Statistisches Bundesamt

Mehr Wohnungen genehmigt: nur ein Momentum?


Mehr Wohnungen genehmigt: nur ein Momentum?

Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen ist nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts weiter spürbar gestiegen – doch Experten warnen.

In Deutschland werden wieder mehr neue Wohnungen genehmigt. Im November 2025 setzte sich der Wachstumstrend der Vormonate fort, wie das Statistische Bundesamt am 16.1.2026 mitteilte. Die Behörden genehmigten 20.100 Wohnungen und damit 12,5 Prozent mehr als im November 2024. Von Januar bis November 2025 wurden 215.500 Einheiten genehmigt, das ist ein Plus von 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 

Damit zeichnet sich ab, dass der Negativrekord aus dem Jahr 2024 nicht unterboten wird. Damals waren mit 215.900 Einheiten so wenige Wohnungen genehmigt worden wie seit 2010 nicht mehr. Politisch wird immer wieder die Zielgröße von 400.000 Einheiten pro Jahr genannt, um die Wohnungsknappheit zu beseitigen. Laut Pestel-Institut fehlten Ende 2024 bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen.

Experten erwarten Bauturbo-Effekte nicht vor 2027

In neuen Wohngebäuden wurden von Januar bis November im vergangenen Jahr 175.200 Wohnungen bewilligt. Besonders die Zahl bei den Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser ging in die Höhe: um 17 Prozent auf 40.700, während bei den Zweifamilienhäusern in den ersten elf Monaten des Jahres 2025 ein leichtes Minus auf 11.500 Wohnungen stand. In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, legten die Baugenehmigungen um 13,5 Prozent zu auf 114.800 Wohneinheiten.

Die Zahlen sind ein wichtiger Indikator für den Wohnungsbau, der wegen gestiegener Zinsen und Baukosten in der Krise steckt: Was nicht genehmigt wird, kann später auch nicht gebaut werden. Im gesamten Jahr 2025 wurden nach Schätzungen des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB) nur 225.000 Wohnungen fertiggestellt. "Angesichts des massiven Wohnungsbedarfs ist das dramatisch wenig. Wir dürfen uns an den Wohnungsmangel nicht gewöhnen", sagte Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. "Wir warnen aber eindringlich davor, sich von den Zahlen blenden zu lassen."

Laut einer Umfrage des Bauindustrieverbandes rechnen die meisten Hochbauunternehmen erst für die Jahre 2027 und 2028 mit positiven Effekten des Bauturbo-Gesetzes der Bundesregierung, das im Oktober 2025 in Kraft trat. Daran änderten auch leicht gestiegene Genehmigungszahlen nichts.

ZIA: 2026 als Lackmustest für Reformwillen der Regierung 

Die neue EH 55-Plus-Förderung ist laut ZDB-Hauptgeschäftsführer Pakleppa ein wichtiger Schritt: "Aber: Bauherren brauchen verlässliche Perspektiven, keine jährlichen Förderprogramme mit unsicherem Ausgang. Wer heute plant, muss wissen, dass die Unterstützung auch übermorgen noch steht." Die Förderung müsse verstetigt und die Beschränkung auf den Bauüberhang aufgehoben werden.

"Die Zahlen sind ermutigend – aber sie dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir weiterhin dringend strukturelle Erleichterungen brauchen", sagte Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA). Stabile Wachstumszahlen würden nur mit pragmatischen Reformen erreicht.

Der Gebäudetyp E müsse als klar definierter, kostenoptimierter Basisstandard ausgestaltet werden – nicht als kompliziertes Sondermodell mit zusätzlichen Haftungsrisiken. Gleichzeitig fordert der ZIA eine mutige Novellierung des Baugesetzbuchs, die den Wohnungsbau erleichtert, Verfahren digitalisiert und Vorschriften entschlackt.

Forderungskatalog aus der Wohnungswirtschaft

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW weist darauf hin, dass sich der leichte Aufwärtstrend bislang kaum in der Realität der Unternehmen niederschlägt. Hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und langwierige Verfahren belasten weiterhin die Neubautätigkeit. "Genehmigungen allein lösen die Wohnungsfrage nicht", so GdW-Präsident Axel Gedaschko. Entscheidend sei, dass gebaut werde, und zwar zu leistbaren Mieten.

Der GdW fordert von der Bundesregierung, den eingeschlagenen Kurs konsequent fortzusetzen und nachzuschärfen:

  • EH-55-Förderung wirksam ausgestalten: Der Start der Förderung ist richtig, doch die aktuellen Zinssätze sind zu hoch, um wirklich bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen. Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft braucht Zinssätze nahe einem Prozent, damit Neubauten wirtschaftlich tragfähig bleiben und Mieten bezahlbar sind.
  • Steuerliche Anreize ausweiten: Die Sonderabschreibung nach § 7b EStG sollte künftig bereits beim Effizienzhaus-55-Standard greifen. Das würde zusätzliche private Investitionen mobilisieren und die KfW-Förderung sinnvoll ergänzen.
  • Wohnungsbau priorisieren: Der beschlossene Abwägungsvorrang für den Wohnungsbau in angespannten Märkten ist ein wichtiger Meilenstein. Er muss nun konsequent und praxisnah im Genehmigungsverfahren umgesetzt werden, ohne die kommunale Planungshoheit auszuhöhlen.

"Der Wohnungsbau kommt nach drei rückläufigen Jahren langsam wieder in Bewegung, das ist ein gutes Zeichen“, erklärte Gedaschko. Gleichzeitig warnte er davor, die aktuellen Zahlen zu überschätzen. Der Vergleich mit früheren Jahren verdeutliche, wie groß der Rückstand weiterhin ist: Noch 2021 lagen die Genehmigungen in den ersten elf Monaten bei deutlich über der Grenze von 300.000 Wohnungen.


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dpa

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau , Baugenehmigung
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