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12.04.2016 | Top-Thema Saisonarbeit

Saisonarbeiter: Die wichtigsten Regeln zur Sozialversicherung

Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

Insbesondere zur Spargel- und Erdbeerzeit werden in Deutschland Saisonarbeiter benötigt. Für landwirtschaftliche Betriebe sind sie von großer Bedeutung. Sozialversicherungsrechtlich sind dabei allerdings verschiedene Regelungen zu beachten.

Für Erntehelfer gelten grundsätzlich die gleichen versicherungsrechtlichen Bedingungen wie für alle anderen Arbeitnehmer. Eine Beschäftigung als Saisonarbeiter kann wie jede andere Beschäftigung zu einer Versicherungspflicht in den einzelnen Sozialversicherungszweigen führen. Auch im Bereich der Unfallversicherung gibt es keine Besonderheiten. Es gelten die gleichen Vorschriften, wie in den übrigen Zweigen.

Kurzfristige Beschäftigung eines Saisonarbeiters

Wird der Erntehelfer im Rahmen einer kurzfristigen Beschäftigung eingestellt, ist diese Beschäftigung versicherungs- und beitragsfrei. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn der Arbeitnehmer bei einer Fünf-Tage Arbeitswoche nicht mehr als drei Monate eingesetzt wird. Arbeitet der Arbeitnehmer weniger als fünf Tage in der Woche, ist auf den Zeitraum von 70 Arbeitstagen abzustellen. Zudem darf die kurzfristige Beschäftigung nicht berufsmäßig ausgeübt werden. Dies bedeutet, dass die ausgeübte Beschäftigung nicht allein für die Sicherung des Lebensunterhalts bestimmt ist.

Prüfung der Berufsmäßigkeit korrekt nachweisen

Die Berufsmäßigkeit sollte anhand von Indizien geprüft werden. Eine kurzfristige Beschäftigung, die von einer erwerbslosen Person ausgeübt wird, wäre immer als berufsmäßig anzusehen. Bei der Prüfung der kurzfristigen Beschäftigung werden vorherige Beschäftigungen auf die aktuelle Beschäftigung angerechnet.

Praxis-Tipp: Um Nachforderungen auszuschließen, sollten Vorbeschäftigungen bereits vor Beschäftigungsaufnahme erfragt und ggf. dokumentiert werden. Dies kann u. a. in Form eines Einstellungsfragebogens erfolgen. Ein Nachweis über die vorherigen Beschäftigungen sollte in jedem Fall den Entgeltunterlagen beigefügt werden.

Ausländische Saisonarbeiter mit Hauptbeschäftigung

Häufig werden Erntehelfer aus anderen EU-Mitgliedsstaaten, insbesondere Polen und Rumänien, eingesetzt. Hier muss geprüft werden, ob die Person in ihrem Heimatland eine Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit ausübt. Ist dies nicht der Fall, unterliegt sie den deutschen Rechtsvorschriften.
Übt sie eine Beschäftigung oder ähnliche selbstständig Erwerbstätigkeit (z. B. als Landwirt) aus, gelten während der Beschäftigung ausschließlich die Rechtsvorschriften des Heimatlandes. Der Erntehelfer muss in diesen Fällen die Bescheinigung "A1" vorlegen.

Achtung: Mit der Bescheinigung "A1" weist ein ausländischer Arbeitnehmer nach, dass für ihn nicht die deutschen Rechtsvorschriften, sondern die Rechtsvorschriften des Beschäftigungsstaats (also des Staats in dem die Hauptbeschäftigung ausgeübt wird) gelten. Entsprechend reicht es aus, wenn eine Kopie der Bescheinigung "A1" zu den Entgeltunterlagen genommen wird.

Auch die Beiträge richten sich in diesen Fällen nach den Rechtsvorschriften des Heimatlands. Dies bedeutet, dass auf den Arbeitgeber in Deutschland keine sozialversicherungsrechtlichen Pflichten zukommen. Allerdings muss der deutsche Arbeitgeber nach den Rechtsvorschriften des Heimatlandes ggf. Sozialversicherungsbeiträge entrichten.

Ausländische Flüchtlinge als Saisonarbeitnehmer

Ob geflüchtete Menschen als Saisonarbeitnehmer eingesetzt werden können, ist abhängig von ihren Aufenthaltsstatus. In der Regel benötigen sie für die Arbeitsaufnahme eine Genehmigung der Ausländerbehörde sowie ggf. eine Zustimmung der Agentur für Arbeit. Sobald alle Voraussetzungen erfüllt sind, können geflüchtete Menschen als Saisonarbeitnehmer eingesetzt werden. Für geflüchtete Menschen gelten grundsätzlich die gleichen versicherungsrechtlichen Bedingungen wie für alle anderen Arbeitnehmer.

Betriebsprüfung prüft Mindestlohn

Die Träger der Rentenversicherung prüfen im Rahmen der Betriebsprüfung auch für Saisonarbeitnehmer die Einhaltung des Mindestlohns. Nach dem Mindestlohngesetz sind die Arbeitgeber verpflichtet Unterlagen über die Arbeitsleistung zu den Entgeltunterlagen zu nehmen. Hierbei muss der Arbeitgeber den Beginn, das Ende und die Dauer der täglichen Arbeitszeit dokumentieren. Sollte dieser Nachweis nicht vorliegen, wird der Rentenversicherungsträger die nicht gezahlten Beiträge nachfordern.

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