Smart Meter: Neue Stromzähler in der Kritik

Die Smart Meter kommen. In Deutschland müssen per Gesetz ab diesem Jahr herkömmliche Stromzähler gegen "intelligente Geräte" ausgetauscht werden. Sie sollen den Haushalten dabei helfen, Strom zu sparen. Zunächst werden nur größere Energieverbraucher betroffen sein, ab 2020 dann auch kleinere Haushalte. Was auf sie zukommt, sind unter anderem hohe Kosten. Außerdem kam der Verdacht auf, dass einige der verfügbaren Smart Meter fehlerhaft zählen.

"Einige Smart Meter haben zwar 30 Prozent unterhalb des tatsächlichen Verbrauchswertes gemessen, andere aber bis zu sechs Mal mehr als den echten Wert", sagte Cees Keyer von der Fachhochschule Amsterdam dem Rundfunksender SWR. Die niederländischen Forscher hatten für eine Studie neun digitale Smart Meter verschiedener Hersteller überprüft.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen plädiert laut SWR dafür, den Starttermin für den Einbau der Smart Meter, wie es das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende vorsieht, zu überdenken.

Gateways: bisher nicht zertifiziert

Die intelligenten Stromzähler zeigen den Energieverbrauch über den gesamten Tagesverlauf an und speichern die Daten, die dann über ein sogenanntes Gateway automatisch an den Energieversorger übermittelt werden. Zunächst sind vom Einbau der Smart Meter zunächst nur Kunden betroffen, die mehr als 10.000 Kilowattstunden jährlich verbrauchen. Dazu kommen Verbraucher, die stromerzeugende Anlagen wie Solaranlagen mit mehr als sieben Kilowatt Nennleistung betreiben. Da diese Gateways jedoch bisher noch nicht zertifiziert sind, ist erst ab Mitte bis Ende 2017 mit der Installation der ersten Modelle zu rechnen.

Geringverbraucher unterliegen der Freiwilligkeit

Ab 2020 sind Nutzer mit einem Verbrauch von 6.000 bis 10.000 Kilowattstunden zum Einbau der Smart Meter verpflichtet. Laut der Stromsparinitiative entspricht das dem mittleren Stromverbrauch eines Haushaltes mit fünf oder mehr Mitgliedern in einem Ein- oder Zweifamilienhaus, in dem auch das Wasser mit Strom erwärmt wird. Verbraucher mit geringeren Werten können sich auch mit Smart Metern ausrüsten lassen, aber auf freiwilliger Basis.

Smart Meter: pro Tag 96 Einzelwerte

Statt wie bisher die Jahresverbrauchszahl zu ermitteln, misst die digitale Technik den Stromverbrauch alle 15 Minuten. Das ergibt über den Tag 96 Einzelwerte. "Das ermöglicht es den Verbrauchern, zu erkennen, wo bestimmte Verbrauchsspitzen auftreten", sagt Andreas Feicht, Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen in Berlin.

Smart Meter allein sparen kein Geld

"Je besser die gesetzlich vorgesehene Visualisierung in der Praxis umgesetzt wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Zugewinn an Information dem Verbraucher tatsächlich zugute kommt", sagt Bettina Cebulla von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dazu müsse der Verbraucher allerdings wissen, wie die visualisierten Daten zur Energieeinsparung genutzt werden können. Ob die potenziell erzielbaren Einsparpotenziale die mit einem Smart Meter verbundenen Mehrkosten kompensieren können, ist laut Cebulla fraglich.

Intelligente Technik versus Kosten

Die Technik berge jedoch von den Kosten abgesehen große Zukunftschancen, findet Feicht. Sie sei ein wichtiger Bestandteil eines Smart Homes, da sie ein intelligentes Energiemanagement ermögliche.

Da ein Smart Meter mit Gateway kommunizieren kann, wird es Feicht zufolge künftig etwa möglich sein, flexible Stromtarife anzubieten und elektrische Hausgeräte automatisch einzuschalten, wenn der Strom besonders günstig ist. Auch Wärmepumpen oder Elektroautos könnten sich dann zu optimalen Strombezugszeiten günstiger aufladen. Die Voraussetzung werde jedoch sein, dass sich die Verbraucher bereit erklären, Daten bereitzustellen. Wobei man wieder beim Thema Datensicherheit wäre.

Wer baut die Smart Meter ein?

Den Einbau übernehmen die Messstellen-Betreiber, in der Regel die örtlichen Netzbetreiber, sagt Corinna Kodim vom Eigentümerschutzverband Haus & Grund Deutschland. Es gebe aber auch unabhängige Anbieter. Diese nehmen den Kontakt zu Hausbesitzern und Verwaltern auf. Mieter müssen Kodim zufolge nicht aktiv werden.

"Sie können die Installation der intelligenten Zähler aber auch nicht ablehnen, obwohl damit zusätzlich Kosten entstehen", sagt Kodim.

Gesetzliche Obergrenze bei den Kosten

Was die Kosten betrifft, gibt es eine gesetzliche Obergrenze. Bei den zunächst betroffenen Abnehmern mit mehr als 10.000 bis 20.000 Kilowattstunden Verbrauch, sind das derzeit 130 Euro jährlich. Haushalte mit einem Verbrauch zwischen 6.000 und 10.000 Kilowattstunden sollen dann ab dem Geltungsjahr 20120 nicht mehr als 100 Euro jährlich zahlen müssen. Doch es ist mit weiteren Kosten zu rechnen.

"Die Plätze der alten ausrangierten Stromzähler eignen sich nicht für die neue Technik", erklärt Kodim.

Es sei davon auszugehen, dass ganze Zählerschränke ausgetauscht werden müssen. Dadurch können Kosten von mehreren Tausend Euro entstehen, die zunächst der Hauseigentümer trägt. "Sind Wohnungen vermietet, kann er die Kosten über die Modernisierungsumlage an die Mieter weitergeben", so Kodim.

Alstria stattet gesamtes deutsches Portfolio mit Smart Metern aus

Das Büroimmobilienunternehmen Alstria hat nach eigenen Angaben bereits Ende 2016 damit begonnen, das gesamte Deutschlandportfolio mit Smart Metern auszustatten. Gemanagt wurde das Rollout für die insgesamt 121 Objekte mit einer Gesamtmietfläche von 1,7 Millionen Quadratmetern von Westbridge Advisory.

„Wir versprechen uns dadurch eine höhere Transparenz und weitere Chancen zur Optimierung der Betriebskosten“, so Robert Kitel, Head of Sustainability & Quality Management der Alstria.

dpa
Schlagworte zum Thema:  Strom