Energiepreise: Wie die EU-Länder Eigentümer und Mieter entlasten

Der Krieg in der Ukraine treibt die Energiepreise weiter in die Höhe – Strom und Gas werden immer teurer, also steigen die Wohnnebenkosten. Was in Deutschland zur Entlastung von Verbrauchern noch kontrovers diskutiert wird, wie ein Preisdeckel, ist in anderen Ländern Europas längst beschlossen.

Strom und Gas werden seit Herbst 2021 immer teurer. Die Europäische Kommission (EU-Kommission) schätzt, dass wegen des russischen Kriegs in der Ukraine die Preise in diesem Jahr hoch bleiben. Das wird sich unter anderem in den Nebenkostenabrechnungen von Eigentümern und Wohnungsmietern niederschlagen. Deutschland ist stark von russischen Energielieferungen abhängig, insbesondere beim Gas.

Länder in Europa gehen unterschiedlich damit um, Firmen und private Nutzer zu entlasten. Einige setzen auf gezielte Hilfen für Haushalte mit geringem Einkommen, weil die am stärksten betroffen sind, andere haben die Steuern für alle gesenkt oder mehrere Maßnahmen gleichzeitig umgesetzt, schon vor dem Krieg.

Preisdeckel bis Steuersenkung: Maßnahmen der EU-Länder

Deutschland hat bisher zwei Entlastungspakete beschlossen, die auch Mieter und Wohnungseigentümer betreffen. Unter anderem fällt am 1.7.2022 die EEG-Umlage zur Förderung von Ökostrom weg – die schlägt gehörig auf die Stromrechnung auf. Zudem wird jeder einkommenssteuerpflichtige Erwerbstätige einmalig mit 300 Euro brutto unterstützt. Und für finanzschwache Haushalte gibt es einen Heizkostenzuschuss. Dazu kommen Zuschläge für Familien mit Kindern und höhere Freibeträge bei der Steuererklärung.

So greifen andere europäische Länder Eigentümern und Mietern unter die Arme:

  • Die Regierung in Frankreich hat im vergangenen Herbst die Strom- und Gaspreise gedeckelt. Für mehr als sechs Millionen Haushalte mit geringem Einkommen wurde zusätzlich ein "Energiescheck" über 100 Euro ausgezahlt. Im Januar 2022 entschied die Regierung, den Preisanstieg bei Strom in diesem Jahr auf vier Prozent zu begrenzen.
  • Österreich will vor allem die Steuern auf Gas und Strom für private Nutzer und kleine Unternehmen stark senken.
  • In Belgien wurde die Mehrwertsteuer auf Strom und Gas vorübergehend von 21 auf sechs Prozent gesenkt. Außerdem soll jeder Haushalt eine Einmalzahlung von 100 Euro bekommen, solche mit wenig Einkommen erhalten darüber hinaus bis September 2022 einen Spezialtarif.
  • Die Niederlande haben die Energiesteuer einmalig reduziert und wollen noch in diesem Sommer auch die Mehrwertsteuer auf Energie von 21 auf neun Prozent senken.
  • In Großbritannien gibt es schon seit Längerem eine staatliche Deckelung der Energiepreise für Privathaushalte, der Deckel wurde zum 1.4.2022 angehoben. Alle privaten Haushalte sollen zudem einmalig 200 Britische Pfund (rund 240 Euro) von den Energiekosten erlassen bekommen – müssen das Geld allerdings an die Regierung zurückzahlen.
  • In Dänemark können Haushalte bis zu einem bestimmten Jahreseinkommen mit einem steuerfreien "Wärmescheck" von 6.000 Kronen (rund 800 Euro) rechnen.
  • Schweden plant, das Wohngeld für Familien mit Kindern zu erhöhen.
  • Polen hat ab dem 1. Februar unter anderem Gas komplett von der Mehrwertsteuer befreit.
  • In Ungarn gilt schon seit 2013 eine "Wohnnebenkosten-Bremse": Strom- und Gaspreise wurden um 25 Prozent gesenkt und sind seitdem eingefroren. Die Verluste tragen die Energieunternehmen, die zunehmend verstaatlicht worden sind.
  • In Slowenien haben einkommensschwächere Privathaushalte einmalig Energiegutscheine in Höhe von 150 Euro erhalten – Großfamilien 200 Euro.
  • Kroatien hat die Mehrwertsteuer bei Gas dauerhaft von 23 auf 15 Prozent gesenkt, für das Jahr 2023 wird die Steuer sogar auf fünf Prozent gesenkt. Zudem gibt es Beihilfen für Rentner und andere einkommensschwache Gruppen sowie eine Abgabenentlastung für den Stromerzeuger Hep.
  • Die Regierung in Bulgarien hat die Verbraucherpreise für Strom und Gas im ersten Quartal 2022 auf dem Stand von 2021 eingefroren.
  • Rumänien hat Ende März 2022 die Preise für Strom und Erdgas gedeckelt. Es wird geschätzt, dass etwa drei Viertel der Haushalte von der Strompreisbeschränkung profitieren. Auch wurde ein milliardenschweres Subventionspaket beschlossen.
  • Die Regierung in Griechenland zahlt etwa ein Drittel der Stromrechnungen seit Januar 2022. Zudem erhalten alle Rentner mit geringem Einkommen in diesem April eine einmalige Unterstützung in Höhe von 200 Euro.
  • In Italien sollen einkommensschwache Haushalte je nach Größe der Bewohner und ihrem Verbrauch ab dem zweiten Quartal 2022 finanziell bei Strom- und Gasabrechnungen unterstützt werden. Netzentgelte für Verbraucher entfallen und es gibt eine Mehrwertsteuersenkung bei den Gas-Abrechnungen. Italien finanziert die Maßnahmen unter anderem mit einer Besteuerung der Extragewinne der Energieunternehmen.
  • Spanien und Portugal wollen den Preis für bei der Stromerzeugung benutztes Gas deckeln und so in die Strompreisbildung eingreifen. Da der Strompreis zurzeit vom Gaspreis abhängig ist, erhoffen sie sich, dass so die Stromrechnungen für die Nutzer sinken. Dieser Vorschlag muss noch von der EU-Kommission geprüft werden. Spanien hat bereits 2021 die Mehrwertsteuer auf Strom auf zehn Prozent gesenkt.

Heizen mit Gas schlägt gehörig auf Nebenkosten auf

Heizen mit Erdgas ist für Neukunden im Februar 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat um bis zu 114 Prozent teurer geworden, wie eine Datenauswertung der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft Co2online für den vom Bundesumweltministerium geförderten Heizspiegel zeigt. Wer einen neuen Vertrag abschließen musste, zahlte fürs Heizen in einer durchschnittlichen Wohnung (70 Quadratmeter) rund 80 Euro mehr als vor einem Jahr.

Im Einfamilienhaus wurden in diesem Zeitraum 155 Euro mehr fällig (plus 113 Prozent). Auch Bestandskunden mussten für Gas tiefer in die Tasche greifen. Die Ersparnis durch das mildere Wetter hat laut Co2online die zirka 20 bis 25 Prozent höheren Gaspreise nicht ausgleichen können.

Der Analyse zufolge sind die Heizkosten im Mittel zwischen September und Februar für eine durchschnittliche Wohnung von 335 Euro auf 630 (plus 90 Prozent) gestiegen; und für ein Einfamilienhaus von 650 Euro auf 1.235 Euro, was laut Co2online ebenfalls einem Anstieg um 90 Prozent entspricht.

Nach Zahlen des Vergleichsportals Check24 haben die Energiekosten im Januar 2022 ein neues Rekordhoch erreicht. Die jährlichen Ausgaben für Strom, Heizen und Mobilität insgesamt lagen im Schnitt für einen Musterhaushalt bei 6.092 Euro – das sind 57 Prozent (2.201 Euro) mehr als im Januar 2021 (3.891 Euro). Für das Heizen zahlte ein Musterhaushalt demnach im Januar 2021 im mengengewichteten Durchschnitt für Gas und Heizöl 1.193 Euro, im Januar 2022 waren bereits 2.472 Euro (plus 107 Prozent).

Wohnkosten: Was steigende Energiepreise ausmachen

Schon jetzt müssen Haushalte im Schnitt pro Monat bis zu 117 Euro nur fürs Heizen ausgeben, zeigt eine Analyse von Immowelt über die Warmmieten 2021 in den 14 größten deutschen Städten (Berlin, Bremen, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München, Nürnberg, Stuttgart). Untersucht wurden die mittleren Angebotsmieten inklusive Nebenkosten für eine beispielhafte Wohnung mit 90 Quadratmetern. Die Anpassung der Nebenkosten erfolgt erst nach der Jahresendabrechnung, sofern nicht ein direkter Vertrag mit dem Gaslieferanten nötig ist.

München ist laut Immowelt am teuersten mit monatlichen Heizkosten von 117 Euro im Median – und einer Warmmiete von 1.764 Euro. Sollten sich die Energiepreise in den kommenden Monaten verdoppeln, so ein Szenario von Immowelt, würde die Gesamtmiete für 90 Quadratmeter in München von 1.764 Euro auf monatlich 1.881 Euro klettern, 234 Euro davon wären allein das monatliche Heizbudget. Das wäre ein Anstieg der Wohnkosten um sieben Prozent. In allen 14 untersuchten Städten müssten Mieter für 90 Quadratmeter im Mittel mit rund 100 Euro mehr an Wohnkosten rechnen.


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