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Die Erntesaison hat begonnen: Für die Besteuerung ausländischer Saisonarbeitkräfte gibt es unterschiedliche Möglichkeiten Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Mit dem Beginn der Erntesaison sind viele Landwirte auf zeitlich befristete Aushilfskräfte angewiesen. Diese kommen oft aus dem Ausland. Für die Besteuerung ausländischer Saisonarbeitnehmer gibt es mehrere Möglichkeiten; zudem sind lohnsteuerrechtliche Besonderheiten zu beachten.

Ausländische Arbeitnehmer, die nur vorübergehend in Deutschland arbeiten, hier keinen Wohnsitz haben und sich auch nicht länger als sechs Monate in Deutschland aufhalten, sind beschränkt steuerpflichtig. Dies trifft auf viele mittel- und osteuropäische Erntehelfer zu.

Lohnsteuerabzug bei Saisonarbeitern: Pauschale oder individuelle Besteuerung

Der Arbeitslohn ausländischer Erntehelfer, der auf die in Deutschland ausgeübte Tätigkeit entfällt, ist grundsätzlich steuerpflichtig und muss hier versteuert werden. Die Besteuerung erfolgt regemäßig durch den Steuerabzug vom Arbeitslohn nach den persönlichen Besteuerungsmerkmalen des Arbeitnehmers. Alternativ kann der Arbeitslohn auch pauschal versteuert werden. Die pauschale Lohnsteuer übernimmt in den meisten Fällen der Arbeitgeber.

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Ausländische Saisonarbeiter: Lohnsteuerabzugsbescheinigung beantragen

Beschränkt steuerpflichtige Arbeitnehmer, zu denen viele ausländische Saisonarbeiter zählen, benötigen jährlich eine neue Lohnsteuerabzugsbescheinigung, die alle für den Lohnsteuerabzug erforderlichen Besteuerungsmerkmale enthält. Diese sogenannte Besondere Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug wird auf Antrag vom zuständigen Betriebsstättenfinanzamt ausgestellt. Die Lohnsteuer ist nach den darauf eingetragenen Lohnsteuerabzugsmerkmalen zu berechnen. Die Bescheinigung kann vom Arbeitgeber beantragt werden - oder auch vom Arbeitnehmer selbst.

Wichtig: Für beschränkt steuerpflichtige Arbeitnehmer werden dem Arbeitgeber keine elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (Elstam) zur Verfügung gestellt.

Lohnsteuerabzug bei Saisonarbeit: Erstattung durch Einkommensteuerveranlagung

Auf der Besonderen Bescheinigung kann sich der ausländische Saisonarbeiter Freibeträge eintragen lassen; zum Beispiel für Werbungskosten aufgrund einer doppelten Haushaltsführung oder für Reisekosten. Wird ein Freibetrag für Werbungskosten eingetragen und übersteigt der im Kalenderjahr erzielte Arbeitslohn 11.400 Euro (bei einem Ledigen), muss die Saisonarbeitskraft zwingend eine Steuererklärung abgeben.

In Deutschland beschränkt steuerpflichtige EU-Bürger können eine Antragsveranlagung durchführen. 

In beiden Fällen führt die Einkommensteuerveranlagung zur Anwendung der Jahrestabelle und damit in den meisten Fällen zur Erstattung der einbehaltenen Lohnsteuer.

Wichtig: Normalerweise werden beschränkt steuerpflichtige Saisonarbeiter nicht zur Einkommensteuer veranlagt; mit dem Lohnsteuerabzug gilt die Steuer grundsätzlich als abgegolten.

Lohnsteuer-Pauschalierung bei Saisonarbeit: strenge Voraussetzungen

Alternativ ist es häufig möglich, die Lohnsteuer pauschal zu erheben. Für Saisonarbeitskräfte in der Land- und Forstwirtschaft funktioniert das mit einem günstigen Steuersatz von 5 Prozent (vergleiche § 40a Absatz 3 EStG). Die Pauschalierung ist aber nur zulässig, wenn die Aushilfskraft:

  • in einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb tätig ist,
  • ausschließlich typisch land- und forstwirtschaftliche Tätigkeiten ausübt,
  • nicht mehr als 180 Tage im Kalenderjahr für den Arbeitgeber tätig wird,
  • keine land- und forstwirtschaftliche Fachkraft ist,
  • nur Arbeiten ausführt, die nicht ganzjährig anfallen und
  • der Stundenlohn 12 Euro nicht übersteigt.

Die Pauschalsteuer wird regelmäßig vom Arbeitgeber getragen, kann aber auf den Mitarbeiter abgewälzt werden.

Für Aushilfskräfte und Teilzeitbeschäftigte außerhalb der Land- und Forstwirtschaft kann unter bestimmten Voraussetzungen die Lohnsteuer mit 25 Prozent, 20 Prozent, oder 2 Prozent pauschaliert werden. Diese Pauschalierungsmöglichkeiten gelten natürlich auch für beschränkt steuerpflichtige ausländische Saisonarbeiter in der Land- und Forstwirtschaft.

Saisonarbeit: Steuerfreie Kost und Logis

Viele Saisonarbeiter erhalten vom Arbeitgeber freie Kost und Logis. Da die Familie des Saisonarbeiters häufig an einem anderen, zumeist deutlich entfernten Ort lebt und der Saisonarbeiter in der betrieblichen Einrichtung seines Arbeitgebers eine erste Tätigkeitsstätte hat, kann der Arbeitgeber etwaige Auslösungen nach den Grundsätzen einer doppelten Haushaltsführung steuerfrei ersetzen. Damit kann die Unterkunft lohnsteuerfrei gewährt. In den ersten drei Monaten stehen dem Saisonbeschäftigten die ebenfalls steuerfreien Verpflegungspauschalen zu, sie sind aber bei Gestellung von Mahlzeiten gegebenenfalls bis auf null Euro zu kürzen.

Praxistipp für Saisonarbeitskräfte: Steuererstattung durch unbeschränkte Steuerpflicht

Viele Saisonarbeitskräfte verdienen einen Großteil ihres Jahreseinkommens in Deutschland. Beschränkt steuerpflichtige Arbeitnehmer, die nahezu ihre gesamten Einkünfte in Deutschland erzielen (mindestens 90 Prozent), können sich auf Antrag wie unbeschränkt Steuerpflichtige behandeln lassen und so in den Genuss personenbezogener Vorteile kommen. Dazu gehört auch die Möglichkeit der Beantragung von Kindergeld für die Monate der Tätigkeit. 

Der Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht kann bereits für das Lohnsteuerabzugsverfahren gestellt werden. Das Finanzamt hält entsprechende Formulare bereit. Erforderlich ist ein Nachweis über die Höhe der ausländischen Einkünfte durch die ausländische Steuerbehörde. In diesen Fällen ist dann aber später zwingend eine Steuererklärung abzugeben.

Beispiel: Polnischer Saisonarbeitnehmer in Deutschland

Beispiel: Ein Saisonarbeiter aus Polen arbeitet vom 3. April 2018 bis 30. Juni 2018 auf einem Spargelfeld in Süddeutschland und erhält einen Bruttolohn von 6.000 Euro.

Ergebnis: Er hält sich nur drei Monate in Deutschland auf und ist somit beschränkt steuerpflichtig. Eine Bescheinigung seines polnischen Finanzamts über die Höhe seiner Einkünfte legt er nicht vor. Daher wird er als beschränkt Steuerpflichtiger behandelt und wird nach der Lohnsteuerklasse I besteuert. Der Arbeitgeber behält Lohnsteuer nach den allgemeinen Regeln ein.

Praxistipp: Nach Ablauf des Jahres kann der Arbeitnehmer eine Veranlagung zur Einkommensteuer beantragen. Bei einem Jahresarbeitslohn von 6.000 Euro, von dem in der Veranlagung noch unter anderem der Werbungskostenpauschbetrag abgezogen wird, ergibt sich eine Einkommensteuer von null Euro. Er erhält die gezahlte Lohnsteuer komplett zurück.

Lesetipp: Was ist zu tun, wenn mehrere Staaten für denselben Arbeitslohn Anspruch auf Besteuerung erheben? Der Erlass zur Besteuerung des Arbeitslohns nach den Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) beantwortet viele Fragen anhand von Beispielen.

Schlagworte zum Thema:  Lohnsteuer, Saisonarbeiter, Lohnsteuerpauschalierung, Kurzfristige Beschäftigung, Mindestlohn, Berufsmäßigkeit, Sozialversicherung

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