Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / 1. Grundsätzliches
 

Rz. 95

Stand: EL 103 – ET: 07/2014

Soweit die Haftung des ArbG reicht, sind ArbG und ArbN Gesamtschuldner. Das >  Betriebsstätten-Finanzamt kann die Steuer- oder Haftungsschuld nach pflichtgemäßem Ermessen (> Rz 100 ff) grundsätzlich gegenüber jedem Gesamtschuldner geltend machen (§ 42d Abs 3 Satz 1, 2 EStG; BStBl 1975 II, 297 mwN). Jeder Gesamtschuldner schuldet die gesamte Leistung (§ 44 Abs 1 AO). Das FA kann die Leistung zwar nur einmal erheben (> Rz 96). Es steht ihm aber im Rahmen pflichtgemäßen > Ermessen frei, die Leistung von jedem Gesamtschuldner ganz oder teilweise zu verlangen. Bis zur Entrichtung des ganzen Betrags bleiben alle Gesamtschuldner verpflichtet (§ 421 BGB). Von dieser Ermessensregelung ist nicht die Nachversteuerung beim ArbN durch das > Wohnsitz-Finanzamt im Rahmen einer Veranlagung betroffen (> Rz 72).

 

Rz. 96

Stand: EL 103 – ET: 07/2014

Die Erfüllung der Schuld, hinsichtlich der das Gesamtschuldverhältnis besteht, wirkt auch für die übrigen Schuldner (§ 44 Abs 2 Satz 1, 2 AO). Andere Tatsachen wirken zwar nur für und gegen den Gesamtschuldner, in dessen Person sie eintreten (§ 44 Abs 2 Satz 3 AO). Für das Haftungsverfahren hat dies jedoch nur geringe Bedeutung. Als Folge der Akzessorietät der Haftung (> Rz 16) kann ein Haftungsbescheid nämlich nicht mehr ergehen, soweit die in § 191 Abs 5 Nr 1 und 2 AO genannten Voraussetzungen vorliegen.

 

Rz. 97

Stand: EL 103 – ET: 07/2014

Der ArbG kann grundsätzlich gegen seine Gesamtschuldnerschaft einwenden, der ArbN sei schon bestandskräftig veranlagt worden und die für die Änderung des Steuerbescheids nach § 173 Abs 1 Nr 1 AO erforderlichen Voraussetzungen lägen nicht vor (BFH 169, 208 = BStBl 1993 II, 169). Das setzt aber gedanklich voraus, dass der vom ArbG nicht dem LSt-Abzug unterworfene Arbeitslohn bei der Veranlagung erfasst worden und darauf ESt erhoben worden ist. Dann ist der LSt-Anspruch und damit die dazu akzessorische Haftung gegenstandslos. Der ArbG, der gegen den Haftungsanspruch des FA einwendet, der ArbN habe mehr als den ihm bescheinigten Arbeitslohn in seiner Steuererklärung angegeben, muss dies allerdings konkret dartun (BFH 167, 359 = BStBl 1992 II, 696).

 

Rz. 98

Stand: EL 103 – ET: 07/2014

Eine Gesamtschuldnerschaft besteht nicht, soweit die Haftung des ArbG ausgeschlossen ist (> Rz 55 ff); hier ist der ArbN Alleinschuldner der LSt. Gleiches gilt, soweit der ArbG die LSt nach §§ 37a/b, 40 – 40b EStG ­pauschaliert; dann ist der ArbG Alleinschuldner (> Pauschalierung der Lohnsteuer Rz 1 ff).

 

Rz. 99

Stand: EL 103 – ET: 07/2014

Obwohl ArbG und ArbN Gesamtschuldner sind, gelten für beide nicht immer die gleichen Rechtsgrundsätze. Aus der systematischen Gestaltung des LSt-Rechts ergeben sich Unterschiede hinsichtlich des Haftungsumfangs des ArbG und der Steuerschuld des ArbN (BFH 113, 157 = BStBl 1974 II, 756), die uE auch für die Abwägung von Bedeutung sein können, ob der ArbG im Rahmen der Ermessensausübung (> Rz 125 ff) vor dem ArbN in Anspruch genommen werden kann. Im Einzelnen handelt es sich um Folgendes:

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