Rezession: Corona wird für die Bauwirtschaft akut

Das Coronavirus hat die Wirtschaft im Griff – die Zeichen stehen auf Rezession. Selbst die Boom-Branche Bau bekommt die Krise zu spüren. Erste Firmen machen Baustellen dicht, bei anderen kommt es zu Verzögerungen – mancherorts sind Wohnbauprojekte gefährdet. Das birgt nicht nur rechtliche Risiken.

Muss ein Unternehmen den Bau stoppen, könnte das Schadenersatzforderungen nach sich ziehen, etwa wenn nicht eine ausführliche "Behinderungsanzeige" der Baufirma an den Bauherrn geschickt wird, warum sich die Arbeiten verzögern und vereinbarte Fertigstellungstermine nicht eingehalten werden können, sagt Lars Markmann von der Arbeitsgemeinschaft Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein. Oder Architekten sind verpflichtet, ihre Planung anzupassen und bei vorauszusehenden Ablaufstörungen den Bauherrn umfangreich zu beraten.

Baustopps nach behördlichen Anordnungen wegen des Coronavirus

Baudienstleister und Handwerker dürfen in Deutschland derzeit trotz Corona-Epidemie ihrer Tätigkeit weiterhin nachgehen. In der Praxis ist das jedoch nicht mehr ohne Weiteres möglich. So teilte gerade der Großkonzern Strabag mit, dass rund 1.000 Baustellen in Österreich vorerst eingestellt sind, weil unter anderem der vorgeschriebene Ein-Meter-Abstand zwischen den Mitarbeitern im praktischen Baubetrieb nicht einzuhalten sei. Ein weiteres Problem, das die Baubranche massiv beeinträchtigt: Die Lieferkette von Materialien und Nachunternehmen ist nicht mehr sichergestellt.

"Die Einschränkungen im öffentlichen Leben im Zusammenhang mit der Coronavirus-Prävention haben massive Auswirkungen auf unseren Baubetrieb. Nach Abwägung aller Interessen und vor allem auch der gesellschaftlichen Verantwortung wegen sehen wir uns gezwungen, diesen drastischen Schritt zu setzen", so Strabag-Vorstandschef Thomas Birtel.

Auch der österreichische Baukonzern Porr hat den Baubetrieb in seinem Heimatland inzwischen fast vollständig eingestellt. Die Schweizer Baugesellschaft Implemia, die vor Kurzem millionenschwere Hochbauaufträge in Berlin und München an Land gezogen hat, hat wegen behördlicher Anordnungen zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung des Virus Baustellen teilweise geschlossen oder schränkt die Arbeit ein. Betroffen davon sind nach Angaben des Unternehmens mehrere Länder – auch Deutschland: hier entstehen der Mitteilung zufolge Verzögerungen durch Probleme mit Subunternehmern und Lieferanten.

Die Stadt Düsseldorf hat wegen der Corona-Krise unter anderem die Auslegung von Planungsentwürfen abgesagt. Damit wurde auch der Bau eines Wohnviertels mit 492 Mietwohnungen auf unbestimmte Zeit verschoben.

Anti-Corona-Maßnahmen sorgen für klamme Betriebe: BG Bau stundet Beiträge

Die Zahl der betroffenen Betriebe und Branchen habe sich aufgrund immer neuer Verschärfungen der Anti-Corona-Maßnahmen beinahe im Tagesrhythmus erhöht, sagt Eric Schweitzer, Präsident vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Die notwendigen staatlichen Soforthilfen, wie Steuerstundungen, Zuschüsse oder Kreditgarantien, würden jedoch ausgebremst, wenn Unternehmer erst aufwändig nachweisen müssten, dass sie von der Krise betroffen sind. Die Hilfen müssten vor allem bei Solo-Selbständigen, Kleinstunternehmen und Mittelständlern schnell ankommen – "sonst kommen sie für viele aus diesem Kreis zu spät", so Schweitzer.

Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) hat sofort reagiert: Beitragspflichtigen Unternehmen, die durch das Coronavirus außergewöhnlich belastet sind, werden die Beiträge gestundet. Wenn Aufträge wegbrechen, führe das "auch für die Unternehmen der Baubranche zu einer erheblichen Belastung", sagt Klaus-Richard Bergmann, Hauptgeschäftsführer der BG BAU. Entsprechende Anträge würden einfach und unbürokratisch erledigt.

Liquidität sichern: Bundesregierung berät über Rettungsfonds mit Firmenbeteiligung

"Was die Betriebe am dringendsten brauchen, ist Liquidität zur Absicherung der Produktionsprozesse und Lohnzahlungen", sagte vor Kurzem Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB).

Die Bundesregierung berät wohl derzeit über einen Rettungsfonds, der ein Volumen von rund 500 Milliarden Euro haben und eine Beteiligung in Not geratener Firmen vorsehen könnte, wie die Deutsche Presse-Agentur am Freitag aus Regierungskreisen erfuhr. So sollen Unternehmen vor der Pleite gerettet werden – auch mit Kapitalzuschüssen. Die Bundesregierung hat bereits eine Ausweitung von KfW-Kreditprogrammen beschlossen, um in der Corona-Krise die Liquidität von kleinen und mittleren Firmen zu sichern.

Insolvenzgefahr auch im Baugewerbe

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Verband Beratender Ingenieure teilten mit, dass einzelne Kommunen Rechnungen für bereits geleistete Aufträge nicht mehr begleichen und das zum Teil damit begründen, dass es Unterstützungsprogramme für die Wirtschaft gebe. Das Verhalten gefährde die Existenz von Bau- und Ingenieurunternehmen aber anders, so die Verbände.

"Es kann nicht sein, dass Unternehmen von öffentlichen Auftraggebern bewusst in die Insolvenz befördert werden. Kreditprogramme sollen schwerste Härten von Betrieben abfedern, die keine Aufträge mehr erhalten, sie sind aber kein genereller Ersatz für vertraglich vereinbarte Honorare", schreiben Jörg Thiele, Präsident des Verbands Beratender Ingenieure, und Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie.


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Schlagworte zum Thema:  Coronavirus, Bauwirtschaft