etwas weniger als 90.000 Quadratmetern und rund 200 Vermietungen und Eröffnungen zeigen nach Auffassung von BNPPRE, dass auch in Zeiten zahlreicher struktureller Veränderungen in der Einzelhandelslandschaft die A-Städte nicht an Attraktivität verlieren. Sie haben 2018 mit neuen Labels und Konzepten aufgewartet.

An die Spitze des Rankings setzten sich damit jene Städte, in denen innerstädtische Projektentwicklungen dem Markt neue, moderne Flächen zuführen. Vor diesem Hintergrund liegt Düsseldorf zur Jahresmitte vorne.

Fast jede fünfte Vermietung durch Gastronomie

Gastronomie-Konzepte sind laut BNPPRE auch deshalb so erfolgreich, weil sie bei der Entwicklung hybrider Immobilien und Quartiere für den Nutzungsmix eine tragende Rolle einnehmen. Als aktivste Retailer der unterschiedlichen Rubriken Pizza / Pasta, Burger, Salat / Sandwich und Coffee-Shops sind vor allem L‘Osteria, Hans im Glück, Subway, Dean&David und Coffee Fellows zu nennen.

Das Gros der Verträge steuern der Studie zufolge die Textiler (29 Prozent) bei, die zusammen mit der Gastronomie knapp die Hälfte des Marktgeschehens auf sich vereinen. Das Führungstrio wird durch den Sektor Körperpflege / Gesundheit (neun Prozent) komplettiert. Der Bereich Beauty und Gesundheit war 2017 auf Expansionskurs.

Textilhandel: Sportbranche im Trend

"Trotz der leicht rückläufigen Vermietungszahlen von Textil-Labels führt nach wie vor kein Weg an dieser Nachfragegruppe vorbei. Ein wichtiger zu beobachtender Trend in diesem Sektor ist nicht zuletzt die Sportbranche, die durch steigende Fitnessstudio-Anmeldungen weiter wächst", sagt Christoph Scharf.

Die derzeit expansivsten Brands seien jedoch nicht auf Sportartikel ausgerichtet. Neben den traditionell aktiven Retailern konzentrierten sich etwa Textil-Ketten wie H&M zunehmend darauf, ihre Untermarken breiter aufzustellen und neue Formate zu etablieren. Insgesamt erhöhten internationale Labels die Schlagzahl. Bei den Herkunftsländern internationaler Fashion-Brands leisten laut BNPPRE skandinavische Marken mit 35 Prozent in der Summe den größten Beitrag.

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