17.02.2015 | Top-Thema Drohverlustrückstellung

Besonderheiten bei Dauerschuldverhältnissen

Kapitel
Bei langfristigen Verträgen kommt es darauf an, wie die vereinbarten Leistungen entwickeln.
Bild: Haufe Online Redaktion

Was Sie bei langfristigen Verträgen beachten müssen, wann eine Rückstellung möglich ist und welche Alternative Sie nutzen können, dazu informiert Sie das 3. Kapitel.

Drohverlustrückstellung bei Dauerschuldverhältnissen: Es kommt darauf an, wie sich die vereinbarte Leistung entwickelt

Bei Dauerschuldverhältnissen spielt der Zeitbezug eine bedeutende Rolle. Eine Rückstellung für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften kommt daher nur infrage, wenn ein Ungleichgewicht der Leistungen vorliegt, das ist z. B. der Fall, wenn

  • Lieferverträge über einen Zeitraum von mehreren Jahren zu Festpreisen vereinbart worden sind und die Preisentwicklung sich wider Erwarten nach unten entwickelt hat,
  • ein langfristiger Mietvertrag abgeschlossen wurde und sich Mieten durch Veränderungen der Marktsituation nach Ablauf mehrerer Jahre reduziert haben.

Es kommt also darauf an, wie sich bei langfristigen Verträgen die vereinbarten Leistungen entwickeln.

Drohende Verluste aus schwebenden Geschäften bei Verträgen über Waren, Erzeugnisse, Hilfs- und Betriebsstoffe/Teilwertabschreibung

Drohverlustrückstellungen können nur gebildet werden, wenn der Vertrag bzw. die Vereinbarungen am Bilanzstichtag noch von keiner Seite erfüllt sind. Handelt es sich um Verträge zur Beschaffung von Umlaufvermögen sind der vereinbarte Kaufpreis und die ggf. gesunkenen Wiederbeschaffungskosten miteinander zu vergleichen. Nur wenn die Differenz zu einem Verlust führt, ist handelsrechtlich eine Drohverlustrückstellung zu bilden.

Ist der Vertrag noch nicht erfüllt, darf steuerlich keine Drohverlustrückstellung gebildet werden. Steuerliche Konsequenzen können erst gezogen werden, wenn der Vertrag erfüllt worden ist. Sind Vorratsvermögen, Waren, Erzeugnisse, Hilfs- und Betriebsstoffe angeschafft worden und im Wert dauerhaft gesunken, besteht die Möglichkeit einer Teilwertabschreibung, die handels- und steuerrechtlich vorzunehmen ist. Beim Vorratsvermögen gibt es 2 wesentliche Gründe, auf die eine Teilwertabschreibung gestützt werden kann. Eine Teilwertabschreibung kann wegen gesunkener Wiederbeschaffungskosten oder unzureichender Erlöse vorgenommen werden.

Die Wiederbeschaffungskosten setzen sich aus dem gesunkenen Einkaufspreis, den üblichen Anschaffungsnebenkosten und den Anschaffungspreisminderungen zusammen. Bei fertigen oder teilfertigen Erzeugnissen muss von den Wiederherstellungskosten (Reproduktionskosten) ausgegangen werden. Die Wiederherstellungskosten sind auf Vollkostenbasis zu kalkulieren. D. h., es werden alle Kosten einbezogen, die erforderlich sind, um das Erzeugnis in der gleichen Art, Form und Fertigungsstufe zu reproduzieren, in der es sich am Bilanzstichtag befindet. Diese Werte sind gleichzeitig auch Teilwerte des Vorratsvermögens.

Voraussetzung für eine Teilwertabschreibung ist, dass die Einkaufspreise am Beschaffungsmarkt nachhaltig gesunken sind, weil das Preisniveau allgemein zurückgegangen ist. Preisnachlässe, die ein Lieferant z. B. auf modische Ware oder Sonderangebote gibt, dürfen nicht zum Anlass genommen werden, um bei den übrigen Beständen eine Teilwertabschreibung durchzuführen. Anders als bei der Drohverlustrückstellung kommt es nicht darauf an, dass ein Verlust eintritt. Ein nachhaltiges Sinken der Einkaufspreise reicht somit aus, um eine Teilwertabschreibung vornehmen zu können. Die Teilwertabschreibung ist die Differenz zwischen den ursprünglichen Anschaffungskosten und dem Teilwert. Bei großen Lagern mit einer Vielzahl von Produkten können die ursprünglichen Anschaffungskosten nicht mehr ermittelt werden. In diesen Fällen können die Anschaffungskosten z. B. durch Rückrechnung vom Verkaufspreis ermittelt werden.

Häufigster Grund einer Teilwertabschreibung beim Vorratsvermögen, das zum Verkauf bestimmt ist, ist der unzureichende Erlös. Unzureichende Erlöse können durch allgemeine Veränderungen am Absatzmarkt eintreten, z. B. durch

  • Änderungen bei der Nachfrage,
  • neue und bessere Angebote von Konkurrenten

Aber auch produktbezogene Faktoren können Grund für eine Teilwertabschreibung sein, wie

  • Lagerschäden,
  • Produktfehler und
  • Änderungen in der modischen Entwicklung.

Die Voraussetzungen unterscheiden sich somit deutlich von den Voraussetzungen für die Bildung einer Rückstellung für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften.

Schlagworte zum Thema:  Rückstellung, Teilwertabschreibung, Jahresabschluss, Vorräte, Umlaufvermögen

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