Pauschale Nutzungswertmethode mit der 1 %-Regelung

Bei dieser Methode wird pauschal für jeden Kalendermonat 1 % des inländischen Listenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung zzgl. der Kosten für Sonderausstattungen einschließlich Umsatzsteuer als Sachbezug (Arbeitslohn) angesetzt.

1%-Regelung: Listenpreis 

Eine in die Bemessungsgrundlage "Listenpreis" einzubeziehende Sonderausstattung liegt nur vor, wenn das Kraftfahrzeug bereits werkseitig im Zeitpunkt der Erstzulassung damit ausgestattet ist (z. B. ein werkseitig eingebautes Navigationsgerät). Nachträglich eingebaute unselbstständige Ausstattungsmerkmale sind durch den pauschalen Nutzungswert abgegolten und können nicht getrennt bewertet werden. 

Sonderfälle beim Listenpreis 

Für den pauschalen Nutzungswert ist auch bei reimportierten Kraftfahrzeugen der inländische Listenpreis des Kraftfahrzeugs im Zeitpunkt seiner Erstzulassung maßgebend. Soweit das reimportierte Kraftfahrzeug mit zusätzlichen Sonderausstattungen versehen ist, die sich im inländischen Listenpreis nicht niedergeschlagen haben, ist der Wert der Sonderausstattung zusätzlich zu berücksichtigen. Soweit das reimportierte Kraftfahrzeug geringerwertig ausgestattet ist, lässt sich der Wert der "Minderausstattung" durch einen Vergleich mit einem adäquaten inländischen Kraftfahrzeug angemessen berücksichtigen. 

Der inländische Bruttolistenpreis ist zu schätzen, wenn das Fahrzeug ein Importfahrzeug ist und weder ein inländischer Bruttolistenpreis vorhanden ist noch eine Vergleichbarkeit mit einem bau- und typengleichen inländischen Fahrzeug besteht (BFH, Urteil v. 9.11.2017, III R 20/16).

Hinweis: Der BFH hat entschieden, dass es auch bei unterschiedlichen Preislisten (im Urteilsfall für Taxen) nur einen Listenpreis geben kann. Das ist der Preis, zu dem der Steuerpflichtige das Fahrzeug als Privatkunde erwerben könnte (BFH, Urteil v. 8.11.2018, III R 13/16).

Wichtig: Bei einem Fahrzeugwechsel im Laufe eines Kalendermonats ist der Listenpreis des überwiegend zur Verfügung gestellten Kraftfahrzeugs zugrunde zu legen.

Elektrofahrzeuge und Hybridautos 

Bei der Dienstwagenbesteuerung für Elektro- und Hybridfahrzeuge erfolgt inzwischen regelmäßig eine Halbierung teilweise sogar einer Viertelung der Bemessungsgrundlage Listenpreis (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG), der geldwerte Vorteil sinkt entsprechend. Die Reduzierung gilt auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und für Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung. Die Maßnahmen erfolgen zur Förderung der Elektromobilität und gelten aktuell bis 2030.

Die Viertel-Regelung gilt ab 2020, wenn das Kraftfahrzeug keine Kohlendioxidemission je gefahrenen Kilometer hat und der Bruttolistenpreis des Kraftfahrzeugs nicht mehr als 40.000 EUR beträgt (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Nr. 3 und Satz 3 Nr. 3 EStG). Gefördert werden hier also nur reine Elektrofahrzeuge oder Wasserstofffahrzeuge.

Liegt der Bruttolistenpreis eines Elektrofahrzeugs über 40.000 EUR oder handelt es sich um ein extern aufladbares Elektro-Hybridfahrzeug kommt eine Halbierung der Bemessungsgrundlage bzw. der Abschreibung gemäß vorstehenden Grundsätzen in Betracht (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Nr. 2 und Satz 3 Nr. 2 EStG).

Die Förderung von Hybridfahrzeugen erfolgt nur wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Danach muss:

  • das Fahrzeug eine Kohlendioxidemission von höchstens 50 Gramm je gefahrenen Kilometer haben oder
  • die Reichweite unter ausschließlicher Nutzung der elektrischen Antriebsmaschine mindestens 40 km betragen (bei Anschaffung nach dem 31.12.2021: 60 km).
Achtung: Die Bundesregierung hat am 12.6.2020 das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz beschlossen: Danach soll die Kaufpreisgrenze für die 0,25 %-Besteuerung von rein elektrischen Fahrzeugen ohne Kohlenstoffdioxidemission soll von 40.000 EUR auf 60.000 EUR angehoben werden. Die Änderung soll für die Bewertung ab 1.1.2020 und für Fahrzeuge gelten, die nach dem 31.12.2018 angeschafft, geleast oder erstmalig zur privaten Nutzung überlassen wurden.

Die maßgebliche Kohlendioxidemission sowie die Reichweite des Kraftfahrzeugs unter ausschließlicher Nutzung der elektrischen Antriebsmaschine ist der Übereinstimmungs­bescheinigung nach Anhang IX der Richtlinie 2007/46/EG oder aus der Übereinstimmungs­bescheinigung nach Artikel 38 der Verordnung (EU) Nr. 168/2013 zu entnehmen (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 und Satz 3 jeweils am Ende).

Die Viertelung bzw. die Halbierung gelten für vom Arbeitgeber erstmals ab 2019 zur privaten Nutzung überlassenen betrieblichen Fahrzeuge, die die vorgenannten Voraussetzungen erfüllen. Es kommt nicht auf den Zeitpunkt an, zu dem der Arbeitgeber das Kraftfahrzeug angeschafft, hergestellt oder geleast hat (BMF, Schreiben v. 19.12.2018, IV C 5 - S 2334/14/10002-07). Im Jahr 2019 war gesetzlich nur die Halbierung vorgesehen, im Jahr 2020 sind beide Regelungen nach den vorstehenden Grundsätzen parallel anwendbar.

Für vor 2019 angeschaffte oder geleaste Elektro- und Hybridelektrofahrzeuge, die extern aufladbar sind, sowie für entsprechende Fahrzeuge die die Reichweitenvoraussetzung nicht erfüllen, gilt die frühere Regelung unverändert weiter (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Nr. 1 und Satz 3 Nr. 1 EStG). Danach ist der Listenpreis für bis zum 31.12.2013 angeschaffte Kraftfahrzeuge um 500 EUR pro Kilowattstunde der Batteriekapazität zu mindern; dieser Betrag mindert sich für in den Folgejahren angeschaffte Kraftfahrzeuge um jährlich 50 EUR pro Kilowattstunde der Batteriekapazität; die Minderung pro Kraftfahrzeug beträgt höchstens 10.000 EUR. Zu Einzelheiten vgl. BMF, Schreiben v. 5.6.2014, IV C 6 - S 2177/13/10002, ergänzt durch BMF, Schreiben v. 24.1.2018, IV C 5 - S 2334/18/10001.

Beispiel: Der Steuerpflichtige hat in 2017 ein Elektrofahrzeug mit einer Batteriekapazität von 16,3 kWh erworben. Der Bruttolistenpreis beträgt 45.000 EUR. Die Minderung beträgt für 2017 angeschaffte Fahrzeuge 300 EUR pro Kilowattstunde der Batteriekapazität. Der Bruttolistenpreis ist um 4.890 EUR (16,3 kWh x 300 EUR) zu mindern. Der für die Ermittlung des Entnahmewerts geminderte und auf volle hundert Euro abgerundete Bruttolistenpreis beträgt 40.100 EUR. Die Nutzungsentnahme nach der 1%-Regelung beträgt auch in 2020 401 EUR pro Monat.

Abwandlung: Die Anschaffung ist in 2019 erfolgt. Der Listenpreis wird in diesem Fall halbiert (22.500 EUR). Die Nutzungsentnahme nach der 1%-Regelung beträgt 225 EUR pro Monat.

Weitere Besonderheiten bei der 1%-Regelung

Der pauschale Nutzungswert kann die dem Arbeitgeber für das Kraftfahrzeug insgesamt entstandenen Kosten übersteigen. Wird dies im Einzelfall nachgewiesen, ist der pauschale Nutzungswert höchstens mit dem Betrag der Gesamtkosten des Kraftfahrzeugs anzusetzen (Kostendeckelung).

Der pauschale Nutzungswert für Privatfahrten ist auch dann anzusetzen, wenn das Kraftfahrzeug tatsächlich nur gelegentlich überlassen wird.

Die Monatsbeträge brauchen nicht angesetzt zu werden

  • für volle Kalendermonate, in denen Mitarbeitern kein betriebliches Kraftfahrzeug zur Verfügung steht, oder
  • wenn Mitarbeitern das Kraftfahrzeug aus besonderem Anlass oder zu einem besonderen Zweck nur gelegentlich (von Fall zu Fall) für nicht mehr als fünf Kalendertage im Kalendermonat überlassen wird. In diesem Fall sind der pauschale Nutzungswert für Privatfahrten und der pauschale Nutzungswert für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte je Fahrtkilometer mit 0,001 % des inländischen Listenpreises des Kraftfahrzeugs zu bewerten (Einzelbewertung). Zum Nachweis der Fahrstrecke müssen die Kilometerstände festgehalten werden.
  • Stehen Nutzungsberechtigten in einem Fahrzeugpool mehrere Kraftfahrzeuge zur Verfügung, so ist der Nutzungswert für Privatfahrten mit 1 % der Listenpreise aller Kraftfahrzeuge zu ermitteln und die Summe entsprechend der Zahl der Nutzungsberechtigten aufzuteilen.
  • Wird ein Kraftfahrzeug mehreren Mitarbeitern überlassen, so ist der pauschale Nutzungswert für Privatfahrten von 1 % des Listenpreises entsprechend der Zahl der Nutzungsberechtigten aufzuteilen.
  • Wird Mitarbeitern ein Kraftfahrzeug mit der Maßgabe zur Verfügung gestellt, es für Privatfahrten nicht zu nutzen, ist von dem Ansatz des pauschalen Nutzungswerts abzusehen, wenn das Nutzungsverbot durch entsprechende Unterlagen (z. B. eine arbeitsvertragliche oder andere arbeits- oder dienstrechtliche Rechtsgrundlage) nachgewiesen wird. Diese Belege sind zum Lohnkonto aufzubewahren.
  • Dem Nutzungsverbot des Arbeitgebers steht ein ausdrücklich mit Wirkung für die Zukunft erklärter schriftlicher Verzicht des Arbeitnehmers auf die Nutzung für Privatfahrten, Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte oder mehr als eine Familienheimfahrt wöchentlich gleich, wenn aus außersteuerlichen Gründen ein Nutzungsverbot des Arbeitgebers nicht in Betracht kommt.

Hinweis: Die evtl. unbefugte Privatnutzung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs hat nach der Rechtsprechung keinen Lohncharakter. Ein Zufluss von Arbeitslohn liegt in diesen Fällen erst in dem Zeitpunkt vor, in dem der Arbeitgeber zu erkennen gibt, dass er die ihm zustehende Schadenersatzforderung gegenüber den betroffenen Mitarbeitern nicht geltend machen wird.

Stehen einem Arbeitnehmer gleichzeitig mehrere Kfz zur Verfügung, so ist bei der pauschalen Nutzungswertermittlung grds. für jedes Fahrzeug die private Nutzung mit monatlich 1 % des Listenpreises anzusetzen. Überlässt jedoch der Arbeitgeber mehrere Fahrzeuge an einen alleinstehenden Arbeitnehmer, die auch alle privat genutzt werden dürfen, ist nach Ansicht der Finanzverwaltung bei der 1-%-Regelung nur für das überwiegend genutzte Fahrzeug ein lohnsteuerpflichtiger geldwerter Vorteil anzusetzen. Dies gilt immer dann, wenn die Nutzung der Fahrzeuge durch andere, zur Privatsphäre des Arbeitnehmers gehörende Personen (z.B. Ehegatten, Lebenspartner oder volljährige Kinder) so gut wie ausgeschlossen ist.

Demgegenüber hat der BFH mehrfach entschieden, dass bei einer Nutzungsüberlassung an den Arbeitnehmer von mehr als einem Fahrzeug zur privaten Nutzung für jedes Fahrzeug die 1-%-Regelung anzuwenden ist (BFH, Urteil v. 13.6.2013, VI R 17/12 und BFH, Beschluss v. 24.5.2019, VI B 101/18). Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Finanzverwaltung ihre großzügigere Auffassung an dieser Stelle nicht ändern wird.

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