Handelsimmobilien: Der Hype um die Fachmärkte

Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds wollen Einzelhändler weiter expandieren, vor allem Filialisten, wie der neue Hahn-Report zeigt. Investoren sind geneigt, weiter Handelsimmobilien kaufen – am meisten lohnen sich Fachmarktzentren und Supermärkte. Das sehen auch die Finanzierer so.

Der Markt für Immobilieninvestments ist aktuell geprägt von vielfältigen Risikofaktoren – das betrifft nicht nur den Sektor Handel. Die große Mehrheit (93 Prozent) der für den "Hahn Retail Real Estate Report 2022/2023" befragten Experten sehen die Zinsentwicklung in den kommenden Monaten als potenziellen Belastungsfaktor, noch vor der Inflation (68 Prozent). Das Investitionsklima ist zwar gedämpft, "die Kaufneigung der Investoren" bliebe jedoch positiv – mit einem Hang zu Fachmarktzentren und Supermärkten.

Die Konkurrenz durch E-Commerce spielt kaum noch eine Rolle: Nach 81 Prozent in der Vorjahresumfrage, nannten das nur noch 48 Prozent der befragten Investoren als Risikofaktor. Dafür werden die Anforderungen an die Nachhaltigkeit von Immobilien und Immobilienfondsprodukten nun von mehr als der Hälfte (55 Prozent; Vorjahr: 49 Prozent) der Studienteilnehmer als komplexer wahrgenommen. Als neuen negativen Einflussfaktor schätzen 43 Prozent der Marktakteure die Folgen der Krieges in der Ukraine für den Investmentmarkt ein.

Handelsimmobilien: Strategie des moderaten Zukaufs

Hinsichtlich der Kaufneigung der befragten Investoren, zeichnet sich ein positives Bild ab. Mehr als die Hälfte (64 Prozent) der Befragten sagten, dass sie in den kommenden sechs Monaten "die Investmentstrategie des moderaten Zukaufs" von Handelsimmobilien für ihre Portfolios planen. Im Vorjahr waren es mit 72 Prozent kaum mehr, die moderat oder stark zukaufen wollten. Ein Viertel (25 Prozent; Vorjahr: 19 Prozent) gibt an, das bestehende Niveau von Handelsimmobilien im Portfolio bis Ende 2022  halten zu wollen. Acht Prozent (Vorjahr: drei Prozent) wird den Immobilienbestand in den kommenden sechs Monaten moderat verkleinern, wobei – wie im Vorjahr – kein Unternehmen stark verkaufen will.

Investment: Fachmarktzentren und Supermärkte im Fokus

Der Fokus richtet sich bei den befragten Investoren (78 Prozent) sowie Banken und Finanzinstituten (100 Prozent) unverändert zum Vorjahr auf Fachmarktzentren. Supermärkte undLebensmittel-Discounter nannten 65 Prozentder Immobilieninvestoren und 100 Prozent der Finanzierer.

Im Objekttyp-Ranking der Investoren werden SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte auf Platz drei (35 Prozent) gerankt. Auf den Plätzen vier bis sechs folgen Mixed-Use-Immobilien (30 Prozent), Geschäftshäuser in 1A-Lagen (17 Prozent) sowie Bau- und Heimwerkermärkte (neun Prozent). Bei einem sehr geringen Anteil von nur neun Prozent der Befragten besteht nach zwei Jahren wieder die Bereitschaft, in Shopping-Center zu investieren, nachdem diese in den beiden Vorjahren als Investitionsziel gar keine Erwähnung fanden.

ESG: Für Neuinvestments relevant

Bei mehr als der Hälfte (55 Prozent) der befragten Investoren ist Nachhaltigkeit  fester Bestandteil der Investitionsentscheidungen, weitere 39 Prozent halten ESG (Environment, Social, Governance) zumindest für relevant. Mittelfristig planen 78 Prozent der Anleger, in anerkannte Nachhaltigkeitsinvestments zu investieren. Etwa die Hälfte (51 Prozent) der Investoren ist derzeit bereit, für solche Immobilien einen Aufschlag von bis zu fünf Prozent zu zahlen – 29 Prozent würden einen Aufschlag von bis zu zehn Prozent akzeptieren.

Im Immobilienbestand liegt die Herausforderung nicht im Einkauf, sondern im "Manage-to-Green": Im Fokus steht die CO2-Reduzierung und die Minimierung des Ressourcenverbrauchs. Die Förderung der E-Mobilität, Photovoltaik, Smart Metering (digitale Verbrauchsmessung), grüne Mietverträge und Gebäudezertifizierungen spielen ebenfalls eine große Rolle.

Der Retail Real Estate Report wird jährlich von der Hahn Gruppe herausgegeben und soll einen Einblick in den deutschen Einzelhandel und den Investmentmarkt für Handelsimmobilien geben. Kooperationspartner sind CBRE (Investment), Bulwiengesa (wirtschaftliche Rahmenbe­dingungen) und das EHI Retail Institute.

Hahn Retail Real Estate Report 2022/2023 (pdf)


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Schlagworte zum Thema:  Handelsimmobilien, Investment