Quo Vadis 2025: Neun Fußnoten
Wen wundert‘s, meinte die geschäftsführende Gesellschafterin von Heuer Dialog doch selber, Unvorhersehbarkeit sei die neue Norm. Einige Dinge sind mir im Kopf geblieben:
Wirtschaft: Viele schlechte Nachrichten
Die Sorge, dass strukturelle Arbeitslosigkeit wieder ansteigt, sei groß, so der Chef des Walter Eucken-Instituts, Lars Feld. Mit der Wirtschaft gehe es langsam bergauf, aber profitieren würden Staaten außerhalb des politischen Westens, sagte Nicole Deitelhoff, Vorständin des Leibniz-Instituts für Friedens- und Konfliktforschung. Sie riet unter anderem dazu, den eigenen Wirtschaftsraum durch massive Investitionen in Infrastruktur und Ressourcen (Bildung und Forschung, Digitalisierung und KI, Umwelttechnologien) zu stärken und Schlüsselindustrien zu schützen.
Konzerne denken an Rückzug
Die Steuern sind zu hoch, es gibt zu viel Bürokratie, et cetera – wir kennen die großen Seufzer. In einer Diskussion mit Teilnehmern der Metropolregion Rhein-Neckar im Vorfeld zur Quo Vadis klang es schon an: Viele internationale Konzerne überlegen den Rückzug aus Deutschland. Das sei als zyklische Bewegung ein Stück weit normal, so der ehemalige BASF-Manager und jetzige CEO der Familienheim Rhein-Neckar, Thomas Glatte. Wenn der Funke jetzt auf deutsche Mittelständler überspringt, so muss sich politisch schnell etwas ändern.
Deutschland ist zu langsam
Das sagte der amerikanische Investor Edward Siskind in Bezug etwa auf die Umsetzung von Baugenehmigungen. Das wissen wir natürlich alle längst. Etwas dagegen zu tun, scheint so schwierig, wie der Abbau von Bürokratie.
Ich traf am nächsten Tag die Bundesbauministerin, die sich darüber beklagte, dass hinsichtlich der Baufertigstellungen die Daten des Vorjahres immer erst im Mai vorlägen. Sie habe das durch eine Novellierung des Hochbaustatistikgesetzes ändern wollen. Dazu sei es aber wegen des Bruchs der Ampel nicht mehr gekommen. Es ist schwer, Deutschland schneller zu machen.
Europa: Die Datengrundlage fehlt
Was den Wohnungsmarkt betrifft, so gibt es für Europa keine verlässliche Datengrundlage. Das ist bitter. Aus den Daten, die man hat, gehe hervor, dass etwa die Niederlande ein einziger Wohnungsmangel-Markt seien, so Gunnar Münt von der Europäischen Investitionsbank. Europaweit müssten 2,3 Millionen Wohnungen gebaut werden. Wichtig wäre hier eine Verzahnung von Förderinstrumenten.
Bauimpulse von der Verwaltung
Viele ausländische Investoren halten Deutschland für unterbewertet. Trotzdem halten sie sich zurück. Auch wenn Licht am Ende des Horizonts zu sehen ist, im Moment kommen große Bauimpulse von Seiten der öffentlichen Verwaltung und nicht von privater Seite. Besser als nichts, aber das steht natürlich nicht für eine gesunde Wirtschaft.
Mittelstadt-Centren müssen sich warm anziehen
Druck besteht besonders im Non-Food-Bereich. Dass der nicht filialisierte Fachhandel zurückgehen wird, scheint ausgemacht. Betreffen tut das eher kleine und mittlere Städte. Gerade die müssen sich überlegen, was sie mit den Innenstädten machen. Hier besteht die große Gefahr der Uniformität, wenn nicht der Verödung. Shops kehren Shopping-Centern den Rücken. Die wandeln sich. Kindergärten ziehen ein.
Bedingt gute Nachrichten
Die kommen aus dem Immobiliensegment. Im Wohnungsbereich kommen Käufer und Verkäufer wieder zusammen. Preise beginnen langsam wieder zu steigen. Immerhin, bei Wirtschaftsimmobilien gehe es 2025 aufwärts, wenn auch im Schneckentempo. Bei Büroimmobilien scheint das Gleiche zu gelten.
Der kleine Boom
Er kommt aus dem Bereich Infrastrukturimmobilien. Dazu gehören Energieinfrastruktur ebenso wie Rechenzentren und auch Bildungsinfrastruktur, Schulen, Unis und so weiter. Bemängelt wird allerdings: Deutschland sei bei der Eigenkapitalverzinsung für Infrastruktur selbst in Europa Schlusslicht. Auch hier wird sich etwas ändern müssen.
Märchen von der teuren erneuerbaren Energie
Erneuerbare Energien hätten den Strompreis gesenkt (!), so Susanne Fabry, Mitglied des Vorstandes der Rheinenergie AG. Das Problem seien die hohen Netzentgelte. Dass die so hoch seien, sei jedoch politisch gewollt: "Immerhin finanzieren Kommunen so Opernhäuser und Schulen." Kultur ist gut, aber wenn sie nur durch Vergemeinschaftung der Kosten existieren kann?
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