ERP-Systeme sind nicht die Nukleusse der Innovation. Sie sollen eine GuV, eine Bilanz, und die Rechnungseingangsprozesse darstellen – all diese Alltagsdinge. Dafür zahlt ein Wohnungsunternehmen an einen ERP-Hersteller. Wenn neue Dinge dazukommen, ist immer der ERP-Hersteller der Portalwächter.

Bildet eigentlich ein ERP-System nur etwas ab, was außen existiert?

Schulmann: Die ERP-Systeme – und da schließe ich uns auch mit ein – sind nicht die Nukleusse der Innovation. Jedes ERP-System ist ein System, was letztlich die Wirbelsäule eines Wohnungsunternehmens ausmacht. Dort liegt einfach unser Hauptgeschäftsfeld. Wir werden nicht dafür bezahlt, bestimmte Apps zu bauen, sondern dafür, eine GuV, eine Bilanz, und die Rechnungseingangsprozesse darzustellen – all diese Alltagsdinge. Dafür zahlt ein Wohnungsunternehmen an einen ERP-Hersteller.


Wo bleiben die Revolutionen?

 

Also keine Revolutionen, nirgends?

Schulmann: Jetzt kommt das große Aber. Wenn neue Dinge dazukommen, ist immer der ERP-Hersteller der Portalwächter. Wenn jetzt Crem jemand eine neue App vorstellt und Sie lehnen sie ab. Was passiert dann mit der App?

Dr. Westphal: Dann lassen die sich von Yardi integrieren oder von Ihnen....

Schulmann: Aber es wird keiner Ihrer Kunden so eine Lösung einsetzen, wenn diese nicht bei Ihnen integriert ist.

Dr. Westphal: Das PropTech muss ja in erster Linie nicht uns überzeugen, sondern den potenziellen Kunden. Bei uns klingelt jeden Tag zwei Mal das Telefon, weil wieder ein PropTech mit einer tollen Idee mit uns zusammenarbeiten möchte. Denn wir haben etwas, was viele PropTechs nicht haben: Kunden. Wir sagen den PropTechs immer: Überzeugt doch bitte selber Kunden mit eurer zusätzlichen Wertschöpfung. Wenn diese dann ein Projekt starten und Geld sowie Manpower investieren, ist das der Punkt, an dem wir gerne in die Zusammenarbeit einsteigen.


Was ist das heißeste aktuelle neue Geschäftsmodell?

Dr. Westphal: Das ist immer eine Individualbetrachtung. Für einen Verwalter kann es sehr spannend sein, sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz zu beschäftigen, um eine genauere Kenntnis zu haben über seine Verträge. Für die großen Bestandshalter ist es viel spannender, die Gebäude zu digitalisieren, etwa um Wartungs- und Instandhaltungsprozesse zu optimieren.

Gerritsen: Big Data, Künstliche Intelligenz, das findet alles statt – auch im Immobilienbereich. Wenn die deutschen Immobilienunternhmen das nicht machen, dann kommt GAFA – Google, Apple, Facebook, Amazon.

Schulmann: Die Wettbewerber der deutschen Wohnungswirtschaft sind doch nicht GAFA – die lachen darüber. Die Wettbewerber sind neue Geschäftskonzepte als kompletter Gegensatz zu einem kommunalen Wohnungsunternehmen. Das sind die Blackstones, die großen kapitalgetriebenen Aktiengesellschaften. Diese kaufen auch innerhalb kurzer Zeit im großen Stil Bestände auf und bewirtschaften diese dann anders als es ein traditionelles Wohnungsunternehmen heutzutage tut.