Aareal Bank stellt Teile der IT-Tochter Aareon zum Verkauf

Hermann J. Merkens, Chef der Aareal Bank, will die IT-Tochter Aareon mit ihren "exzellenten Wachstumsperspektiven" trotz Krise und Druck von Aktionären nicht komplett aufgeben. Gesucht wird ein strategischer Partner, der eine "signifikante Minderheitsbeteiligung" kauft, teilt der Konzern mit.

Der Vorstand der Aareal Bank AG hat am 20. Mai beschlossen, das Gespräch mit langfristig orientierten Finanzinvestoren zu suchen, die sich an der IT-Tochter Aareon beteiligen. Mit der "Einleitung des strukturierten Prozesses für den möglichen Verkauf eines Minderheitsanteils" wolle der Mutterkonzern Areal zeigen, dass auch während der Covid-19-Pandemie strategischen Ziele konsequent weiterverfolgt werden, erklärte Hermann J. Merkens.

Aareal Bank will Wachstum der IT-Sparte Aareon forcieren

"Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, einen solchen Schritt ernsthaft in Betracht zu ziehen", so der Aareal-Chef: "Das Marktumfeld für Tech-Unternehmen wie die Aareon ist gut". Mit dem Partner solle das Wachstum der IT-Sparte forciert werden.

Auf der Suche nach einem strategischen Partner für Aareon, die nun eingeleitet worden ist, wird die Aareal Bank nach eigenen Angaben von dem auf den Tech-Sektor spezialisierten Beratungshaus Arma Partners als Financial Advisor begleitet. Der Wert von Aareon wurde vor der Coronakrise von Bankern auf rund eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Aktienhändler verwiesen am 20. Mai auf Berichte, wonach das Softwarehaus um die 750 Millionen Euro wert sein dürfte.

Im Februar kündigte Merkens zudem an, Aareon mit einer Reihe von Übernahmen stärken zu wollen, dafür habe das Unternehmen einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag zur Verfügung. Interessant seien Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette der Wohnungswirtschaft. Aareon soll nicht nur das Wachstumstempo deutlich erhöhen, sondern auch "als eigenständig am Markt positioniertes Software-Unternehmen eine starke, von der Mutter unabhängige Wert-Perspektive entwickeln", so Mertens.

Die Aareal Bank als Immobilienfinanzierer wiederum treibt in der Coronakrise die Sorge um Kreditausfälle um. Im ersten Quartal 2020 brach der Überschuss der Bank wegen einer hohen Risikovorsorge für faule Darlehen auf zwei Millionen Euro ein. Vor einem Jahr stand hier noch ein Gewinn von 35 Millionen Euro. Aareon trug zwar im vergangenen Jahr nur einen Bruchteil zum Vorsteuergewinn der Aareal bei, wächst aber im Gegensatz zum Kerngeschäft der Bank kräftig.

Aareal-Aktionär Teleios besteht weiter auf einer Prüfung des Aareon-Komplettverkaufs

Der Hedgefonds Teleios Capital Partners mit Sitz im Schweizerischen Zug soll erstmals Ende September 2019 in einem Brief an das Aareal-Management Konzernchef Merkens aufgefordert haben, Aareon komplett zu verkaufen oder abzuspalten. Medienberichten zufolge lässt Teleios auch jetzt nicht locker und fordert einen zweigleisigen Prozess: Die Aareal Bank solle sowohl einen Mehrheits- als auch einen Minderheitsverkauf der Aareon prüfen. Merkens schloss bereits Ende 2019 einen Mehrheits- oder Komplettverkauf explizit aus. Teleios hält nach eigenen Angaben mittlerweile 6,5 Prozent an Aareal.

Das Software-Unternehmen Aareon könne sich unter einem anderen Eigentümer als einem "konservativen und stagnierenden Gewerbeimmobilien-Finanzierer" besser entfalten, zitierte die Wirtschaftswoche Teleios-Mitgründer Adam Epstein vor einigen Monaten.

Die Aareal Bank will trotz Gegenwind Mehrheitseignerin von Aareon bleiben. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Aareal-Aktie, die seit Beginn der Coronakrise rund die Hälfte ihres Werts eingebüßt hatte, legte am 20. Mai kurz nach Handelsbeginn um mehr als zwölf Prozent auf 17 Euro zu und war damit einsamer Spitzenreiter im MDax.


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