Effekt von Energieeffizienz auf Preise und Mieten
Energieeffizienz ist zum strukturellen Wertfaktor am Immobilienmarkt geworden und beeinflusst Mieten, Kaufpreise und Investitionsentscheidungen messbar, wie eine aktuelle Auswertung mit neuen Marktdaten von Wüest Partner zeigt.
Die Preiseffekte betragen demnach seit einer früheren Erhebung im Februar 2024 plus 32 Prozent bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern, plus 36 Prozent bei Mehrfamilienhäusern und plus 31 Prozent bei Büroimmobilien.
Energieeffizienzklassen: Preis- und Mieteffekte
Die Analyse zeigt einen linearen und statistisch belastbaren Zusammenhang zwischen Energieeffizienzklassen und Marktwerten. Mit jeder schlechteren Effizienzklasse sinken Kaufpreise und Mieten messbar. "Unsere neue Studie zeigt, dass energetische Sanierungen bereits heute einen belastbaren Business Case darstellen", sagt Dr. Michael Heigl.
Im Wohnsegment reduziert sich demnach die Kaltmiete im Durchschnitt um 0,22 Euro pro Quadratmeter je nach Effizienzklasse. Die Preise gehen bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern um durchschnittlich 107 Euro pro Quadratmeter, bei Mehrfamilienhäusern um 118 Euro pro Quadratmeter zurück. Auch im Büromarkt sind die Effekte deutlich: Hier sinkt die Miete um 0,30 Euro pro Quadratmeter je Effizienzklasse, der Kaufpreis um rund 115 Euro pro Quadratmeter.
Die Ergebnisse basieren auf einer deutschlandweiten Auswertung von Markt-, Angebots- und Gebäudedaten vom dritten Quartal 2023 bis zum zweiten Quartal 2025. In der Analyse wurden die Varianzen in der Mikrolage, Makrolage, Baujahr, Größe, Zimmeranzahl sowie baulicher Zustand (Qualitätsmerkmal) herausgerechnet, um theoretisch identische Immobilien zu vergleichen, die unterschiedliche Energieeffizienzklassen aufweisen.
Für die Studie wurden mehr als 1,38 Millionen Markt- und Angebotsdaten analysiert.
Studie "Die Wirkung von Nachhaltigkeit auf Immobilienwerte"
CO2-Ausstoß und Marktwert eines Gebäudes
Eine empirische Studie von Wüest Partner, die im Oktober 2025 veröffentlicht wurde, soll nachweisen, wie sich der CO2-Ausstoß eines Gebäudes auf den Marktwert auswirkt. Analysiert wurden 766 Transaktionen bei Mehrfamilienhäusern in Berlin zwischen 2022 und 2025 – darunter reine Wohngebäude und gemischt genutzte Objekte. Berechnet wurde der Energiebedarf und die CO2-Emissionen simuliert.
Das Kernergebnis: Für jedes zusätzliche Kilogramm CO2-Emissionen pro Quadratmeter und Jahr ergibt sich ein durchschnittlicher Preisabschlag von rund zwei Euro pro Quadratmeter. Bezogen auf den Mediankaufpreis von 2.672,85 Euro pro Quadratmeter bedeutet das Wertzuwächse für effiziente Gebäude und deutliche Nachteile für ineffiziente Objekte.
Empirische Studie zur Beziehung zwischen CO2-Ausstoß und Marktwert (Download)
Gebäude-Klimarechner zur Bewertung des Bestands
Ein neuer, kostenloser Gebäude-Klimarechner stellt den ökologischen Wert von Bestandsgebäuden transparent dar und vergleicht die Umweltauswirkungen verschiedener Sanierungsstrategien mit der Alternative eines Ersatzneubaus. Der Vergleich erfolgt auf Basis von CO2-Äquivalenten und des Ressourcenabdrucks, der die Menge und Art der verbauten Materialen erhebt.
Das Online-Tool ist ein Forschungsprojekt, gefördert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Programm "Zukunft Bau" und geleitet von Muck Petzet Architekten (Sustainable Design USI-ARC).
Das Berechnungssystem und die Datengrundlagen wurden in Kooperation mit der Accademia di architettura-USI in Mendrisio (Schweiz), b+ee Bauphysik + Energieeffizienz und Madaster entwickelt und mit der Software von Scandens abgeglichen. Mitinitiatoren und Kooperationspartner sind der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) und die Greyfield Group. Den wissenschaftlichen Beirat bilden Prof. Elisabeth Endres (TU Braunschweig) und Prof. Dipl.-Ing.Thomas Auer (TU München) sowie Timm Sassen, Gründer & Inhaber Greyfield Group.
Aktuell wird zunächst eine Beta-Version des Rechners für Wohnungsbauten online gestellt . Mithilfe der eingegebenen Daten und des Online-Feedbacks soll der Rechner weiter verbessert werden. Auch die Ausweitung auf weitere Gebäudetypen ist geplant.
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