Höhere Mindestlöhne in der Pflegebranche

Beschäftigte in der Altenpflege sollen künftig deutlich höhere Mindestlöhne erhalten. Darauf hat sich die Pflegekommission am 5. Februar 2022 geeinigt. Sie empfiehlt, die Mindestlöhne ab dem 1. September 2022 in drei Schritten anzuheben. Auch die Anzahl der Urlaubstage soll steigen.

Pflege- und Betreuungskräfte in Deutschland sollen besser bezahlt werden. Die ersten Regelungen zum Pflegemindestlohn waren nur ein Anfang. Die Pflegekommission hat sich jetzt einstimmig auf höhere Mindestlöhne für Beschäftigte in der Altenpflege geeinigt: Ab dem 1. September 2022 sollen die Mindestlöhne für Pflegekräfte in Deutschland in drei Schritten steigen. 

Welcher Mindestlohn für Fachkräfte gilt zurzeit?

Einen Mindestlohn für Fachkräfte in der Altenpflege gibt es erstmals seit Juli 2021. Die aktuell gültige Pflegemindestlohn-Verordnung ist noch bis 30. April 2022 gültig. Danach liegen die Mindestlöhne derzeit bei 15 Euro für Pflegefachkräfte, bei 12,50 Euro für qualifizierte Pflegehilfskräfte und für Pflegehilfskräfte 12 Euro. Sie steigen zum 1. April 2022 noch einmal gestaffelt nach Qualifikation auf 15,40 Euro, 13,20 Euro und 12,55 Euro.

Neuer Pflegemindestlohn ab September 2022

Eine Staffelung der Mindestlöhne nach Qualifikationsstufe wurde auf Grundlage der Empfehlung der letzten Pflegekommission vorgenommen. Die fünfte Pflegekommission hat dies beibehalten. Sie hat sich dafür ausgesprochen, den Lohn künftig für Pflegefachkräfte auf 18,25 Euro pro Stunde anzuheben. Für qualifizierte Pflegehilfskräfte empfiehlt sie eine Anhebung auf 15,25 Euro pro Stunde und für Pflegehilfskräfte auf 14,15 Euro pro Stunde. In einem zweiten und dritten Schritt sollen die Löhne zum 1. Mai 2023 und 1. Dezember weiter angehoben werden.

Wie geht es weiter?

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) will die neuen Pflegemindestlöhne nun auf Grundlage der Empfehlung der Pflegekommission im Wege einer Verordnung festsetzen. Damit werden die empfohlenen Pflegemindestlöhne wie auch der Anspruch auf Mehrurlaub allgemein verbindlich - ungeachtet eventuell höherer Ansprüche aus Arbeits- oder Tarifvertrag.

Mehr Urlaub für Altenpflegekräfte

Für Beschäftigte in der Altenpflege empfiehlt die Pflegekommission außerdem einen Anspruch auf zusätzlichen bezahlten Urlaub über den gesetzlichen Urlaubsanspruch hinaus. Dieser Mehrurlaub soll bei Beschäftigten mit einer 5-Tage-Woche für das Jahr 2022 sieben Tage, für die Jahre 2023 und 2024 jeweils neun Tage betragen.

Anhebung des Mindestlohns: "Ein erster wichtiger Schritt"

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) begrüßte die Empfehlung der Pflegekommission für die nächsten Lohnschritte in der Altenpflege. Deutliche Lohnsteigerungen seien eine gute Nachricht für die Altenpflegerinnen und Altenpfleger in Deutschland, die jeden Tag anpackten und sich um die älteren und pflegebedürftigen Menschen in unserer Gesellschaft kümmerten.

Für viele Pflegekräfte zahlt sich ein höherer Mindestlohn in besserer Bezahlung aus, sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Er betonte, dass viele Arbeitgeber bereits jetzt schon aus guten Gründen deutlich mehr zahlten. Die Anhebung des Mindestlohns sei insofern nur ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer fairen Entlohnung des Pflegepersonals. Das Ziel sei Tarifgehalt und mehr als Regel, damit der Beruf attraktiv bleibe.


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Schlagworte zum Thema:  Pflege, Lohn, Mindestlohn