Tz. 50

Stand: EL 102 – ET: 06/2021

UE werden Einnahmen aus Wertpapierleihgeschäften nicht von § 8b Abs 1 S 1 KStG erfasst. Hierbei handelt es sich um die Vergütung, die der Verleiher erhält (Leihgebühr, Kompensationszahlung). GlA s Mühlhäuser/Stoll (DStR 2002, 1597, 1599), s Strunk/Kaminski (NWB, F 4, 4731, 4732), s Gosch (in Gosch, 4. Aufl, § 8b Rn 108), s M Frotscher (in F/D, § 8b KStG Rn 57), s Herlinghaus (in R/H/N, § 8b KStG Rn 106), s Kröner (in B/W, § 8b Rn 52) und s Häuselmann/Wagner (FR 2003, 331, 332). Dies entspr auch der Verw-Auff (s Schr des BMF v 28.04.2003, BStBl I 2003, 292 Rn 9).

Der Entleiher wird rechtlicher und idR wirtsch Eigentümer der entliehenen Aktien (s Schr des BMF v 03.04.1990, DB 1990, 863 und v 11.11.2016, BStBl I 2016, 1324; s Vfg der OFD Ffm v 17.02.2016, DB 2016, 862 und v 19.11.2013, DB 2014; s Altvater, DB 2014, 2008; s Häuselmann, DB 2000, 495; s Häuselmann/Wagner, FR 2003, 331 und s Tz 415). Ebenso s Urt des FG Nbg v 13.12.2016 (EFG 2017, 1606, Rev-Az: I R 40/17). Fallen während der Dauer der Wertpapierleihe Dividendenzahlungen an, erzielt der Entleiher originär Dividendenerträge (s § 20 Abs 5 EStG/s § 20 Abs 2a EStG aF). Handelt es sich bei dem Entleiher um eine nach § 1 oder § 2 KStG stpfl Kö, Pers-Vereinigung oder Vermögensmasse, sind die erhaltenen Dividenden bei ihr nach § 8b Abs 1 S 1 KStG stfrei. Nach uE zutr Auff des BFH (s Urt des BFH v 18.08.2015, BStBl II 2016, 961) kann das wirtsch Eigentum ausnahmsweise bei dem Verleiher verbleiben, wenn die Gesamtwürdigung der Umstände des Einzelfalls ergibt, dass dem Entleiher lediglich eine formale zivilrechtliche Rechtsposition verschafft werden soll. Im Urt-Fall, der zu sog cum/cum-Geschäften erging, ergab sich dies ua daraus, dass die Dividendenkompensationszahlungen und die Erträge aus den "verliehenen" Aktien betragsgleich waren, die Zahlungen zeitgleich erfolgten, aufgrund des kurzfristigen Umschlags die Stimmrechte keine Bedeutung hatten und kein endgültiger Übergang der mit dem Eigentum an Wertpapieren üblicherweise verbundenen Chancen und Risiken erfolgte. Bei Nichtanwendung des § 42 AO sind uE in diesem Fall sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben im Zusammenhang mit dem Wertpapierleihgeschäft zu berücksichtigen. Für die Einnahmen wird, mangels Zurechnung des wirtsch Eigentums an den entliehenen Wertpapieren, jedoch nicht die Freistellung nach § 8b Abs 1 KStG gewährt. Denn die Nichtzurechnung der Anteile ändert nichts an den tats geleisteten Zahlungen, die uE dann auch nicht negiert werden können. UE lässt sich dies auch aus dem Urt des BFH v 18.08.2015 (BStBl II 2016, 961, II.3.c) der Urt-Gründe) ableiten, wonach für die Besteuerung der St-Bil-Gewinn maßgebend ist, in dem die vorgenannten Einnahmen und Ausgaben enthalten sind. Hierzu auch s Urt des Nds FG v 17.11.2016 (Az: 6 K 230/15, die eingelegte NZB wurde als unbegründet zurückgewiesen, s Beschl des BFH v 12.12.2017, Az: I B 2/17) und des FG SnA v 25.11.2020 – 3 K 403/10), die sowohl die Dividendeneinnahmen als auch die Kompensationszahlungen ausscheiden und nur die Leihgebühren als abzb BA berücksichtigen. Diese Lösung kommt uE nur bei einer Anwendung des § 42 AO in Betracht, dessen Anwendung das FG SnA aber ablehnt. In diesem Sinne s Urt des Hess FG v 28.01.2020 (EFG 2020, 1160), das bei sog cum/cum-Geschäften wohl generell den Übergang des wirtsch Eigentums auf den Entleiher verneint und in einem zweiten Schritt § 42 AO anwendet (s Tz 22).

Weiter s Schr des BMF v 11.11.2016 (BStBl I 2016, 1324), s Ditz/Tcherveniachki (DB 2016, 615 und 2995), s Schwetlik (GmbH-StB 2016, 66), s Tiedchen (EFG 2017, 65), s Haisch (DK 2016, 278), s Ebel (FR 2016, 371), s Haarmann (BB 2018, 1623) und s Gosch (BFH/PR 2016, 105). Den Übergang des wirtsch Eigentums ebenfalls verneinend für den Fall, dass die Wertpapiere nicht darlehens-, sondern sicherungsweise übereignet werden, s Urt des FG Nbg v 07.06.2016 (EFG 2017, 59). Zustimmend s Schmich/Schnabelrauch (GmbHR 2017, 224). Abw von der Fin-Verw verneint das FG Nbg und das Hess FG bei einer rein formalen Rechtsposition auch dann den Übergang des wirtsch Eigentums, wenn sich eine positive Vorsteuerrendite ergibt (s Schmich/Schnabelrauch, GmbHR 2017, 224, 227 und s Spengel, DB 2020, 1919, 1925).

Es kann nur einen wirtsch Eigentümer geben. Vervielfachtes wirtsch Eigentum ist nicht möglich (s Urt des FG Köln v 19.07.2019, EFG 2020, 367 Rn 266ff, Rev-Az: I R 22/20 und s Urt des Hess FG v 28.01.2020, EFG 2020, 1160 Rn 170).

Ebenfalls hierzu s Tz 150, s Tz 223 und s Tz 403ff.

Wegen der Frage, inwieweit nach dem 28.02.2013 zufließende Dividenden wegen § 8b Abs 4 S 4 KStG in voller Höhe stpfl sind s Tz 292ff.

Auf die von Kö als Entleiher geleisteten Leihgebühren und Kompensationszahlungen ist uE – ungeachtet der vollen StPflicht der Beträge bei dem Verleiher bei inl Wertpapieren – bis zum VZ 2003 § 3c Abs 1 EStG anzuwenden. GlA s Strunk/Kaminski (NWB F 4, 4731, 4732). AA s Gosch (in Gosch, 4. Aufl, § 8b Rn 108), s Rödder/Schumacher (DStR 20...

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