Der Berliner Speckgürtel erlebt derzeit einen enormen Boom, wie eine Umfrage von Immowelt belegt: Im Umkreis von 25 Kilometern sei die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern innerhalb von fünf Jahren um 318 Prozent gestiegen. Grund sind die Preise: In Berlin werden Wohnimmobilien aktuell für mehr als 3.000 Euro pro Quadratmeter im Schnitt angeboten. Im Umland liegen die Preise durchschnittlich bei 2.100 Euro.

Untersucht hat das Maklerportal immowelt.de die Entwicklung in 14 Großstädten. Der Trend zum Speckgürtel ist demnach keine neue Stadtflucht wie Anfang der 1990er Jahre. Die Deutschen arbeiten nach wie vor in den Städten. Wohneigentum in den Zentren ist aber nur noch für wenige Arbeitnehmer bezahlbar. Dazu kommt, dass es zu wenig Wohnraum gibt.

Der Sparda-Bank zufolge dürften die Ballungsräume weiter an Attraktivität gewinnen und Baubedarf sowie Preise steigen.

Stuttgart, Frankfurt, Hannover: Trend zum Umland besonders ausgeprägt

In den mittelgroßen Städten Westdeutschlands ist der Speckgürtel-Trend der Studie zufolge besonders ausgeprägt. In Stuttgart stieg die Nachfrage im 25-Kilometer-Radius um 377 Prozent in fünf Jahren. Das Sparpotenzial für Immobilienkäufer rund um Stuttgart liegt bei mehr als 800 Euro pro Quadratmeter.

Im Umland von Frankfurt am Main können Kaufinteressenten 1.300 Euro pro Quadratmeter sparen. Entsprechend stieg auch die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern im Frankfurter Speckgürtel seit 2011 um 317 Prozent. In und um Hannover bietet sich ein ähnliches Bild: Die Nachfrage wuchs rund um die niedersächsische Hauptstadt um 297 Prozent in fünf Jahren.

Köln ist als Teil der dicht besiedelten Metropolregion Rhein-Ruhr nur bedingt mit den übrigen Großstädten vergleichbar: Hier ist die Nachfrage im Umland seit 2011 um satte 488 Prozent gestiegen.

Ostdeutschland zieht nach: Umland wird attraktiver

Auch in ostdeutschen Großstädten weichen Immobilienkäufer zunehmend auf das Umland aus, auch wenn die Nachfragezahlen nicht so hoch ausfallen wie in den anderen Metropolen. Im Dresdner Umland verzeichnete Immowelt einen Anstieg um 288 Prozent. Im Speckgürtel von Chemnitz stieg die Nachfrage seit 2011 um 140 Prozent, im Magdeburger Umland um 124 Prozent. In beiden Großstädten sind Wohnimmobilien aber noch für Quadratmeterpreise unter 1.200 Euro im Durchschnitt zu haben.

Auch die Städte sind nach wie vor begehrt

Auch die Nachfrage in den Städten selbst ist in den vergangenen fünf Jahren noch einmal gestiegen, am deutlichsten in Chemnitz mit 199 Prozent, gefolgt von Magdeburg mit 197 Prozent und Köln mit 189 Prozent. Den geringsten Anstieg verzeichneten Hamburg (drei Prozent), Berlin (17 Prozent) und München (33 Prozent).

In München, Deutschlands teuerster Stadt, müssen Immobilienkäufer laut einer Postbank-Studie für eine 100-Quadratmeter-Wohnung 21 durchschnittliche Pro-Kopf-Jahreseinkommen auf den Tisch legen.

Für die Analyse der Nachfragesituation in den 14 untersuchten Städten und den jeweiligen Umlandregionen wurde die Entwicklung der Anfragen auf Immobilienangebote untersucht, die in den Jahren 2011 und 2016 auf immowelt.de inseriert wurden. Insgesamt flossen mehr als 1,25 Millionen anonymisierte Anfragen in die Analyse ein.

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