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Welche Vor- und Nachteile eine Befreiung von der Rentenversicherungspflicht in Minijob und Nebenjob haben kann. Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben mehr als drei Millionen Arbeitnehmer neben ihrer Hauptbeschäftigung noch einen Zweitjob. Sofern dies ein 450-Euro-Minijob ist, sichert sich der Arbeitnehmer Rentenansprüche im Nebenjob. Der Arbeitnehmer kann aber entscheiden, ob er das auch will.

Ein 450-Euro-Minijob ist rentenversicherungspflichtig. Von dieser Rentenversicherungspflicht kann sich der Arbeitnehmer befreien lassen. Er spart damit seinen Beitragsanteil zur Rentenversicherung und erhält seinen Verdienst brutto für netto. Er verzichtet damit auf Vorteile, die bei alleiniger Beitragszahlung des Minijob-Arbeitgebers nicht gegeben sind. Wir klären auf, ob dies sinnvoll ist und was für Minijobber im Nebenjob zu beachten ist.

Beitragszahlung im 450-Euro-Minijob

Die Höhe der im 450-Euro-Minijob zu zahlenden Rentenversicherungsbeiträge ist abhängig davon, ob der Arbeitnehmer rentenversicherungspflichtig oder von der Rentenversicherungs­pflicht befreit ist. Ist der Minijobber rentenversicherungspflichtig beläuft sich der Rentenver­sicherungsbeitrag auf 18,7% des Arbeitsentgelts. Davon zahlt der Arbeitgeber 15% und der Arbeitnehmer 3,7%. Im Falle der Befreiung von der Rentenversicherungspflicht entfällt der Beitragsanteil des Arbeitnehmers.

Keine Mindestbeitragsbemessungsgrundlage im Nebenjob

Grundsätzlich ist für die Zahlung der Rentenversicherungsbeiträge bei einem renten­versicherungspflichtigen Minijob die Mindestbeitragsbemessungsgrundlage von 175 Euro zu beachten. Dies bedeutet, dass der Pflichtbeitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 18,7% bei einem geringeren Monatsentgelt mindestens aus 175 Euro zu zahlen ist. Diese Regelung dient dem Zweck, rentenversicherungspflichtigen Minijobbern erst ab einem bestimmten Verdienst einen Anspruch auf das volle Leistungspaket der gesetzlichen Rentenversicherung zu gewährleisten. Ein Missbrauch der Rentenversicherung zu Lasten der Solidargemeinschaft soll damit vermieden werden. Diese Regelung gilt nicht für Minijobber, die bereits Rentenversiche­rungsbeiträge aufgrund einer Hauptbeschäftigung zahlen. Hier ist der Pflichtbeitrag zur Rentenversicherung also auch dann vom tatsächlichen Arbeitsentgelt zu berechnen, wenn dieses weniger als 175 Euro beträgt.

Minijob und Nebenjob: Leistungen der Rentenversicherung

Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung haben verschiedene Vorteile für den Minijobber. Er erwirbt das volle Leistungspaket der gesetzlichen Rentenversicherung, wie z. B. Anspruch auf Übergangsgeld bei einer Rehabilitationsmaßnahme oder die Erhöhung seiner zukünftigen Rente, weil das Arbeitsentgelt in voller Höhe berücksichtigt wird. Aber der Pflichtbeitrag begründet in dem Minijob auch einen Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung für eine betriebliche Altersversorgung. Minijobber im Nebenjob sichern sich Leistungsan­sprüche in der Rentenversicherung bereits aufgrund ihrer rentenversicherungs­pflichtigen Hauptbeschäftigung. In diesen Fällen sollten sie sich bei ihrem Rentenver­sicherungsträger erkundigen, ob eine Befreiung von der Rentenversicherungs­pflicht nicht sogar sinnvoll erscheint.

Empfehlung für Beschäftigte über der Beitragsbemessungsgrenze

Personen, die mit ihren Arbeitsentgelten aus der Haupt- und Nebenbeschäftigung zusammen die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der Rentenversicherung (West: 6.350 EUR mtl., Ost: 5.700 EUR mtl.) überschreiten, sind gut beraten, wenn sie sich in der Nebenbeschäftigung auf 450-Euro-Basis von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Anderenfalls entgehen ihnen unter Umständen wertvolle Entgeltpunkte für die spätere Rente. Dies liegt daran, dass beim Zusammentreffen zweier rentenversicherungspflichtiger Beschäftigungen aus beiden Beschäftigungen zusammen nur einmal Entgeltpunkte bis zur BBG erworben werden. Der Minijobber erwirbt aber immer zusätzliche Entgeltpunkte, wenn nur der Arbeitgeber seinen (Pauschal-)Beitragsanteil zahlt. Und dies gilt selbst dann, wenn der Minijobber bereits im Rahmen seiner Hauptbeschäftigung Rentenversicherungsbeiträge bis zur BBG zahlt.

Schlagworte zum Thema:  Nebenjob, Nebenbeschäftigung, Rentenversicherung, Genehmigung

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