Property Management: Allrounder verzweifelt gesucht

Vom besseren Hausmeister zum bilingualen Rundummanager: Das Berufsbild des Property Managers hat sich so radikal gewandelt wie kaum eine Tätigkeit in der Immobilienbranche. Mit den höheren Anforderungen wird es immer schwieriger, gutes Personal zu bekommen. Das Problem: Vielen Bewerbern fehlen die technischen Kenntnisse.

"Der Markt ist extrem heiß umkämpft", sagt die Geschäftsführerin von HIH Property Management, Annegret Kirchner. "Gerade wenn man jemand mit mehr Berufserfahrung möchte, wird die Suche richtig hart."

Kollegen in den Führungsebenen von Mitbewerbern pflichten Kirchner bei: Vor allem an den Top-Standorten in Deutschland – und damit dort, wo die technisch anspruchsvollsten Objekte zu verwalten sind – gestaltet sich die Suche nach Fachkräften und hochkarätigen Berufseinsteigern schwierig.

Property Manager kümmern sich überwiegend um Gewerbeimmobilien, und zwar vom Mietermanagement über die Umsetzung von Gesetzesnovellen im Energiebereich bis zum Anwenden digitaler Lösungen für die Steuerung von Kommunikationsprozessen.

"Die Erweiterungen in technischer Dimension, aber auch die Bereiche Energie und die Digitalisierung von Prozessen haben den Beruf immens spannend gemacht." Susanne Tattersall, Managing Partner bei Tattersall Lorenz


Andererseits löst genau dieses Spektrum Sorgenfalten auf der Stirn von Personalmanagern aus. Der Beruf ist so unscharf umrissen, dass viele nichts damit anzufangen wissen und es fast niemanden gibt, der in allen gefragten Fähigkeiten gleich gut bewandert ist.

"Ein bisschen Technik reicht nicht"

Es gebe zwar eine größere Auswahl an potenziellen Bewerbern, aber man müsse sie intensiver suchen und wildere bisweilen in fachfremden Branchen, sagt Kirchner. Die Herausforderungen beträfen vor allem den technischen Bereich, sagt der Geschäftsführer Real Estate Management bei Strabag Property and Facility Services (Strabag PFS), Marko Bohm.

"Eine kaufmännische Ausbildung mit ein bisschen Technik reicht nicht", so Bohm. Gefragt seien Hochschulabsolventen aus dem Ingenieurbereich und erfahrene, kommunikationsstarke Praktiker, etwa Kälte- oder Energietechniker. In den immobilienwirtschaftlichen Ausbildungsgängen spiegelt sich diese Komplexität nach einhelliger Branchenkritik nicht wider; entsprechend breit müsse man sich bei der Personalakquise aufstellen.

Headhunter noch unverzichtbar

"Bei uns heißt der erste Recruitingkanal immer noch persönliche Kontakte", sagt Thomas Wagner, Geschäftsführer der OFB Projektentwicklung. Daneben nutzt das Unternehmen der Helaba Immobiliengruppe auch den klassischen Weg über Print- und Onlinemedien – was die Chance auf Quereinsteiger erhöhe und auf Bewerber, "die man sonst nicht so auf dem Schirm gehabt hätte". Die Personalgewinner von Strabag setzen bei der gezielten Suche traditionell auf Headhunter.

"Digital orientierte Wege wie soziale Medien oder Berufsnetzwerke sind zwar Pflicht für Unternehmen, um präsent zu sein und sich als Marke zu positionieren, konkret können wir aktuell aber noch nicht absehen, ob wir auf diesem Weg Mitarbeiter gewinnen." HIH-Geschäftsführerin Annegret Kirchner

Digitalisierung: Moderne Arbeitswelten sind Standard

Wie umkämpft der Markt ist, merke man an der Gehälterfrage, ergänzt Bohm: "An den Top-Standorten muss man da Zugeständnisse machen." Moderne Arbeitswelten zählen für den Großteil der Branche inzwischen zum Standard. Mit mobilen Endgeräten könnten Mitarbeiter flexibler und ortsunabhängiger tätig sein, erklärt Tattersall.

Zugleich betonen die Arbeitgeber, dass ein Gegengewicht zu diesem Modell der ausdrückliche Wunsch von Beschäftigten sei. Auch Nachwuchskräfte suchten die Sicherheit eines fest umrissenen Arbeitsplatzes, sagt Bohm.

"Nachwuchskräfte sehen sich weniger als Individualisten denn als Teamplayer."  Marko Bohm, Geschäftsführer Real Estate Management bei Strabag PFS

Die Mischung aus Präsenz vor Ort bei gleichzeitig innovativen Arbeitsprozessen dürfte durch die Künstliche Intelligenz zusätzlichen Schwung erfahren. "Damit brauchen wir auch Menschen mit Skills, die wir vorher nicht so im Unternehmen hatten, etwa Informatiker", erklärt Bohm.

Während im kaufmännischen Bereich die Digitalisierung den Personalmarkt aus Arbeitgebersicht eher entspannt, bleibe er im technisch-gewerblichen angespannt, schlussfolgert Tattersall. Auch die OFB geht von wenig Bewegung in den kommenden Jahren aus.

Kirchner und Tattersall verweisen auf eine Brancheninitiative, die ein Qualifizierungsprogramm für Verwalter von Gewerbeimmobilien auf den Weg gebracht hat. In Kooperation mit der EBZ Akademie können sich Interessierte ab sofort in speziellen kaufmännischen und technischen Themen fortbilden. Der "Manager Commercial Properties (IHK)" ist als Zertifikatslehrgang angelegt.

Susanne Tattersall

Interview Susanne Tattersall: Das Berufsbild bekannter machen

Frau Tattersall, worauf legen Sie bei der Auswahl von Mitarbeitern Wert, abgesehen vom technischen Wissen und Kenntnissen in Fachfragen?

Tattersall: Wir brauchen gute Leute, die ihr Know-how einbringen und gleichzeitig bereit sind, Neues hinzuzulernen. Wer überfordert ist, kann nicht mehr präzise und korrekt arbeiten. Wer zu uns kommt, soll Lust haben, über den Tellerrand zu schauen. Wir fördern das mit regelmäßigen Workshops, Fort- und Weiterbildungen. Gutes Englisch zählt außerdem zu den Grundvoraussetzungen. 80 Prozent  unserer Kunden kommen aus dem englischsprachigen Raum. Dank der Digitalisierung entschlacken wir Prozesse und schaffen Freiräume für höherwertige Tätigkeiten und mehr Verantwortungsübernahme: Auch dazu müssen Beschäftigte bereit sein.

Welche Rolle spielen Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung abseits der Gehaltsfrage?

Wir agieren bewusst als familiengeführtes Unternehmen. Für Kunden wie für Mitarbeiter bedeutet das auch, dass man mich bei Anliegen und Fragen persönlich ans Telefon bekommt. Das erleichtert auch die Identifikation mit dem Unternehmen. Grundsätzlich bieten wir unseren Mitarbeitern regelmäßige und zahlreiche Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen an. Sie agieren eigenverantwortlich, steuern Prozesse selbst und können aufgrund einer Vereinbarung zur Vertrauensarbeitszeit weitgehend flexibel und ortsunabhängig arbeiten. Den Teamgeist fördern wir durch gemeinsame Sportevents, Reisen und die Teilnahme als Team bei Branchenevents wie zum Beispiel der ExpoBike.

Gemeinsam mit anderen Unternehmen haben Sie eine Initiative ins Leben gerufen, um das Berufsbild des Property Managers in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Was verbirgt sich dahinter?

Die Initiative "YouPM" wurde 2017 ins Leben gerufen, um Schülern, Abiturienten und Hochschulabsolventen sowie Berufs- und Quereinsteigern das Berufsbild des Commercial Property Managers nahezubringen. Dafür werden beispielsweise Präsentationen inklusive Kurzfilmen mit Details zum Berufsbild des Commercial Property Managers produziert. Diese nutzen Vertreter der Initiative, um bei Besuchen von Schulen und Berufsschulen konkret über die Aufgaben, Wirkungsfelder und Karrieremöglichkeiten eines Commercial Property Managers zu informieren. Finanziert wird das Ganze von den Firmen, die sich an dieser Initiative beteiligen.


Der Artikel ist im Magazin "Immobilienwirtschaft" in Ausgabe 12/2018 erschienen.