Makler muss falsche Ideen des Wohnungskäufers berichtigen
Was in einem Exposé als Wohnraum beschrieben wird, muss auch als solcher genutzt werden dürfen. Sind die Angaben diesbezüglich irreführend oder falsch, ist laut BGH eine Korrektur fällig.
Mit dem Argument, die beklagte Maklerin habe sie arglistig über die Wohnraumqualität der im Souterrain gelegenen Räumlichkeiten getäuscht, verlangen die Kläger die Rückabwicklung des Kaufvertrages sowie die Feststellung des Annahmeverzugs und der weiteren Schadensersatzverpflichtung der Maklerin.
Nutzfläche als Wohnfläche angepriesen
Im vorliegenden Fall hatte die Maklerin die Eigentumswohnung in einem Exposé als "komplett renovierte 4-Zimmer-Terrassenwohnung über zwei Etagen" mit einer Wohnfläche von 125 Quadratmetern beworben.
Vor Vertragsschluss hatte die Maklerin den Klägern einen Grundriss der Wohnung und eine Kopie der Teilungserklärung übergeben. In dieser ist für das Kaufobjekt eine "Wohnfläche" von 68,66 Quadratmetern und eine "zusätzliche Nutzfläche (Souterrain bzw. Spitzboden)" von 55,20 Quadratmetern angegeben.
Die Räume im Souterrain waren aber zu niedrig, um zum Wohnen zugelassen zu sein. Dies ging zwar aus der Teilungserklärung hervor, die die Maklerin den Klägern vor Vertragsabschluss übergeben hatte, nach Ansicht des BGH reichte dies aber nicht aus, um für Klarheit zu sorgen.
Passive Korrektur durch Unterlagen reicht nicht
Der BGH hat hier eine andere Ansicht als das Berufungsgericht (OLG Schleswig, Beschluss vom 19.6.2018, 7 U 118/17), das sowohl in der Teilungserklärung als auch in den Grundrisszeichnungen eine eindeutige Unterscheidung zwischen Wohnfläche und (zusätzlicher) Nutzfläche im Souterrain sah.
Die Maklerin habe nach Vortrag der Kläger bei der Besichtigung die Eignung der gesamten Wohnung zu Wohnzwecken angepriesen, obwohl sie gewusst habe, dass die Wohnnutzung des Souterrains bauordnungsrechtlich unzulässig sei, so die BGH-Richter. Die Souterrainräume seien von der Maklerin zu Wohnzwecken genutzt und eingerichtet gewesen. In der Grundrisszeichnung sei das Souterrain eindeutig als Wohnbereich gekennzeichnet gewesen. Die Maklerin habe zudem den Vorschlag gemacht, dass der Souterrainbereich in eine Einliegerwohnung für den Sohn der Kläger verwandelt werden könne, wenn dieser älter sei. Deswegen hätten die Kläger der Unterscheidung zwischen Wohn- und Nutzfläche im Grundriss und in der Teilungserklärung keine besondere Bedeutung zugemessen, sondern auf die Aussagen der Beklagten vertraut, insbesondere auch deswegen, weil diese von Beruf Maklerin gewesen sei, so die Karlsruher Richter.
Auf Sachmangel muss hingewiesen werden
Laut Beschluss des BGH liegt ein Sachmangel vor, soweit das Souterrain wegen zu niedriger Deckenhöhe bauordnungsrechtlich nicht als Wohnraum genutzt werden darf. Die Maklerin hätte demnach ausdrücklich auf die Unzulässigkeit der Wohnnutzung des Souterrains hinweisen müssen.
Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht muss nun erneut über den Fall verhandeln.
(BGH, Beschluss v. 14.3.2019, V ZR 186/18)
Das könnte Sie auch interessieren:
Maklerrecht: BGH zur Fälligkeit der Provision
Wann kann ein Verkäufermakler eine Vermittlungsprovision abrechnen?
-
Mindesttemperatur in Wohnungen: Die Rechtslage
2.185
-
Sonder-AfA für den Neubau von Mietwohnungen wird angepasst
1.6876
-
Gebäude-AfA: Nachweis für Nutzungsdauer wieder einfacher
7532
-
Degressive AfA für den Wohnungsbau: fünf Prozent, sechs Jahre
711
-
Was die Grundsteuer 2025 für Vermieter und Mieter bedeutet
6941
-
Effizienzhaus 55-Plus-Förderung startet: die Konditionen
4431
-
Energetische Sanierung: Kosten von der Steuer absetzen
411
-
Hydraulischer Abgleich und Heizungscheck: alle Infos
2921
-
Bayern weitet Mietpreisbremse aus
272
-
Hessen verlängert Mietpreisbremse & Co. um ein Jahr
245
-
Die neue Rolle der BImA
12.01.2026
-
Kurzzeitvermietung über Online-Plattformen: Neue Regeln
09.01.2026
-
Bundesrat dringt auf Nachschärfung der Mietpreisbremse
09.01.20261
-
Mit Pellets CO2-Kosten sparen: Regeln und Förderung
09.01.2026
-
Aktuelle Rechtslage für AfA-Nachweis jetzt nutzen
08.01.2026
-
Genehmigungsfrei Wohnungen bauen in Hamburg
08.01.2026
-
Streit um Balkonkraftwerke vor Gericht
07.01.2026
-
Mindesttemperatur in Wohnungen: Die Rechtslage
07.01.20261
-
Wohnungsunternehmen bauen, wenn die Förderung stimmt
06.01.2026
-
Mietrecht: Hubigs Reformpläne werden konkreter
06.01.2026