Studien: Große Unterschiede bei Wohnnebenkosten in Deutschland

Die Wohnnebenkosten steigen bundesweit. In 14 von 16 Landeshauptstädten muss in diesem Jahr mehr bezahlt werden als im Vorjahr. Abfall, Abwasser, Grundsteuer – wie hoch die Gebühren ausfallen, das hängt dabei stark vom Wohnort ab, wie Studien zeigen. Die Unterschiede sind gravierend.

Die Gebühren für Abfall, Abwasser und Grundsteuer sind Sache der Kommunen. Wie hoch die finanzielle Belastung durch diese wichtigsten Wohnnebenkosten ausfällt, hängt also stark vom Wohnort ab. Eine Studie des Forschungsunternehmens IW Consult im Auftrag des Eigentümerverbands Haus und Grund hat die 100 größten Städte Deutschlands untersucht und zum Teil erhebliche Unterschiede aufgedeckt.

Allein auf die drei genannten bedeutendsten Abgaben entfallen laut IW Consult für einen Musterhaushalt (Einfamilienhaus, 120 Quadratmeter Wohnfläche, vier Bewohner) bis zu 2.046 Euro Nebenkosten pro Jahr – und zwischen der teuersten und der günstigsten Stadt liegen mehr als 1.100 Euro Spielraum. Berücksichtigt wurden Kennzahlen zu den Abfallgebühren (Stand 2019), zu den Abwassergebühren (2020) und zur Grundsteuer B (2021) auf Basis von Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln.

Wohnnebenkosten: Leverkusen am teuersten, Regensburg am günstigsten

Wer in Leverkusen (Nordrhein-Westfalen) wohnt, muss nach Angaben der Forscher bei den Wohnnebenkosten am tiefsten in die Tasche greifen: Rund 2.046 Euro fallen jährlich an Gebühren für die Abfall- und Abwasserentsorgung sowie die Grundsteuer an. Regensburg in Bayern ist der günstigste Ort unter den 100 größten deutschen Städten: Mit 915 Euro müssen dort im Schnitt pro Jahr weniger als die Hälfte der Leverkusener Preise bezahlt werden.

Acht der zehn teuersten Kommunen liegen in Nordrhein-Westfalen, heißt es in der Untersuchung weiter. Die zehn günstigsten Orte teilen Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen unter sich auf.

"Unser Eindruck besteht durchaus, dass gerade die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg gut wirtschaften, dass sie mit Augenmaß die Gebühren setzen", sagte Studienautor Hanno Kempermann, Leiter der Abteilung "Branchen und Regionen" bei der IW Consult.

Strukturelle oder geografische Gründe für die hohen Unterschiede ließen sich hingegen nicht feststellen, betonte er. Auch die Größe der Stadt oder die Einwohnerdichte böten keinen Maßstab für die Höhe der Nebenkosten. Eine Ausnahme bilde das Ruhrgebiet. Hier hätten Kommunen aufgrund eines Notstandshaushalts oft keine andere Wahl, als Gebühren zu erhöhen, betonte Kempermann.

Eigentümer weisen Kritik der kommunalen Unternehmen zurück

Die Gebühren und Beiträge für die Abwasser- und Müllentsorgung haben die Forscher auf Basis der öffentlich einsehbaren Gebührenordnungen der 100 untersuchten Kommunen erhoben. Waren bestimmte Leistungen nicht angeboten, setzten die Autoren hypothetische Gebühren an. Kritik gab es vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU).

"Wer Entgelte vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen", sagte ein Verbandssprecher. "Die Höhe der Entgelte für Abwasser und Abfall ist von Region zu Region verschieden, weil sie unterschiedliche Leistungen, Standorte, Rahmenbedingungen vor Ort berücksichtigen."

So böten etwa beim Abfall einige Kommunen eine kostenlose oder günstige Sperrmüll-Abholung an. Diese Leistungen seien dann in den Gebühren eingepreist. "Auch die Dichte und Anzahl der Wertstoffhöfe spielt eine Rolle." Die Infrastrukturen für Abwasser wiederum seien "Maßanfertigungen für Generationen. Daher funktionieren einfache Vergleiche nicht und können keine Transparenz für Verbraucher schaffen."

Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke wies die Kritik indes zurück: "Die Ausreden sind bunt, aber sie sind in den vergangenen Jahren nie stichhaltig gewesen." Regensburg etwa habe bei der Abwasserentsorgung sicherlich mehr Steigungen zu überwinden als Potsdam, trotzdem seien die Gebühren deutlich niedriger.

IW-Consult: Wohnnebenkostenranking 2021 (PDF)

BdSt-Ranking: Wohnnebenkosten steigen bundesweit

Auch ein aktuelles Ranking des Bundes der Steuerzahler Deutschland (BdSt) zeigt, dass es im Vergleich der 16 Landeshauptstädte starke Unterschiede bei den Wohnnebenkosten gibt. Demnach müssen in 14 der Städte höhere Nebenkosten als im Vorjahr bezahlt werden, reduziert haben sich die Nebenkosten in keiner Stadt. Im Durchschnitt liegen die Kosten in diesem Jahr bei 1.818 Euro – das sind 20 Euro mehr als im Vorjahr.

Bei seiner Modellrechnung hat der Verband die Belastung durch sechs verschiedene Wohnnebenkosten für einen Drei-Personen-Haushalt in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus (120 Quadratmeter) ermittelt: Trinkwasserpreise, Abfall-, Schmutzwasser- und Niederschlagswassergebühren, Grundsteuer und Rundfunkbeitrag – der ist zwar bundesweit einheitlich, stelle aber einen wesentlichen Kostenfaktor dar und wurde deshalb in die Liste aufgenommen.

Am teuersten sind im BdSt-Check die Wohnnebenkosten in Berlin-West. Hier wurden in Summe 2.287 Euro fällig. In Mainz (Rheinland-Pfalz) sind die Gebühren am preiswertesten mit Steuern und Gebühren in Höhe von insgesamt 1.433 Euro. Den größten Aufschlag gegenüber dem Vorjahr gab es in Dresden (Sachsen) mit plus 78 Euro. In Erfurt, der Landeshauptstadt Thüringens, führt der Steuerzahlerbund die nur leichte Erhöhung gegenüber dem Vorjahres-Check einzig auf das Auslaufen der Corona-bedingten Reduktion des Mehrwertsteuersatzes (fünf statt sieben Prozent) zurück.


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Schlagworte zum Thema:  Betriebskosten, Nebenkosten, Wohnimmobilien