Die Vergabe von gebündelten Dienstleistungen ist Wachstumstreiber im Markt für Facility Management Bild: pixabay

Mit einem Marktvolumen von 53,4 Milliarden Euro sind die Facility Services der wichtigste B-to-B-Service-Markt in Deutschland. Einige Unternehmen zeigen überdurchschnittliches Wachstum. Die wesentlichen Trends im Markt beleuchtet Thomas Ball, Senior Consultant und Autor der jährlich erscheinenden Lünendonk®-Studie "Facility-Service-Unternehmen in Deutschland".

Für die volkswirtschaftliche Bedeutung der Facility Services ist auch ausschlaggebend, dass die führenden Unternehmen seit dem Jahr 2004 stetig stärker wachsen als das BIP. Die durchschnittliche Umsatzsteigerung der Top 25 liegt seit 2009 bei mindestens 3,8 Prozent pro Jahr.

Spie erstmals auf Platz eins

Einige Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich entwickelt. Hochtief Facility Management etwa, die in den Jahren 2003 und 2004 die Gebäudemanagement-Gesellschaften von Lufthansa und Siemens übernahm, gehörte 2008 mit einem Umsatz von rund 660 Millionen Euro zu den Top 5 der Lünendonk®-Liste. Im Jahr 2013 übernahm die französische Spie das Unternehmen. Im Lünendonk®-Ranking 2018 ist Spie auch aufgrund mehrerer Zukäufe mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro erstmals auf Platz eins geführt.

Apleona auch im Ausland aktiv

Die heutige Apleona HSG, damals noch Bilfinger Berger Facility Services, steigerte innerhalb von zehn Jahren den Umsatz auf 1.478 Millionen Euro in 2017 (plus 65 Prozent). Apleona zählt – ebenfalls nach Übernahmen – zu den führenden Multidienstleistern und ist als einer der wenigen Service-Anbieter mit einem Gesamtumsatz von knapp unter 2,3 Milliarden Euro auch stark im Ausland aktiv.

Wisag: konsequenter Multidienstleister

Auf Rang drei ist mit mehr als einer Milliarde Euro Jahresumsatz das Frankfurter Familienunternehmen Wisag mit der Sparte Facility Services platziert. In zehn Jahren erreichte die Wisag eine Umsatzsteigerung von 37 Prozent. Wisag widmet sich konsequent den Themen Multidienstleistungen, Ökologie und Mitarbeiter- und Kundenbegeisterung.

Die Aufsteiger

Die Unternehmensgruppe Gegenbauer – seit 2016 inklusive der übernommenen RGM – zählt zu den Aufsteigern der vergangen zehn Jahre. Und Engie, früher zunächst unter dem Namen Axima, dann Cofely am Markt aktiv, steigerte den Umsatz von 2008 (313 Millionen Euro) um 100 Prozent auf aktuell 628 Millionen Euro. Sie scheint nun fest in den Top 10 der führenden Dienstleister etabliert. 2019 wird auch die dänische ISS, in Österreich und der Schweiz bereits mit großem Abstand Marktführer, in die Top 10 in Deutschland aufsteigen: Mitte 2019 wird das weltweit tätige Unternehmen das Gebäudemanagement für die Deutsche Telekom übernehmen.

Lünendonk®-Liste 2018: Führende Facility-Service-Unternehmen in Deutschland

Aufnahmekriterien für diese Liste: Mindestens 50% des Umsatzes werden mit Facility Services erwirtschaftet, mindestens 66% des Umsatzes resultieren aus externen Aufträgen, mindestens 66% des Facility-Service-Umsatzes bestehen aus infrastrukturellem und technischem Gebäudemanagement. Alternativ werden mindestens 66% des Umsatzes im Wettbewerb erwirtschaftet und der Umsatz mit externen Aufträgen übersteigt 100 Mio. Euro. Bereinigt um Umsätze mit Servicegesellschaften und Organschaften.

Rang

Unternehmen

Umsatz in Deutschland 2017 

(in Mio. Euro)

Umsatz in Deutschland

2016

(in Mio. Euro)

Gesamtumsatz 2017

Gesamtumsatz

2016

Mitarbeiter in Deutschland 2017

Mitarbeiter in Deutschland

2016

1

Spie Deutschland & Zentraleuropa GmbH, Ratingen

1.500,0

1.400,0

1.700,0

1.650,0

10.800

9.700

2

Apleona GmbH, Neu-Isenburg

1.477,9

1.433,9

2.293,0

2.244,0

13.540

13.090

3

Wisag Facility Service Holding GmbH, Frankfurt am Main

1.067,4

1.016,3

1.067,4

1.016,3

32.102

31.141

4

Strabag Property and Facility Services GmbH, Frankfurt am Main

994,0

993,0

1.140,0

1.128,0

11.704

11.700

5

Dussmann Service Deutschland GmbH, Berlin

870,0

890,0

1.775,0

1.685,0

23.500

22.400

6

Gegenbauer Holding SE & Co. KG, Berlin

667,1

657,0

696,6

685,7

17.212

16.993

7

Compass Group Deutschland GmbH, Eschborn

646,0

666,0

646,0

666,0

15.000

15.000

8

Engie Deutschland GmbH, Köln

628,0

557,0

628,0

557,0

2.524

2.302

9

Piepenbrock Facility Management GmbH + Co. KG, Osnabrück

564,0

503,1

564,0

503,1

26.600

26.006

10

Kötter Unternehmensgruppe, Essen

549,0

545,0

549,0

545,0

18.600

18.900

11

Sodexo Beteiligungs B.V. & Co. KG, Rüsselsheim

527,2

538,4

600,8

630,0

10.700

10.500

12

Klüh Service Management GmbH, Düsseldorf

487,0

477,2

803,3

770,1

19.824

19.867

13

ISS Facility Services Holding GmbH, Düsseldorf

394,0

333,0

394,0

333,0

10.098

8.522

14

CBRE Gruppe, Essen

323,0

286,0

323,0

286,0

1.550

1.400

15

Vinci Facilities Deutschland GmbH, Mannheim

263,0

274,0

310,0

327,0

1.450

1.338

16

Götz-Management-Holding AG, Regensburg 

236,3

232,8

280,0

276,0

13.265

13.100

17

Sauter FM GmbH, Augsburg

216,0

199,0

216,0

199,0

1.175

1.186

18

Caverion Deutschland GmbH, München

195,3

187,6

465,0

507,0

999

963

19

Stölting Service Group GmbH, Gelsenkirchen

175,0

172,0

175,0

172,0

6.550

6.350

20

Dorfner Gruppe, Nürnberg

164,0

173,7

252,0

243,0

7.520

7.440

21

Lattemann & Geiger Dienstleistungsgruppe Holding, Dietmannsried

160,8

159,2

274,9

267,9

6.885

7.093

22

Dr. Sasse AG, München

142,0

125,2

190,0

170,0

4.200

3.800

23

Hectas Facility Services Stiftung & Co. KG, Wuppertal

140,0

118,0

207,0

194,0

6.900

6.400

24

b.i.g. - Gruppe, Karlsruhe

122,5

140,8

129,0

148,2

2.585

2.809

25

Immobilien Service Deutschland GmbH, Lüdenscheid

110,0

103,0

110,0

103,0

5.300

5.100

Quelle: Lünendonk & Hossenfelder GmbH, Mindelheim 2018 - Stand 26.06.2018 (keine Gewähr für Firmenangaben)

Anmerkung: Die Rangfolge der Übersicht basiert auf kontrollierten Selbstauskünften der Unternehmen und Schätzungen der Lünendonk & Hossenfelder GmbH über in Deutschland bilanzierte/erwirtschaftete Umsätze.

Entwicklung des FM-Marktes durch Personalmangel gefährdet

Die überdurchschnittlichen Steigerungsraten sind auf einen wesentlichen Grund zurückzuführen: Ein professionelles Facility Management hilft Auftraggebern, ihre Immobilien effizienter zu bewirtschaften, trägt zum Risikomanagement im Zuge der Betreiberverantwortung bei und hilft den Unternehmen, sich stärker auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren.

Aber auch eine Ebene tiefer zeichnen die Unternehmen Gemeinsamkeiten aus: Sie sind entweder als Multidienstleister positioniert oder verfügen über eine besondere Kompetenz im technischen Gebäudemanagement. Die weitere positive Entwicklung des Marktes ist indessen durch den in vielen Regionen herrschenden akuten Personalmangel gefährdet. Unternehmen, die bei der Personalgewinnung und -bindung an das eigene Unternehmen punkten, haben einen Wettbewerbsvorteil. Immer öfter spielt es bei der Auftragsvergabe eine wichtige Rolle, welches Personal die Dienstleister für die Objektbetreuung präsentieren.

Preis wird zweitrangig Druck durch Konsolidierungen

Die Bedeutung des Preises für die Vergabe lässt in diesem Zuge etwas nach, und neben dem Personal sind Fachkompetenz, Service-Konzept und Qualität in der Leistungserbringung entscheidendere Faktoren für die Vergabe.

Der Markt befindet sich seit mehreren Jahren in einer Konsolidierung. So wachsen die führenden Dienstleister kontinuierlich stärker als der Gesamtmarkt. Das übt Druck auf wenig spezialisierte Unternehmen mittlerer Größe aus, die sich nicht als Multidienstleister positionieren und gleichzeitig über keine hohe Fachkompetenz in bestimmten Leistungen oder Branchen verfügen.

Auftraggeber hingegen, für die der angebotene Preis das überwiegende Vergabekriterium ist, müssen damit rechnen, dass nicht alle angefragten Dienstleister auch tatsächlich ein Angebot abgeben. Inzwischen ist der Anteil der Unternehmen, die sich auf erfolgversprechende Ausschreibungen konzentrieren, deutlich angestiegen und erreicht 83 Prozent der von Lünendonk befragten Unternehmen.

Intelligentes Service-Konzept und Qualität gefragt

Kein Wunder: Das Bearbeiten von Ausschreibungen ist aufwändig und teuer, die Mitarbeiter zu gewinnen ebenso. Sind ein intelligentes Service-Konzept und Qualitätsdienstleistungen gefragt sowie die Übernahme im Idealfall von allen Services rund um das Gebäude gewünscht, steigt die Erfolgswahrscheinlichkeit gegenüber eventuell parallel angefragten kleinen Einzelgewerkeanbietern.

Die zunehmende Vergabe von gebündelten Dienstleistungen ist der wesentliche Trend und Wachstumstreiber im Markt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Auftraggeber reduzieren den Vergabe-, Steuerungs- und Verwaltungsaufwand von mehreren Dienstleistern und haben einen professionellen Dienstleistungspartner an ihrer Seite, der – sofern dies zugelassen wird – Konzepte für eine zukunftsorientierte Gebäudedienstleistung mit Synergieeffekten erbringen kann.

Digitalisierung: Heiß diskutiertes Thema in FM-Unternehmen

Eines darf dabei nicht in den Hintergrund geraten: Partnerschaft muss sich für beide Seiten lohnen. Nur wer mit seinem Dienstleister Anreize für Innovationen vereinbart und dafür vertraglich die Freiheit lässt, wird hiervon auch nachhaltig profitieren.

Aktuell ist das meistdiskutierte Zukunftsthema auch im Segment der Facility-Service-Unternehmen die Digitalisierung. Sie wird zweifelsohne kommen. Welche Servicekonzepte und Mehrwerte sich durchsetzen werden, steht noch in den Sternen.

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