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Mit Gutscheinen und steuergünstigen Gehaltsextras Azubis motivieren und ans Unternehmen binden Bild: Michael Bamberger

Im Grundsatz gelten für Azubis die gleichen Lohnsteuer-Regelungen wie für reguläre Mitarbeiter. Dies bedeutet, dass auch für sie steuerfreie und pauschalbesteuerte Leistungen durch den Arbeitgeber möglich sind. So können auch Auszubildende beispielsweise von der 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze und anderen Gehaltsextras profitieren.

Sachbezüge, die der Auszubildende vom Arbeitgeber erhält, sind steuerfrei, wenn der Wert für alle in einem Monat gewährten Sachbezüge 44 Euro insgesamt nicht übersteigt (Freigrenze). Die 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze gilt auch für Gutscheine mit Geldbetrag (z. B. Benzingutschein). Aufgrund der vergleichsweise einfachen Handhabung ist die 44-Euro-Grenze in der Unternehmenspraxis weit verbreitet. Zu beachten ist allerdings, dass ein Überschreiten der Grenze zur vollen Steuer- und Sozialversicherungspflicht führt, weil es sich nicht um einen Freibetrag handelt.

Kostenlose private Handynutzung

Die Privatnutzung eines betrieblichen Handys durch den Auszubildenden ist steuerfrei - unabhängig vom Verhältnis der beruflichen zur privaten Nutzung. Dies gilt selbst dann, wenn das Telefon zu 100 Prozent privat genutzt wird. Entscheidend ist, dass das Telefon im Eigentum des Betriebs verbleibt, beispielsweise am Ende der Ausbildung wieder zurückgegeben werden muss.

Pauschaler Zuschuss zur Internetnutzung

Zuschüsse des Arbeitgebers, die zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn zu den Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Internetnutzung gezahlt werden, können pauschal mit 25 Prozent besteuert werden. Zu den Aufwendungen für die Internetnutzung in diesem Sinne gehören sowohl die laufenden Kosten, als auch die Kosten der Einrichtung des Internetzugangs. Aus Vereinfachungsgründen kann der Arbeitgeber den vom Auszubildenden erklärten Betrag für die laufende Internetnutzung (Gebühren) pauschal versteuern, soweit dieser 50 Euro im Monat nicht übersteigt.

Fahrten zum Ausbildungsbetrieb

Der Ausbildungsbetrieb stellt für viele Auszubildende die erste Tätigkeitsstätte dar. Für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte gilt, dass Fahrtkostenerstattungen hierfür steuerpflichtig, aber bis zur Höhe von 0,30 Euro je Entfernungskilometer mit 15 Prozent pauschal besteuerbar sind. Das gilt auch für die Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese Aufwendungen können in tatsächlicher Höhe - und damit über den Ansatz der Entfernungspauschale hinaus - als Werbungskosten berücksichtigt werden.

Bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel können die tatsächlichen Aufwendungen mit 15 Prozent pauschaliert werden. Die Pauschalbesteuerung führt in beiden Fällen zur Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung.

Steuerfreie Erstattungen für Übernachtungskosten und Spesen scheiden ebenfalls aus.

In Betracht kommt ggf. eine doppelte Haushaltsführung in der Nähe des Ausbildungsbetriebs. Die Finanzverwaltung verweigert aber regelmäßig die Anerkennung, wenn der oder die Auszubildende zwar eine Übernachtungsmöglichkeit am Arbeitsort anmietet, aber ansonsten noch bei den Eltern wohnt.

Umzugskosten

Umzugskosten, die ein Arbeitgeber seinem Azubi ersetzt, sind steuerfrei, wenn der Umzug beruflich veranlasst ist und die durch den Umzug entstandenen Aufwendungen nicht überschritten werden. Ein beruflicher Anlass ist dabei auch der erstmalige Antritt einer Stellung. Die Erstattung ist begrenzt auf den Betrag, der nach dem Bundesumzugskostenrecht als höchstmögliche Umzugskosten­vergütung gezahlt werden könnte.

Berufsschule oder andere Ausbildungsstätte

Wenn der Arbeitnehmer im Rahmen seines Ausbildungsdienstverhältnisses eine Ausbildungs- oder Fortbildungsstätte außerhalb des Betriebs des Arbeitgebers aufsucht, sind die Reisekostengrundsätze maßgebend (R 9.4 LStR).

Dies gilt insbesondere für die Fahrten zur Berufsschule. Das bedeutet, dass die entstandenen Fahrtkosten in Höhe der tatsächlichen Aufwendungen vom Arbeitgeber steuerfrei ersetzt werden können. Werden stattdessen Pauschalen angewandt, sind für die amtlichen Kilometersätze die jeweils aktuellen Wegstreckenentschädigungen des Bundesreisekostengesetzes maßgeblich.

Nach dem aktuellen BRKG kann der Arbeitnehmer 2017 folgende Pauschalbeträge in Anspruch nehmen: 

Kfz0,30 Euro/km
Motorrad/Motorroller0,20 Euro/km
Moped/Mofa0,20 Euro/km

Hinweis: Vor der Reisekostenreform 2014 wurden durch Verwaltungsanweisung Kilometersätze für Fahrräder (0,05 Euro/km) sowie die Pauschsätze für die Mitnahme von Fahrgästen (0,02 Euro/km) festgesetzt. Das ist heute nicht mehr anwendbar.

Für Berufsschultage können zudem Spesen für Verpflegungsmehraufwendungen in Höhe der Pauschalen von 12 oder 24 Euro je nach Abwesenheitsdauer von Betrieb und Wohnung gezahlt werden. Allerdings ist zumindest bei Blockunterricht die sogenannte Dreimonatsfrist zu beachten.

Übernachtungskosten am Berufsschulort können in voller Höhe ohne zeitliche Begrenzung steuerfrei erstattet werden. Allerdings gilt seit der Reisekostenreform: Ist die Unterkunft am auswärtigen Tätigkeitsort die einzige Wohnung/Unterkunft des Arbeitnehmers, liegt kein beruflich veranlasster Mehraufwand im Sinne des Einkommensteuergesetzes vor. Eine steuerfreie Erstattung der Kosten ist dann nicht möglich.

Schlagworte zum Thema:  Reisekosten, Fahrtkosten, Ausbildung, Auszubildende, Ausbildungsverhältnis, Ausbildungsvergütung

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