30.04.2014 | Serie Kanzleipositionierung

Anwalt auf Pump: Ratenzahlung für Honorar via Drittfinanzierung

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Bild: Haufe Online Redaktion

Fast alles kann man heute finanzieren: Küche, Smartphone, Auto. Selbst Schönheitschirurgen bieten Facelifting u. ä. gegen Ratenzahlung an. Anwälte sind da bisher konservativ und erwarten den Rechnungsbetrag en bloc. Doch auch hier bahnt sich ein Wandel an, den Kanzleien nicht verschlafen sollte, Drittfinanzierung hilft Anwalt und Mandant und vielleicht sogar dem Recht zur Geltung. 

Die folgende Situation dürfte sich in zahlreichen Kanzleien immer wieder abspielen: Der potenzielle Mandant kommt in die Kanzlei schildert sein Rechtproblem und fragt nach den Kosten. Schwierig, aber lösbar, antwortet der Anwalt und nennt ein 4-stelliges Kostenrisiko. Der Mandant bedankt sich, verlässt die Kanzlei und ward nie mehr gesehen.

Mandant schämt sich

Warum das? Vermutlich war es dem nicht rechtsschutzversicherten Mandanten peinlich zuzugeben, dass er in finanziell engen Verhältnissen lebt. Vielleicht hat er auch nicht damit gerechnet, das Honorar oder gar die gesamten Prozesskosten in Raten zahlen zu können. Und in der Tat: Diese zusätzliche Finanzdienstleistung ist sicher noch die Ausnahme in Deutschlands Kanzleien. Sie dürfte aber zukünftig zumindest bei Mandanten aus dem Verbraucherbereich erheblich zunehmen.

Bank als Partner suchen

Allerdings werden die Kanzleien nicht selbst die Ratenzahlung über mehrere Jahre vorfinanzieren. Vielmehr werden sie sich eine Bank oder Verrechnungsstelle suchen, die diese Dienstleistung übernimmt und weitestgehend vom eigenen Beratungsgeschäft abkoppelt, gleichzeitig aber diskret, dienstleistungsorientiert und flexibel mit den Mandanten umgeht. Denn nichts wäre für den Anwalt schlimmer als eine Partnerbank, die Mandanten schlecht behandelt.

Gute Konditionen für den Mandanten aushandeln

Wer als Anwalt gute und regelmäßige Umsätze erzielt, wird sicherlich eine Bank finden, die die Finanzierung des Mandantengeschäfts übernimmt.

  • Dabei dürfte ein möglichst niedriger Zinssatz eine wichtige Rolle spielen. Schließlich erhalten Verbraucher heutzutage an allen Ecken und Enden 0 % Finanzierungen. Ist der Zinssatz zu hoch, werden die Mandanten das Angebot ablehnen.
  • Das Interesse der Bank besteht darin, Neukunden zu gewinnen. Dann muss sie sich über niedrige Zinsen und lange Laufzeiten auch entsprechend flexibel zeigen.
  • Auch die zügige Kreditbewilligung innerhalb von maximal 24 Stunden gehört längst zum Standard.  

Bank muss Add On bieten

Indirekt hilft ein solches Angebot auch dem Anwalt bei seinem eigenen Forderungsmanagement. Lehnt die Bank die Finanzierung mangels negativer Auskünfte ab, sollte auch der Anwalt von dem Mandat lieber die Finger lassen. Denn Ziel dieser Drittfinanzierung ist es ja gerade, dass der Anwalt sein Geld gleich sieht und nicht das jahrelange Finanzierungsrisiko trägt. Die Bank muss den Anwalt auch organisatorisch unterstützen.

  • Dazu gehören etwa Werbemittel, die sie für das Finanzierungsangebot zur Verfügung stellen muss.
  • Aber auch ein Online-Zugang über das Kanzlei-Sekretariat ist unabdingbar, um kurzfristig handlungsfähig zu sein.  

Schlagworte zum Thema:  Kanzleiorganisation, Kanzleimanagement

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