Doppelte Haushaltsführung

Zusammenfassung

 

Begriff

Eine doppelte Haushaltsführung liegt vor, wenn der Arbeitnehmer außerhalb des Orts, an dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt ist und auch am Beschäftigungsort wohnt. Typische Fälle im Berufsalltag, die eine auswärtige Zweitwohnung erforderlich machen, sind

  • der erstmalige Antritt eines Dienstverhältnisses,
  • der Wechsel des Arbeitgebers,
  • die Versetzung an einen anderen Beschäftigungsort oder
  • die langfristige Abordnung an eine andere Betriebsstätte, z. B. Filiale oder Zweigbetrieb.

Steuerlich wird der doppelte Haushalt nur anerkannt, wenn die Begründung beruflich veranlasst ist. Notwendige Mehraufwendungen, die durch eine zusätzliche auswärtige Wohnung zwangsläufig entstehen, sind steuerlich nur dann begünstigt, wenn die Berufsausübung der entscheidende Anlass für die Begründung dieses zweiten Haushalts ist.

Die steuerliche Reisekostenreform sieht auch Änderungen bei der doppelten Haushaltsführung vor. Die neuen Reisekostenbestimmungen dürfen der Besteuerung für Zeiträume seit 2014 zugrunde gelegt werden. Sie gelten auch für Bestandsfälle, in denen die steuerlich anzuerkennende doppelte Haushaltsführung bereits vor 2014 begründet worden ist.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Lohnsteuer: Der Werbungskostenabzug im Zusammenhang mit der doppelten Haushaltsführung ist in § 9 Abs. 1 Nr. 5 EStG geregelt. Die Vorschrift ist im Rahmen der Reisekostenreform mit Wirkung ab 1.1.2014 neu gefasst worden (Gesetz zur Änderung und Vereinfachung der Unternehmensbesteuerung und des steuerlichen Reisekostenrechts v. 20.2.2013, BStBl 2013 I S. 188). Ein umfangreiches, zwischenzeitlich bereits ergänztes Einführungsschreiben des BMF zu den gesetzlichen Bestimmungen der Reisekostenreform gibt auch Auslegungshinweise für die neu geregelten Teilbereiche der doppelten Haushaltsführung (BMF, Schreiben v. 24.10.2014, IV C 5 – S 2353/14/10002, BStBl 2014 I S. 1412). Der steuerfreie Arbeitgeberersatz dieser Aufwendungen ist in § 3 Nr. 16 EStG geregelt; für den öffentlichen Dienst gilt § 3 Nr. 13 EStG. Beide Regelungen sind an den Umfang der abzugsfähigen Werbungskosten geknüpft. Die Rechtsprechung sowie die hierzu ergangenen Verwaltungsanweisungen sind in R 9.11 LStR zusammengefasst.

 

Lohnsteuer

1 Voraussetzungen

1.1 Kriterien zur Anerkennung

Für die steuerliche Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung müssen die folgenden 3 Kriterien erfüllt sein:

  1. Unterhalten eines eigenen Hausstands,
  2. zusätzliche Wohnung am auswärtigen Beschäftigungsort,
  3. berufliche Veranlassung der doppelten Haushaltsführung.

Die steuerliche Anerkennung einer beruflichen doppelten Haushaltsführung ist davon abhängig, dass der Ort des eigenen Haussstands und der Ort der Zweitwohnung am auswärtigen Beschäftigungsort auseinanderfallen.

Vereinfachungen für die Steuerklassen III, IV und V

Wurden dem Arbeitgeber als elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) die Steuerklassen III, IV oder V mitgeteilt, kann der Arbeitgeber für den steuerfreien Ersatz aus Vereinfachungsgründen davon ausgehen, dass der Arbeitnehmer

  • einen eigenen Hausstand und
  • zusätzlich eine Wohnung am Beschäftigungsort unterhält.

Dies gilt nur für das Lohnsteuerverfahren. Für den Werbungskostenabzug im Rahmen der Einkommensteuererklärung des Arbeitnehmers prüft das Finanzamt weiterhin eingehend sämtliche Anforderungen.

Für die übrigen – insbesondere alleinstehenden – Steuerpflichtigen (Arbeitnehmer mit den Steuerklassen I, II und VI) ist der steuerfreie Arbeitgeberersatz an ein besonderes Bescheinigungsverfahren gebunden, das ebenfalls eine Überprüfung der persönlichen Voraussetzungen des Arbeitnehmers entbehrlich macht.

Erhöhte Nachweispflichten bei Ledigen: Schriftliche Eigenerklärung notwendig

Die Regelungen der doppelten Haushaltsführung sind bei ledigen Arbeitnehmern für den steuerfreien Arbeitgeberersatz nur zu beachten, wenn der Arbeitnehmer eine schriftliche Erklärung vorlegt, aus der sich ergibt, dass er neben einer Zweitwohnung am Beschäftigungsort außerhalb des Beschäftigungsorts einen eigenen Hausstand unterhält. Die Richtigkeit dieser Erklärung muss der Arbeitnehmer durch seine Unterschrift bestätigen. Die Bescheinigung ist als Beleg zum Lohnkonto zu nehmen.

1.2 Eingehende Prüfung der beruflichen Veranlassung

Keine Erleichterungen im Lohnsteuerverfahren gibt es für die Frage, ob die doppelte Haushaltsführung beruflich veranlasst ist. Der Arbeitgeber muss die berufliche Veranlassung bei Begründung der doppelten Haushaltsführung für jeden Einzelfall nach denselben Kriterien prüfen, wie sie beim Werbungskostenabzug zu beachten sind.

Zweitwohnung aus beruflicher Veranlassung

Die steuerliche Anerkennung und damit die Möglichkeit der steuerfreien Vergütung der Mehraufwendungen setzen voraus, dass der zweite (doppelte) Haushalt aus beruflichen Gründen eingerichtet wird. Dies ist das allein entscheidende Kriterium. Der berufliche Anlass der auswärts begründeten Zweitwohnun...

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