Der Beruf des Immobilienverwalters erlebt derzeit rasante Umwälzungen: Die Dynamik auf den Wohnungsmärkten, sich rasch ändernde politische Vorgaben und die Digitalisierung stellen Verwalter nicht nur vor inhaltliche Herausforderungen, sondern sorgen für einen grundsätzlichen Imagewandel des Berufsbildes. Lesen Sie hier, wie sich eine Branche neu erfindet, was gefragt ist und wie Property Manager den neuen Aufgaben gerecht werden können.

Gefragt ist neben betriebswirtschaftlichen Kenntnissen immer mehr auch die Fähigkeit, politische Änderungen aufzunehmen und umzusetzen. Dabei ist es wichtig, bei diesen Prozessen einen Ausgleich zwischen persönlichem Kontakt und digitalisierten Abläufen zu finden. "Ein Stück Psychologie gehört dazu", so Matthias Boelsen, geschäftsführender Gesellschafter der IVBM Immobilienvermögensbewertung und Management GmbH.

Flexibilität gefragt – IT-Effizienz durch Optimierungen

Wichtig sei ein stimmiges Konzept zur Vermarktung, sagt Christina Hoffmann, Head of Asset Services bei CBRE. Eine individuelle Softwarelösung spiele eine nicht geringe Rolle: Kein Standardprogramm sei so flexibel, dass es die speziellen Bedürfnisse für die konkrete Immobilie berücksichtigte. Dabei werde das Tempo der Property-Management-Dienstleistung immer schneller. Flexibilität sei ein Schlagwort, das immer stärker abgefragt werde.

Zur bestmöglichen Wertschöpfung und Verwaltung tragen auch bei Treureal Prozessvereinfachungen bei. Dazu gehören etwa

  • der Einsatz eines elektronischen Portals für die Beauftragung von Handwerksunternehmen mit Instandhaltungsmaßnahmen,
  • die Sicherung des Inputs aus der Mieterkommunikation durch ein Support Center einschließlich eines Ticketsystems und
  • die Umstellung des Datenaustausches mit Lieferanten bei der Stromversorgung der Immobilien auf elektronische Verfahren.

Daten rücken in den Vordergrund

„Aufgrund unseres breiten Leistungsspektrums sammeln wir deutlich mehr Daten zu den von uns gemanagten Immobilien, als dies andere Anbieter tun“, ergänzt Markus Reinert, Vorstandschef der IC Immobilien Holding AG. Mit einer höheren Datenfülle sei es beispielsweise möglich, die Portfolios der Kunden feiner zu steuern.

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Als größte Herausforderung nennt Reinert für die Zukunft den Ressourcenbedarf an guten Immobilienmanagern in der Verwaltung, diese seien derzeit kaum am Markt zu finden.

Die Zukunft ist digital

Ist im Immobilien-Deutschland der vergangenen Jahrzehnte eher eine passive und rein verwalterische Betreuung angesagt gewesen, verlangt der heutige internationale Standard ein aktives Immobilienmanagement über den gesamten Lebenszyklus.

„Der Property Manager agiert dabei interdisziplinär und ersetzt nicht die Fachberatung durch Steuerberater, Anwälte, Maklerhäuser oder Architekten und Ingenieure“, erklärt Boelsen.

In der Property-Management-Zukunft gehe es zudem um neue Produkte zur effizienteren Datensammlung über Immobilien und Anlagen:

„Die Immobilien werden selbst Teil des Internet of Things und tauschen untereinander Daten aus“, ergänzt Dr. Christian Nietner, Data Scientist.

Etwa die Attraktivität des Cloud Computings beruht unter anderem auf erheblichem Einsparpotenzial bei den Prozesskosten.

„Das Ganze wird zu einem vernetzten System mit ständigem Datenaustausch, sodass alle Bereiche optimal aufeinander abgestimmt werden“, so Nietner weiter.

Was bedeuten die Herausforderungen für das Berufsbild des Verwalters?

Sandra Bohrisch, Geschäftsführerin des Bundesfachverbands der Immobilienverwalter BVI, sieht die Branche auf dem Sprung in ein Zeitalter, das den Beruf eines Immobilienverwalters attraktiver erscheinen lässt denn je – geprägt von neuen, sich wandelnden Aufgabenfeldern genauso wie von entsprechenden Fortbildungsmöglichkeiten und Qualifizierungen.

Durch das verbreiterte Aufgabenfeld werde der Beruf einen viel größeren Bewerberkreis als bisher ansprechen; denkbar sei zudem, dass sich Schwerpunkte und Chancen zu Vertiefungen ergeben, an denen potenzielle Verwalter ihre Interessen ausrichten können.

Spezialisierung und Alleinstellungsmerkmale ermöglichen es, so Bohrisch, sich als Marke fest zu etablieren.

Gleichzeitig blieben die Aufgaben vielfältig. „Ermüdende Routinen zählen bei Immobilienverwaltern zu Fremdwörtern“, meint Bohrisch. Der BVI sieht darin eine Chance, weit mehr Bewerberkreise als bisher anzusprechen.

Neue Chancen durch Sachkundenachweis

Der vor der Tür stehende Sachkundenachweis schafft gute Chancen für Quereinsteiger. Ein qualifiziertes und anerkanntes Berufsbild kann einen Überblick bei der Struktur der Ausbildung schaffen und Anreize setzen zu regelmäßigen Fortbildungen. In Zukunft könnte damit eine viel breitere Palette an Nachwuchskandidaten zur Verfügung stehen.

Die Aufgabe von Verbänden und Verwaltern könnte darin bestehen, den Beruf als interessantes, zukunftsweisendes Tätigkeitsfeld mit Karrierechancen zu vermitteln.

Akquise von Personal

Firmen suchen händeringend qualifizierten Nachwuchs. Der BVI teilte mit, Verwalter bei der Vermittlung von Schülerpraktika zu unterstützen, während der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter DDIV gemeinsam mit dem EBZ die so genannte Klimaverwalter-Akademie ins Leben gerufen hat und ein eigenes Netzwerk für Frauen in der Immobilienverwaltung gründete. Außerdem forderte der DDIV unlängst die zügige Einführung eines Weiterbildungszuschusses für Immobilienverwalter.

Der BVI wiederum hat eine Facebook-Plattform für Anbieter und Anwärter eingerichtet. Der DDIV unterstützt außerdem Mitgliedsunternehmen bei der Akquise von Personal, etwa über die Schaltung von Stellenanzeigen. Der Bayerische Landesverband pflegt online ein „Job-Center“, und der nordrhein-westfälische Landesverband hat gemeinsam mit dem Europäischen Bildungszentrum EBZ einen „Leitfaden zur Personalakquise und professionellen Bewerberauswahl“ herausgegeben.