Wie die Immobilienbranche die Coronakrise überleben kann

Die Immobilienbranche ist durch die Auflagen wegen der Corona-Pandemie mehr oder weniger stark betroffen. Schwer gebeutelt sind Handel, Hotel und Gastronomie. Damit Mieter und Vermieter dieser  Wirtschaftsimmobilien überleben, fordert der Verband ZIA konkret wirkende staatliche Hilfsprogramme.

Im Mai warnte der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA), dass es der Branche mit jedem Tag des Corona-Lockdowns schlechter gehe. Mittlerweile sind die strengen Maßnahmen gelockert worden. Um die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise abzumildern, sieht der ZIA den Bund in der Pflicht und legte den Entwurf für ein mögliches staatliches Hilfsprogramm vor.

Wirtschaftsimmobilien: So könnte die "Überlebenshilfe" für Mieter und Vermieter aussehen

Konkret hat der ZIA folgende Idee: Ein Vermieter von gewerblichen Immobilien erhält vom Staat mindestens 75 Prozent seines Mietanspruchs und verzichtet bis Ende Juni 2021 unter dem Strich auf 25 Prozent der Einnahmen. Vermieter könnten so Mietern bis zu 50 Prozent der monatlichen Miete erlassen. Im Gegenzug erhalten Vermieter die Hälfte dieser Mietminderung also etwa 25 Prozent vom Staat.

"Die Belastungen für Mieter und Vermieter können so erheblich reduziert werden. Ebenso werden etablierte und gesunde Vertragsbeziehungen aufrechterhalten." "ZIA-Präsident Andreas Mattner

Die Vorschläge orientieren sich an ähnlichen, bereits umgesetzten Maßnahmen in Schweden und Kanada. Mit dem vorgeschlagenen Hilfsprogramm würden sich Vermieter, Mieter und öffentliche Hand für einen begrenzten Zeitraum die Mietlasten teilen und so der akuten Gefahr einer Insolvenz begegnen, von der vor allem Handel, Gastronomie und Hotellerie betroffen sind.

Gastronomie und Hotels vor dem Comeback

"Wir müssen wieder einchecken", sagte Mattner bei einem Pressetermin mit Olaf Steinhage, dem Vorsitzendendes ZIA-Ausschusses Hotelimmobilien, und Dieter Müller, Gründer und CEO von Motel One. Die Branche ist überzeugt, den Neustart schaffen zu können, trotz aller Auflagen wie Abstandsregeln beim Einchecken, Frühstücks-Paketen, die per App bestellt und dann abgeholt werden können, oder Warnsignalen, falls zu viele Hotelgäste den Lift betreten.

Nur: Solidarität zwischen Mietern und Vermietern alleine wird dem ZIA zufolge nicht mehr lange helfen, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Branche zu gewährleisten. Man wisse nicht, wann wieder Umsätze kommen, wie sich Touristen verhalten, wann Messen oder andere Events stattfinden. Und dann müsse das Geschäft erst wieder anlaufen. Im Brandbrief "Hotelimmobilien in – und der Weg aus der Krise" fordert der ZIA auch eine Task Force, in der Virologen, Unternehmern, Kommunen und Wirtschaftsweise sitzen, um eine Art "Marshallplan" zu erarbeiten. Und ZIA-Hotelexperte Steinhage schlägt vor, dass der Staat die Umsatzeinbußen der Unternehmen für zwölf Monate ausgleicht.

Hotelfassade weiß leere Zimmer
Die Hotels sehen sich in der Lage trotz Corona-Pandemie Gäste sicher unterzubringen, noch stehen die Zimmer aber weitgehend leer

Wohnungsunternehmen sieht die Masterlösung in einem "Sicher-Wohnen-Fonds"

In Bezug auf die Wohnungswirtschaft hat der Gesetzgeber schnell reagiert. Das sogenannte Mietenmoratorium regelt, dass Mieter ihre Miete von Anfang April bis Ende Juni 2020 stunden lassen können. Eine Verlängerung der Sonderreglung im Mietrecht wäre theoretisch bis März 2021 möglich. Im Moment sieht es jedoch nicht danach aus, als würde die Regierung das Gesetz ausweiten, auch wenn Koalitionspartner SPD das inzwischen fordert.

Andreas Ibel, Präsident des BFW Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, befürchtet, dass das Mietenmoratorium zu einer wirtschaftlichen Kettenreaktion führen könnte, da Mieter dabei Schulden anhäufen. Das meint auch Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, Axel Gedaschko.

"Mietern und Vermietern ist in Zeiten der Coronakrise vor allem dann geholfen, wenn die Gefahr von Verschuldung und Zahlungsunfähigkeit auf beiden Seiten gebannt wird." GdW-Präsident Axel Gedaschko,

Deshalb sollten Mieter unbedingt ihren Anspruch auf Wohngeld oder soziale Grundsicherung prüfen, fordert Gedaschko. Der GdW setzt sich gemeinsam mit dem Deutschen Mieterbund (DMB) für einen "Sicher-Wohnen-Fonds" ein. Mehrere Verbände sind der Initiative mittlerweile beigetreten.

Immobilienverwaltung in Zeiten von Covid-19

Welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf Immobilienverwaltungen und deren Arbeit hat und welche Schlussfolgerungen sich daraus für die Zukunft ergeben – diese und andere Fragen hat der Verband der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV) seinen Mitgliedern im Mai im Wege einer Kurzumfrage gestellt.

Unter anderem fragte der Verband nach dem Stand der Umstellung auf digitale Technologien und Verwaltungsarbeit aus dem Homeoffice, dem Einfluss der Corona-Pandemie auf die Durchführung von Eigentümerversammlungen, geplante Bau- und Sanierungsmaßnahmen und das Zahlungsverhalten von Wohnungseigentümern und Mietern. Ebenfalls Gegenstand der Umfrage sind Aspekte aus dem vom Bundeskabinett beschlossenen Gesetzentwurf zur WEG-Reform.

Ergebnisse der VDIV-Umfrage (pdf)

Im Hinblick darauf, ob wegen der (anhaltenden) Ansteckungsgefahr Eigentümerversammlungen abgehalten werden dürfen – und welche Regelungen zu beachten sind, hat die Bundesregierung zeitnah beschlossen, dass Verwalterbestellung und Wirtschaftsplan wegen der Coronakrise ohne Beschluss fortgelten. Die geltenden Vorschriften im Wohnungseigentumsgesetz zur Amtszeit von WEG-Verwaltern und zum Aufstellen und Beschließen eines Wirtschaftsplans wurden vorübergehend außer Kraft gesetzt.

Hände schütteln Covid-19
Händeschütteln ist in Coronazeiten tabu

Makler: mehr digital durch die Coronakrise

Die Kontaktsperren für Makler wurden in vielen Bundesländern wieder gelockert. Doch durch die geltenden Abstandsregelungen sind viele Termine schwierig. Viele Immobilienmakler setzen deshalb auf Onlinebesichtigungen. Auch ein Großteil der operativen Abläufe kann digital abgebildet werden – etwa Objektbewertungen und Kaufpreiseinschätzungen.

Gibt es doch Wohnungsbesichtigungen, müssen Makler und ihre Kunden Hygienemaßnahmen einhalten. Sind Wohnungen vermietet, sollte im Einzelfall entschieden werden; sind ältere Mieter involviert, müsste der Kontakt womöglich ganz vermieden werden. Außerdem sollte ein Makler vorher abklären, ob Bewohner unter Quarantäne stehen – oder womöglich das ganze Haus.

Facility Manager: per Desinfektion gegen das Virus

Auch Facility Manager müssen sich mit Maßnahmen beschäftigen, um die Nutzer in denen von ihnen betreuten Gebäuden vor einer Infektion zu schützen. Der Shopping-Center-Manager ECE etwa hat in den Läden, der Unternehmenszentrale, den Niederlassungen und in Baustellenbüros Frequenz und Intensität der Reinigung und Desinfektion erhöht – insbesondere von hochfrequentierten Punkten wie Rolltreppenhandläufen oder Türgriffen. Außerdem seien zusätzliche Desinfektionsspender bereitgestellt worden, erklärte Pressesprecher Lukas Nemela.

Der Facility-Management-Unternehmen Spie verfügt über "strukturierte und standardisierte Prozesse für die Erstellung einer Notfallorganisation", wie Spie-Sprecherin Constanze Blattmann erklärte. Dazu gehörten Templates als Grundlage für die schnelle und proaktive Beratung der Kunden und die weitere Abstimmung mit dem Kunden zur Leistungserbringung im Pandemie-Fall. "Auf dieser Basis definieren wir standort- und auftragsspezifisch einen klaren Plan und binden dabei die durch Spie beauftragten und gesteuerten Nachunternehmen ein", so Blattmann.


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