Studie zur Zukunft der Weiterbildung in Unternehmen

Weiterbildung ist und wird für die Unternehmen immer wichtiger. Nach der Corona-bedingten Digitalisierung der Lernangebote erfolgt nun aber etwas Ernüchterung – Formate und Kosten werden stärker hinterfragt. Das zeigt eine Studie von HR Pepper und der Bitkom Akademie.

Die Art und Weise, wie Weiterbildung in Unternehmen gestaltet wird, hat sich in den vergangenen Monaten stark verändert. Mehr als ein Jahr nach Beginn der Coronapandemie erforschten HR Pepper Management Consultants und die Bitkom Akademie, welche Weiterbildungsformate aktuell stark nachgefragt werden, was die Erfolgsfaktoren für digitale Weiterbildung sind und mit welchen Veränderungen bezüglich des Budgets, der relevanten Themen und der Verantwortung die Befragten rechnen. Die Ergebnisse von knapp 700 befragten Fach- und Führungskräften werden mit denen der Weiterbildungsstudie aus dem Jahr 2020 verglichen und Rückschlüsse darauf gezogen, wie effektive digitale Weiterbildung ermöglicht werden kann und welche Trends sich für die Zukunft abzeichnen.

Studie: Relevanz von Weiterbildung ist gestiegen

Insgesamt hat Weiterbildung im Großteil der befragten Unternehmen schon jetzt einen hohen oder sehr hohen Stellenwert, das geben 54 Prozent der Befragten an. Die Umfrageteilnehmenden gehen sogar davon aus, dass dieser Anteil in fünf Jahren auf 70 Prozent ansteigen wird. Gleichzeitig ist die Zufriedenheit mit dem Weiterbildungserlebnis in den vergangenen Monaten im Vergleich zu 2020 gesunken, obwohl viele digitale Weiterbildungsangebote nach einem holprigen Start zu Beginn der Coronapandemie eine deutliche Professionalisierung erlebt haben. Der Großteil der Befragten wünscht sich in Zukunft keine komplette Rückkehr zur Weiterbildung in Präsenz, sondern eine Mischung aus digitalen- und Präsenzangeboten. Für Organisationen und Weiterbildungsanbieter gilt es also, die Möglichkeiten im digitalen Raum noch besser auszunutzen, um etwa der "Zoom Fatigue" und digitalen Frustration vorzubeugen.

Zukunft des Lernens mit individuell abgestimmten Formaten

Zudem liefert die Studie konkrete Anhaltspunkte zur Gestaltung von digitalen Weiterbildungsformaten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Zufriedenheit der Teilnehmenden in starkem Maße davon abhängt, ob sie beispielsweise während des Weiterbildungsformats die Möglichkeit haben, sich mit anderen Teilnehmenden auszutauschen und ob Inhalte kompetent anhand passender Methoden vermittelt werden. Im Gegensatz dazu ist für eine Leistungsverbesserung laut Angaben der Teilnehmenden vor allem relevant, dass sie die Lerngeschwindigkeit und die Inhalte während der Weiterbildung beeinflussen können. Menschen brauchen in Zukunft also personalisierte Lernangebote, die sie auf ihre individuellen Bedürfnisse anpassen können. Unternehmen sollten daher individuell konfigurierbare Lernangebote mit passenden Tools und Methoden entwickeln, in denen der Austausch unter den Teilnehmenden ein fester Bestandteil ist.  

Weiterbildungsbudget wird kaum erhöht

Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass Geschäftsführung, Personalbereich und Führungskräfte in den vergangenen Monaten weniger Verantwortung für die Weiterbildung der Mitarbeitenden als im Jahr 2020 übernommen haben. Finanzielle Investitionen von Unternehmen in die digitale Weiterbildung der Belegschaft sind zudem in den vergangenen Monaten zurückgegangen (laut Bitkom-Studie im Mai 2021).

Des Weiteren sind die Befragten im Vergleich zu 2020 deutlich weniger optimistisch in Bezug auf das zukünftige Wachstum ihres Weiterbildungsbudgets (siehe Grafik). Dieses Ergebnis kann auch damit zusammenhängen, dass im vergangenen Jahr die Weiterbildungsbudgets in vielen Unternehmen eingefroren oder reduziert wurden. Aktuell geht nur noch jede vierte befragte Person davon aus, dass ihr Weiterbildungsbudget in den nächsten Jahren wachsen wird.
 

Veränderung der Weiterbildungsbudgets

Kostenpflichtige Lernangebote sind nachhaltiger

In Zeiten disruptiver Veränderungen ist es jedoch erfolgsentscheidend für Unternehmen, ausreichend Zeit und Geld für Weiterbildungsaktivitäten zur Verfügung zu stellen, die auf die strategischen Ziele des Unternehmens einzahlen. Um Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen, brauchen die Beschäftigten gerade jetzt Orientierung und Unterstützung bei der Entscheidung, welche Themen und Fähigkeiten für ihre zukünftige Arbeit relevant sind. Hier gaben 28 Prozent der Befragten an, dass sie bei der Vielzahl an Weiterbildungsangeboten schlicht keinen Überblick haben, was für ihren Bedarf am geeignetsten scheint. Verantwortliche Personen in der Geschäftsführung und Personalentwicklung sowie Führungskräfte sollten daher Budgets und zeitliche Ressourcen bereitstellen und stärker Verantwortung für Weiterbildung übernehmen.

Kostenfreie Weiterbildungsangebote werden deutlich häufiger genutzt als kostenpflichtige, dennoch haben die kostenpflichtigen Angebote im Vergleich zum vergangenen Jahr erheblich an Relevanz gewonnen. Fast jede dritte Nennung ist bereits auf ein kostenpflichtiges Angebot zurückzuführen, und diese gehen häufiger mit einer Leistungssteigerung der Teilnehmenden einher. Die Ergebnisse zeigen, dass knapp drei Viertel (73 Prozent) der Teilnehmenden an Formaten mit einer Gebühr über 2.000 Euro von einer Verbesserung ihrer Leistung berichten, während dies bei kostenfreien Formaten nur 42 Prozent der Teilnehmenden tun. Unternehmen sollten daher besonders bei kostenfreien Angeboten genau auf die Qualität und Wirksamkeit achten.

Weiterbildungsthemen der Zukunft

Als wichtigste zukünftige Hard Skills wurden von den Befragten Datenschutz und IT-Sicherheit, Umgang mit Informationstechnologien und Projektmanagement genannt. Bei den Soft Skills standen netzwerkbasierte Zusammenarbeit, kreative Problemlösungen und Umgang mit Veränderungen im Vordergrund. Die Krise hat also deutlich gemacht, dass Weiterbildung weiterhin ein erfolgskritisches Thema bleibt und viele Themen in Unternehmen nun parallel bewerkstelligt werden müssen.

Hier können Sie die vollständige Studie herunterladen.


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