Wird ein Firmenwagen aus dem Ausland importiert, muss die Bemessungsgrundlage des geldwerten Vorteils für die Ein-Prozent-Regelung ermittelt werden. Bild: Haufe Online Redaktion

Ein Finanzgericht hat erstmals entschieden, wie der geldwerte Vorteil eines Firmenwagens ermittelt werden kann, wenn für ein importiertes Kfz kein inländischer Bruttolistenpreis existiert.

Der geldwerte Vorteil aus der Gestellung eines Dienstwagens für private Zwecke wird regelmäßig mit monatlich pauschal ein Prozent des inländischen Listenpreises bewertet. Was aber, wenn ein solcher Listenpreis nicht existiert? In dem aktuellen Urteilsfall des Finanzgerichts Niedersachsen (Urteil vom 16. November 2016, 9 K 264/15) ging es um einen Selbstständigen. Die Problematik ist jedoch genauso bei Arbeitnehmern denkbar.

Ein-Prozent-Regelung: Ausländischer Firmenwagen

Der Kläger fuhr als Firmenwagen einen Ford Mustang Shelby GT 500 Coupé. Ursprünglich erwarb der Unternehmer das Auto zehn Tage nach der Erstzulassung für 78.900 Euro. Zur Ermittlung des privaten Nutzungsanteils wendete er die Ein-Prozent-Regelung an. Als Bemessungsgrundlage für den Bruttolistenpreis nahm er den amerikanischen Listenpreis und rechnete diesen Wert zum Importdatum in Euro um (53.977 Euro). Das Finanzamt änderte nach einer Außenprüfung die Bemessungsgrundlage für den Bruttolistenpreis auf den ursprünglichen Kaufpreis.

Bruttolistenpreis darf geschätzt werden

Das Finanzgericht wählte den Mittelweg. Dabei stellte es ausdrücklich klar, dass eine Schätzung des Bruttolistenpreises zulässig ist. Als Bemessungsgrundlage ist jedoch nur der inländische Bruttolistenpreis zuzüglich Sonderausstattung und Umsatzsteuer zulässig. Der amerikanische Listenpreis eignet sich hingegen nicht als Bemessungsgrundlage. Denn dieser Preis orientiert sich am amerikanischen und nicht am deutschen Markt. Daher wählte das Finanzgericht den Preis als Bemessungsgrundlage, der sich am deutschen Absatzmarkt orientiert. Das war der Preis des Importeurs für das in Deutschland betriebsbereite Fahrzeug, im Streitfall also 75.999 Euro.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Gegen die Entscheidung ist Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt worden (Aktenzeichen des Bundesfinanzhofs: III R 20/16). Das Revisionsverfahren und die Reaktion der Finanzverwaltung bleiben abzuwarten. Bis dahin sollten vergleichbare Fälle offengehalten werden.

Tipp: Nachträgliche Änderungen des Fahrzeugwerts (beispielsweise durch nachträglichen Einbau von Sonderausstattung) bleiben bei der Listenpreisregelung ebenso unberücksichtigt wie gewährte Rabatte beim Neuwagenkauf. Die Bemessungsgrundlage ist auch in solchen Fällen der inländische Bruttolistenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung (Urteil des Bundesfinanzhof vom 13. Dezember 2012, VI R 51/11, BStBl 2013 II Seite 385).

Schlagworte zum Thema:  Firmenwagen, Geldwerter Vorteil, 1%-Regelung

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