Duale Ausbildung

Azubi-Recruiting 2026 – Generation Alpha sucht persönlichen Kontakt

Nicht alles läuft über Social Media: Für die nächste Azubi-Generation ist der persönliche Kontakt im Bewerbungsprozess wichtig. Instagram spielt bei der Lehrstellensuche dagegen eine immer kleinere Rolle. Das zeigt die Studie "Azubi-Recruiting-Trends 2026" – und sie hat noch mehr überraschende Befunde parat.

Schulunterricht mit Tablets

Bald kommen die nächsten Azubi-Jahrgänge in die Unternehmen, diejenigen, die nach 2010 geboren wurden. In machen Untersuchungen werden diese jungen Menschen auch als "Generation Alpha" bezeichnet. Was sie von Ausbildungsplatz, Arbeitgeber und Bewerbungsprozess erwarten, unterscheidet sich offenbar deutlich von dem, was die aktuelle Azubi-Generation will, die oftmals der "Generation Z" zugeordnet werden.

Die jüngsten Azubi-Bewerber nutzen kaum noch Instagram 

Ein wesentlicher Unterschied zur aktuellen Azubi-Generation: Die meisten ab 2010 Geborenen gehen noch zur Schule (86 Prozent versus 15 Prozent der Generation Z). Dennoch haben bereits viele aus der Generation Alpha eine oder mehrere Ausbildungsbewerbungen abgesendet, und die meisten wissen, in welcher Branche sie tätig werden möchten. 

Ausbildungswerbung nimmt diese jüngste Azubi-Generation deutlich weniger auf Instagram wahr als die Generation Z (32 Prozent versus 56 Prozent). Lediglich über Tiktok und Youtube sind die ab 2010 Geborenen mit Ausbildungsinhalten gleich gut erreichbar wie die Generation Z (Tiktok: 38 Prozent versus 27 Prozent; Youtube: 23 versus 22 Prozent). 

Auch andere Formate kommen bei der jüngsten Azubi-Generation schlechter an als bei ihren Vorgängern. Außenwerbung an öffentlichen Orten wie Plakate an Bushaltestellen werden nur von 28 Prozent wahrgenommen (versus 42 Prozent der Generation Z), Werbung in öffentlichen Verkehrsmitteln kommt nur bei 17 Prozent an (versus 28 Prozent der Generation Z). Weitere Anzeigemöglichkeiten, wie in Musikstreaming-Diensten, im Fernsehen oder im Kino, auf Facebook oder in Dating-Apps, werden von den befragten Jugendlichen fast gar nicht genannt.

Azubi-Recruiting Generation Alpha – auf persönlichen Kontakt kommt es an

So wenig die nächsten Azubis auf Instagram und Co. setzen – umso mehr schätzen sie persönliche Kontakte und dialogische Angebote. Vier von zehn Befragten konsultieren Lehrer und schulische Veranstaltungen bei der Ausbildungsplatzsuche (in der Generation Z sind es nur ein Viertel). KI-Tools werden von 17 Prozent eingesetzt (Generation Z: elf Prozent), Jobbörsen von 24 Prozent (Generation Z: 45 Prozent) und Unternehmenswebsites von 27 Prozent (Generation Z: 45 Prozent). 

Zur Orientierung über Ausbildungen und Unternehmen wünschen sich zwei Drittel der Jugendlichen Kontaktmöglichkeiten zu Azubis, die beispielsweise in Stellenanzeigen bereitgestellt werden (Generation Z: 48 Prozent). 44 Prozent sagen, dass ein KI-Chatbot auf der Karriereseite hilfreich ist (Generation Z ebenfalls 44 Prozent). 

All das sind Ergebnisse der Studie Azubi-Recruiting-Trends des Einstellungstest-Anbieters U-Form Testsysteme unter wissenschaftlicher Begleitung von Professor Christoph Beck von der University of Applied Sciences in Koblenz, für die 9.524 Azubis, angehende Azubis und dual Studierende befragt wurden. Darüber hinaus nahmen 2.071 Ausbilderinnen und Ausbilder an der Studie teil. 

Weibliche Azubis fühlen sich häufiger gestresst und überfordert 

In der Studie wurden nicht nur Unterschiede zwischen den Altersgruppen festgestellt, sondern auch einige Besonderheiten weiblicher Azubis. Diese zeigen sich schon im Bewerbungsprozess: 41 Prozent der jungen Frauen bewerben sich erst, wenn sie vier bis fünf Anforderungen erfüllen. Bei Männern sind nur 32 Prozent so zurückhaltend. Die Frauen performen dann aber besser auf dem Bewerbungsmarkt und erhalten häufiger mehr als ein Stellenangebot. 

Gleichzeitig berichten Frauen häufiger von psychischen Belastungen (27 Prozent versus 17 Prozent der Männer). Über die Hälfte der Frauen sagt, sie seien in der Ausbildung manchmal überfordert (52 Prozent Frauen versus 35 Prozent der Männer). Und 58 Prozent der Frauen wünschen sich mehr Verständnis für Stress und Überforderung (versus 44 Prozent der Männer).

Geht es um das Berufsleben nach der Ausbildung, so halten vor allem weibliche Azubis die Arbeit im Homeoffice für sehr wichtig (52 Prozent versus 36 Prozent der Männer). Mindestens zwei oder drei Tage im Homeoffice wollen 61 Prozent der weiblichen Azubis arbeiten, bei den Männern sind es nur 47 Prozent. 

Was Azubis von Arbeitgebern erwarten – Arbeitsatmosphäre vor Gehalt

Die Studie hat auch abgefragt, was die jungen Menschen von ihren zukünftigen Arbeitgebern erwarten. Und da steht die Arbeitsatmosphäre ganz oben: 88 Prozent halten sie für "sehr wichtig" und elf Prozent für "eher wichtig". Jobsicherheit ist aus Sicht der Azubis ebenfalls ein relevantes Thema: 86 Prozent halten diese für "sehr wichtig", 13 Prozent für "eher wichtig". An dritter Stelle steht die Wertschätzung durch den Arbeitgeber: 83 Prozent halten sie für "sehr wichtig" und 16 Prozent für "eher wichtig". 

Ebenfalls hoch im Kurs: Gehalt (79 Prozent "sehr wichtig" und 20 Prozent "eher wichtig") und Karrieremöglichkeiten im Unternehmen (74 Prozent "sehr wichtig", 24 Prozent "eher wichtig"). Es folgen Weiterbildungsmöglichkeiten (73 Prozent "sehr wichtig" und 25 Prozent "eher wichtig") sowie flexible Arbeitszeiten (69 Prozent "sehr wichtig" und 26 Prozent "eher wichtig") und Betriebliche Altersvorsorge (56 Prozent "sehr wichtig", 37 Prozent "eher wichtig"). 

Dagegen sind Themen wie Diversität, Angebote zur Gesundheit sowie Nachhaltigkeit/Umweltschutz, die oft auf Karriereseiten besonders ausgeflaggt werden, aus Sicht der Azubis weniger relevant. 

Selbst- und Fremdwahrnehmung bei Azubis klaffen auseinander

Die Studie hat auch die Selbstwahrnehmung der Azubis und die Fremdwahrnehmung durch ihre Ausbilder abgefragt. Hier ergeben sich erwartbare Differenzen: 37 Prozent der Azubis schätzen ihre eigene psychische Belastbarkeit als stark ausgeprägt ein, aber nur drei Prozent der Ausbilder sehen das bei ihren Azubis genauso. Drei Viertel der Azubis halten sich selbst für ausgesprochen zuverlässig, aber nur 13 Prozent der Ausbilder sehen das genauso. 57 Prozent der Azubis glauben, dass sie besonders zielstrebig sind, doch nur zwölf Prozent der Ausbilder sind dieser Ansicht.

 

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