Berufsbildungsgesetz Novelle

Tarifliche Ausbildungsvergütungen liegen meist jetzt schon über der geplanten Mindestvergütung, zeigt die Auswertung des WSI-Tarifarchivs. Anders sieht es noch bei nicht tariflich gebundenen Unternehmen aus. Was sich mit der Novelle des Berufsbildungsgesetzes ab 2020 ändern wird. 

Eine Mindestvergütung für Auszubildende, international vergleichbare Abschlussbezeichnungen und mehr Möglichkeiten, eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Das sind die Kernpunkte der Novelle des Berufsbildungsgesetzes. Deren Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der dualen Ausbildung zu stärken. Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf bereits Mitte Mai 2019 beschlossen. Die Vorschriften sollen ab dem 1.1.2020 gelten. Die Zustimmung von Bundestag und Bundesrat stehen noch aus.

Mindestvergütung für Auszubildende

Bereits jetzt zahlen die meisten tarifgebundenen Betriebe ihren Auszubildenden mehr als die zunächst geplanten 515 Euro im Monat. Die Unterschiede bei der Ausbildungsvergütung variieren jedoch stark nach Branche und Region - zwischen 325 Euro und 1037 Euro im ersten Lehrjahr sind hier möglich. Dies hat die Auswertung des Tarifarchivs des Wirtschafts-und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung ergeben. Besonders schlecht sieht es bisher in nicht tarifgebundenen Unternehmen aus. Diese zahlen häufig weniger als die geplante Mindestausbildungsvergütung. Ab 2020 soll die Mindestvergütung für alle Ausbildungsverträge gelten, die außerhalb der Tarifbindung liegen. (Lesen Sie hier mehr zur Mindestvergütung für Auszubildende)

Neue Bezeichnungen für Fortbildungen

 „Geprüfte/r Berufsspezialist/in“, „Bachelor Professional“ oder „Master Professional“. So sollen die Abschlüsse in der höher qualifizierten Berufsausbildung - bislang Aufstiegsfortbildungen- künftig bezeichnet werden. Beabsichtigt ist hierdurch, die Gleichwertigkeit von beruflicher Fortbildung und einem Studium zu verdeutlichen. Zudem soll durch Bezeichnungen, die international verständlich sind, die Mobilität gefördert werden. Besonderheiten gelten für den Meister im Handwerk: Die neue Abschlussbezeichnung „Bachelor Professional“ kann zusätzlich geführt werden. Einen Meistertitel erlangt weiterhin nur, wer eine Meisterprüfung erfolgreich abgelegt hat.

Mehr Möglichkeiten für Ausbildung in Teilzeit

Bisher ist es nur in Ausnahmefällen möglich eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren wie für besonders leistungsstarke Auszubildende, die alleinerziehend sind oder Angehörige pflegen. Die Möglichkeit, eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren soll künftig erweitert werden und insbesondere auch Geflüchteten, lernbeeinträchtigten Menschen sowie Menschen mit Behinderungen offenstehen. Voraussetzung für eine Ausbildung in Teilzeit soll aber die Zustimmung des Ausbildungsbetriebs sein.

Neuregelungen: mehr Flexibilität, weniger Bürokratie

Weiter soll mit der Reform unter anderem das Prüfungswesen in der beruflichen Bildung flexibler gestaltet werden. Verbessert werden soll zudem die Durchlässigkeit bei aufeinander aufbauenden Ausbildungsberufen. Die Neuregelungen bieten zudem Gelegenheit, Bürokratie abzubauen. Dafür ist beabsichtigt, einige Verfahren zu modernisieren, zu vereinfachen und zu verkürzen.


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