Studie: So entwickelt sich die Weiterbildung der Mitarbeiter

Weiterbildungen werden kürzer, digitaler und leichter in den Arbeitsalltag integrierbar. Außerdem könnten Angestellte in Zukunft zunehmend ihre eigene berufliche Qualifizierung steuern. Das ergab eine gemeinsame Studie von der Bitkom Akademie und HR Pepper.

Laut der Studie "Weiterbildung 2025" gehört die Zukunft der digitalen Weiterbildung: Mehr als die Hälfte der Beschäftigten erwarten, dass Seminare und Lehrgänge bald verstärkt im virtuellen Raum stattfinden. Obwohl sich die Budgets der Umfrage zufolge bisher kaum veränderten, erhöhte beinahe jeder Dritte der rund 400 Befragten mit und ohne Führungsverantwortung seit März 2020 den Anteil der Arbeitszeit, die er oder sie mit Weiterbildung verbrachten – 53 Prozent davon gehörten der Geschäftsführung und 22 Prozent der Belegschaft ohne Personalverantwortung an. Bei 51 Prozent ergaben sich keine Änderungen, während knapp jeder Fünfte die Lernzeit verringerte.

Kostenfreie Online-Seminare erfüllen die Erwartungen nicht

Knapp 90 Prozent nutzten in der Zeit des Lockdowns kostenfreie Online-Seminare – das macht den größten Zuwachs an Weiterbildung aus. Über zwei Drittel gaben zudem an, dass sie an Webkonferenzen teilnahmen. Bei den kostenpflichtigen Angeboten hatten Trainings und Workshops mit 21 Prozent die Nase vorne.

Mit den genutzten Weiterbildungsangeboten waren allerdings knapp die Hälfte nur teilweise oder gar nicht zufrieden. Dies scheint vor allem auf den hohen Anteil der kostenfreien Angebote zurückzuführen zu sein. Laut der Studienmacher können diese zwar ein Einstieg in neue Themengebiete sein, um Grundwissen zu vermitteln. Zur strategischen Weiterbildung von Fachkräften und Spezialisten seien aber ausreichende Weiterbildungsbudgets und individuell bemessene zeitliche Ressourcen wichtig. Die Wirksamkeit von Lernformaten werde gemäß der Befragung selten standardisiert evaluiert und Effektivitätsdaten als Entscheidungskriterium kaum genutzt.

Wer ist für die Weiterbildung der Mitarbeiter verantwortlich?

Eine neue Rolle zeichnet sich für Personalentwickler ab: Die Ergebnisse der Befragung deuten auf eine abnehmende Bedeutung von HR für das Thema Weiterbildung hin. Während bereits heute nur 40 Prozent der Fach- und Führungskräfte bei den Personalmanagern eine hohe Verantwortung sehen, nimmt der Wert in der Zukunftsprognose weiter ab: Nur jeder Dritte glaubt, dass HR-Experten die Entscheider in Sachen Weiterbildung der Beschäftigten sein werden.

Bereits heute liegt die Verantwortung für ihre persönliche Weiterbildung laut der Studie mit 70 Prozent bei den Mitarbeitern selbst. 57 Prozent sehen sie bei den Führungskräften und 42 Prozent bei der Geschäftsführung. Interessant ist die Diskrepanz in der Selbst- und Fremdwahrnehmung der Unternehmensführung: Während 82 Prozent der Geschäftsführungsmitglieder das Heft bei dem Thema in der Hand zu halten glauben, teilen nur 37 Prozent der Belegschaft dieses Bild. Drei Viertel aller Befragten wünschen sich, dass Mitarbeiter in naher Zukunft ihre Weiterbildung komplett eigenverantwortlich organisieren. Die Teilnehmenden sind jedoch nur verhalten optimistisch, ob dieser Zustand 2025 schon Realität sein wird – nur jeder Zweite glaubt daran.

Kommunikation der Strategie ist ungenügend

47 Prozent der Befragten gaben an, dass Weiterbildung in ihrem Unternehmen strategisch eingesetzt wird, um Mitarbeiter zum Umgang mit künftigen Veränderungen zu befähigen. Umgekehrt tun der Studie zufolge mehr als die Hälfte der Unternehmen dies nicht. Die Aufschlüsselung der Antworten nach Hierarchieebenen ergibt ein differenziertes Bild: Während in der Geschäftsführung 80 Prozent davon überzeugt sind, bei der Qualifizierung der Beschäftigten strategisch unterwegs zu sein, teilen diese Ansicht nur 42 Prozent der restlichen Belegschaft. Dies lässt gemäß der Studieninitiatoren den Schluss zu, dass Unternehmen den strategischen Wert von Weiterbildung nur ungenügend kommunizieren.

Viel Optimismus bei den Weiterbildungsbudgets

Die Budgets für Weiterbildung blieben bis zum Befragungszeitpunkt im Mai 2020 weitgehend unverändert (72 Prozent). Bei acht Prozent der Befragten stiegen die Budgets seit März sogar. 69 Prozent sind zuversichtlich, dass sich die Bedeutung von Weiterbildung in den nächsten fünf Jahre deutlich vergrößern wird. Dass jeder Zweite ein höheres Weiterbildungsbudget in 2025 erwartet, erscheint in der aktuellen wirtschaftlichen Lage sehr optimistisch. Nicht einmal jeder Zehnte geht von sinkenden Bildungsmitteln aus. Ein ähnliches Bild zeigt sich in puncto Arbeitszeit, die Arbeitnehmer mit Fortbildungen verbringen. Auch hier erwartet knapp die Hälfte der Fach- und Führungskräfte einen Anstieg der eingebrachten Arbeitszeit, während nur sieben Prozent von einem geringeren Zeitinvest ausgehen.

Lernformate werden kürzer und finden seltener in Präsenz statt

Ein Großteil der Befragten geht davon aus, dass Lernformate aufgrund einer geringeren Aufmerksamkeitsspanne der Arbeitnehmer kürzer werden (61 Prozent), der Kostendruck ansteigt und Präsenzformate seltener werden (59 Prozent). Gleichzeitig betrachtet die Mehrheit diesen Ausblick jedoch als nicht wünschenswert. Vier Fünftel der Teilnehmenden möchten nicht auf Präsenzformate verzichten. Außerdem fürchten sie, dass sie bei den Online-Formaten verstärkt ihre personalisierten Daten preisgeben müssen.

Weiterbildung: Zukunftsszenarien für 2025

Die Studie zeichnet anhand der Befragung von Weiterbildungsexperten für das Jahr 2025 zehn Zukunftsszenarien:

  1. Der War for Talents verschärft sich weiter.
  2. Das Angebot von Präsenzformaten reduziert sich.
  3. Soft Skills werden wichtiger als Hard Skills.
  4. Mitarbeiter organisieren eigenverantwortlich ihre Weiterbildung.
  5. Lernende bewegen sich selbstverständlich in Augmented und Virtual Reality.
  6. Weiterbildung gehört zu einem modernen Lebensstil als Teil der Selbstverwirklichung.
  7. Lernende fordern sofortige Lösungen für ihre persönlichen Herausforderungen.
  8. Weiterbildungsanbieter liefern standardmäßig Daten zur Effektivität ihrer Angebote.
  9. Einer Marktkonzentration bei Standardthemen steht eine diverse Anbieterlandschaft für Trendthemen gegenüber.
  10. Lernende haben eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne.

Die Befragten konnten ihre Einschätzung abgeben, wie realistisch und wünschenswert diese Szenarien in ihren Augen sind. Besonders weit entfernt erscheint den Teilnehmenden die Aussage, dass Weiterentwicklung in Unternehmen in gleichberechtigten Online- und Offline-Formaten stattfinden werde, die sich automatisch ergänzen. Auch dass künstliche Intelligenz schon individuelle Lernwege aufzeigt, stößt auf Skepsis. Zwei Drittel der Befragten glauben jedoch, dass wir aktuell nicht mehr weit davon entfernt sind, dass der Kostendruck auf Weiterbildungsbudgets steigt und Präsenzformate reduziert werden. 59 Prozent halten dieses Szenario im Jahr 2025 für realistisch, allerdings bewerten nur 27 Prozent dies als wünschenswert.

Studienautoren befragten hauptsächlich Wissensunternehmen

Die Studie "Weiterbildung 2025" von der Bitkom Akademie und HR Pepper basiert auf elf Experteninterviews und der Befragung von circa 400 Fach- und Führungskräfte im Mai 2020. Die Befragten kamen mehrheitlich aus Wissensunternehmen, vor allem aus den Branchen IT, Internet und Telekommunikation (21 Prozent), Dienstleistung und Beratung (13 Prozent) sowie der Weiterbildungsbranche selbst (13 Prozent). Nur knapp fünf Prozent der Teilnehmenden arbeiteten im produzierenden Gewerbe.


Das könnte Sie auch interessieren:

Themenwoche Learning: Mitarbeiter befähigen statt Wissen eintrichtern

Themenwoche Learning: Virtual Reality in der Weiterbildung

Studie zur Weiterbildung: Für die Skills der Zukunft fehlt die Zeit