Family Offices setzen auf deutsche Wohnimmobilien
Der Investmentmanager Kingstone Real Estate (Kingstone RE) hat für den aktuellen "Family Office Real Estate Report" 32 Gesellschaften, die privates Großvermögen einer Eigentümerfamilie verwalten, aus dem DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) zu Anlagestrategien befragt. Das Ergebnis: Im Schnitt entfällt mehr als die Hälfte (56,5 Prozent) des Nettovermögens auf Immobilien. Zum Vergleich: Auf Aktien entfallen 19,4 Prozent; alle anderen Anlageklassen sind deutlich niedriger gewichtet.
"Family Offices investieren grundlegend anders als klassische institutionelle Investoren, die deutlich niedrigere Immobilienquoten aufweisen", sagt Dr. Tim Schomberg, CEO und Co-Founder von Kingstone RE.
Direktinvestments in Wohnimmobilien dominieren
Dabei investieren Family Offices überwiegend direkt in Immobilien. 81,4 Prozent des Immobilienvermögens der Umfrageteilnehmer sind direkte Investments. Daneben sind noch Joint Ventures mit einem weiteren Family Office (59,4 Prozent) oder Club Deals (40,6 Prozent) beliebt. Wenig gefragt sind dagegen Investments in Spezialfonds mit anderen institutionellen Investoren.
"Bei den im Portfolio vorhandenen Nutzungsarten ist Wohnen am beliebtesten", erklärt Tim Schomberg. Rund ein Drittel (37,5 Prozent) des Immobilienvermögens sei im Durchschnitt in diese Nutzungsart investiert, gefolgt von Büroimmobilien (25 Prozent), Wohn- und Geschäftshäusern (12,8 Prozent) sowie Einzelhandel (6,3 Prozent). "Interessant ist, dass auf Erneuerbare Energien nur 1,8 Prozent entfallen. Hier hätten wir mehr erwartet", meint der Kingstone-CEO.
Immobilienportfolio: Hohe Deutschland-Allokation
"Im Durchschnitt liegen 88,3 Prozent des Portfolios in Deutschland", erklärt Philipp Schomberg, Co-Founder und Partner bei Kingstone RE und verantwortlich für die internationalen Investments. Nur 5,9 Prozent liegen demnach in Europa (ohne Deutschland) und weitere 5,4 Prozent in den USA beziehungsweise Nordamerika. "Oft ist diese Allokation historisch gewachsen", so Philipp Schomber weiter. "Dennoch muss die Frage gestellt werden, ob der Deutschlandanteil aus Diversifikationsgesichtspunkten nicht viel zu hoch ist."
Trotz der hohen Immobilienquoten will die Mehrheit der Familien die Immobilienexposures weiter ausbauen. Dabei werden 50 Prozent das Immobilienvermögen in den kommenden zwölf Monaten leicht steigern (bis zu zehn Prozent), bei 9,4 Prozent soll es stark wachsen (mehr als zehn Prozent). Ein weiteres Viertel will die Quote konstant halten. Nur ein kleinerer Teil (15,7 Prozent) plant, die Quote leicht (bis zehn Prozent) oder stark (mehr als zehn Prozent) zu reduzieren.
Investmentstrategie: Rendite spielt untergeordnete Rolle
Bei den Nutzungsarten stehen in den kommenden zwölf Monaten vor allem Wohnimmobilien in Deutschland im Fokus der Family Offices. Laut Tim Schomberg haben 60 Prozent Bestandsobjekte und 50 Prozent Neubauobjekte auf der Einkaufsliste. Ein Drittel (36,7 Prozent) will in den vorhandenen Bestand investieren und 33,3 Prozent in Wohnen USA beziehungsweise Nordamerika. Alle anderen Nutzungsarten sind deutlich weniger gefragt. Ganz hinten auf der Liste stehen Büros in den USA und Europa sowie Einzelhandel in Europa.
"Bei der Investitionsentscheidung in eine Immobilie sind die Attraktivität der Lage, bereits vorhandene Erfahrung in der Nutzungsart und Vermögenserhalt ausschlaggebend", sagt Philipp Schomberg. Diese Aspekte bewerteten die Befragten bedeutender als das Thema Rendite. Wenig wichtig seien Reputation, emotionale und architektonische Aspekte. "Family Offices entscheiden hier sehr rational und zugleich eher konservativ." Das zeigt sich auch bei den erwarteten Ausschüttungsrenditen. "Knapp 40 Prozent erwarten Ausschüttungsrenditen zwischen drei Prozent und 4,5 Prozent pro Jahr. 22 Prozent wünschen Renditen zwischen 4,5 und sechs Prozent", so Tim Schomberg abschließend. Nur eine kleinere Gruppe – 25 Prozent – erwarte Ausschüttungsrenditen von mehr als sechs Prozent.
Die Umfrage fand vom 25. August bis 23. September statt. Von den befragten 32 Family Offices verwalten 43,8 Prozent ein Nettovermögen von mehr als 500 Millionen Euro, weitere 12,5 Prozent verwalten zwischen 100 und 500 Millionen Euro.
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