Dena-Leitstudie: Neue Impulse für klimaneutrale Gebäude bis 2050

Wie lässt sich die Energieeffizienz im Gebäudebereich erhöhen? Welche Rolle wird Wasserstoff künftig spielen? Im Zwischenbericht zur Dena-Leitstudie "Aufbruch Klimaneutralität" bis 2050 wurden offene Fragen identifiziert – und die Weichen gestellt für konkrete Tipps zu strategischen Entscheidungen.

Das Ziel der Leitstudie "Aufbruch Klimaneutralität" der Deutsche Energie-Agentur (Dena) ist es, eine Basis für fundierte strategische Entscheidungen der politischen und wirtschaftlichen Akteure zu erarbeiten, wie Deutschland bis 2050 klimaneutral werden kann das betrifft vor allem auch den Gebäudebestand. Im Zwischenbericht, den die Dena am 25. März veröffentlicht hat, wurden offene Fragen und Handlungsfelder identifiziert und Lösungsansätze skizziert. Nun geht die Arbeit in die zweite Phase: Im Abschlussbericht im Herbst 2021 soll es konkrete Handlungsempfehlungen geben.

Im Sektormodul "Gebäude" der zweiten Leitstudie die erste war 2018 unter dem Titel "Integrierte Energiewende" erschienen sind knapp 30 Unternehmen und Institutionen als Projektpartner beteiligt, darunter auch der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW und der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA).

Klimaneutralität im Gebäudesektor: Die Handlungsfeldcluster

Den Fokus des Gebäudemoduls haben die Experten auf drei zentrale Säulen gelegt und die damit verbundenen Potenziale und Herausforderungen für den klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 identifiziert. Um die klimapolitischen Ziele zu erreichen, heißt es in dem Bericht, müssen alle drei Handlungsfeldcluster gleichermaßen verfolgt werden:

  • Energiesparende Gebäudehülle (hoher winterlicher und sommerlicher Wärmeschutz bei Neu- und Bestandsbauten)
  • Effiziente Anlagentechnik (Wärmeerzeugung mit optimaler Systemintegration)
  • Einsatz erneuerbarer Energien und klimaneutral erzeugter Energieträger

Energieeffiziente Gebäudehülle: Die Handlungsfelder

Aus den drei Handlungsclustern und den identifizierten Hemmnissen haben die Experten wiederum drei Handlungsfelder abgeleitet, um die Aktivitäten bei der energetischen Sanierung zu erhöhen. Am Beispiel Gebäudehülle, die einen maßgeblichen Anteil an den Klimazielen hat, sind das folgende:

  • Gestaltung eines attraktiven Marktumfelds: Mehr Förderprogramme und verbesserte steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten sowie die Entbürokratisierung der Genehmigungsprozesse würden zu mehr Sanierungen beitragen. Die Kosten sollten zwischen Mietern, Vermietern und dem Staat gerecht geteilt werden, um bezahlbares Wohnen sicherzustellen und zu verhindern, dass es an Akzeptanz fehlt. Innovative Lösungen, etwa standardisierte serielle Sanierungsverfahren, würden wirtschaftlich attraktive und sozialverträgliche Sanierungen erlauben. Serielle Sanierung bezieht neben der Gebäudehülle auch die Anlagentechnik ein.
  • Kommunikation und Beratung: Eine breit angelegte Beratungs-, Informations- und Kommunikationsoffensive sollte für die Vorteile energetischer Sanierungen werben und Eigentümer für deren Notwendigkeit sensibilisieren. Aufgrund der heterogenen Eigentümer-, Investoren- und Nutzerstrukturen müssten verschiedene Zielgruppen individuell angesprochen werden. Die Attraktivität der Handwerksberufe muss erhöht werden, um neue Fachkräfte zu gewinnen und zu qualifizieren. Auf politischer Ebene fehlt eine Strategie, wie der Fachkräftebedarf gedeckt und wie Handwerker und Planer qualifiziert werden können.
  • Ordnungsrechtliche Vorgaben: In bestimmten Fällen könnten ordnungsrechtliche Vorgaben für den Gebäudebestand zur verstärkten Reduktion von CO2-Emissionen notwendig sein. Solche Vorgaben sollten verschiedene Optionen zulassen, um die angestrebte CO2-Minderung zu erreichen. Außerdem müssen die Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit für die betroffenen Akteure stets berücksichtigt werden. Bestehende Regelungen sollten im Vollzug konsequent umgesetzt werden.

Anlagentechnik und erneuerbare Energien

Derzeit liegt das durchschnittliche Anlagenalter von Wärmeerzeugern laut Dena im Wohnbereich bei 17 Jahren. Bei 46 Prozent der Anlagen handelt es sich um Erdgasheizkessel, 30 Prozent sind Ölheizkessel. Für die Dekarbonisierung des Gebäudesektors sind neben einer modernen Anlagentechnik auch erneuerbare Energien und klimaneutral erzeugte Energieträger notwendig. Zusammengefasst wurden im Zwischenbericht zur Dena-Leitstudie "Aufbruch Klimaneutralität" für diese beiden Cluster folgende Handlungsfelder zum Erreichen der Klimaziele erarbeitet:

  • Anlagentechnik: Die Schaffung eines Marktes sowie entsprechender Anreize (auch durch Förderung) kann einen schnelleren Hochlauf von Technologien auf Basis erneuerbarer Energien oder dekarbonisierter Energieträger ermöglichen. Die Nutzung bestehender Anlagentechnik sollte zur Umrüstung oder Umstellung als Option berücksichtigt werden. Begleitend sollten auch hier Kommunikations- und Beratungsangebote für Eigentümer und Bauherren zur Modernisierung der Anlagentechnik (vor allem von Heizungsanlagen) ausgebaut werden. Schließlich sollten Gebäude stärker als dezentrale Energieerzeuger und -speicher betrachtet werden.
  • Erneuerbare Energien: Zur Markterschließung erneuerbarer Energien und klimaneutraler Brennstoffe schlagen die Experten unter anderem eine marktwirtschaftliche Allokation und Preisbildung vor, um Angebot und Nachfrage anzureizen. Unterstützt werden sollte auch die Beteiligung an Kooperationen, die Anreizung von Importen und die Transformation des Marktes mit höheren Anteilen dekarbonisierter Gase (etwa durch Quoten). Technisch stehen Geräteaustausch, -umrüstung oder -modernisierung (insbesondere für die Nutzung von Wasserstoff), Infrastrukturanpassungen, effizientere Wärmenetze und eine bessere Einbindung erneuerbarer Energien an. Zudem müssten erneuerbare Energien und eine bessere Anrechenbarkeit von selbst erzeugtem Strom in der Gesetzgebung berücksichtigt werden.

Bundesrat fordert Energiepreisreform

Der Bundesrat hat in seiner Plenarsitzung am 26. März beschlossen, die Bundesregierung zu einer  Reform der Steuern, Abgaben und Umlagen im Energiesektor aufzufordern. Verschiedene Energieträger wie Strom, Heizöl und Gas würden unterschiedlich stark belastet – so würden verzerrte Preissignale gesetzt, um den CO2-Ausstoß zu verringern.

Auch müsse eine raschere und deutlichere Abschmelzung der EEG-Umlage erfolgen. Eine Reform der Finanzierung der Energiewende solle mit einer Überarbeitung des Energiemarktdesigns, insbesondere der Fördersystematik, einhergehen, verlangen die Länder. Die Entschließung wurde der Regierung zugeleitet. Ob und wie diese reagiert, ist offen. Eine Frist gibt es nicht.

Zwischenbericht Dena-Leitstudie "Aufbruch Klimaneutralität"

Dena-Leitstudie "Integrierte Energiewende" (Juli 2018)


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