Vom Netzwerken zum Neudenken
Die REA findet am 10. und 11. Juni in Hannover statt. Provokant gefragt: Braucht die Welt neben Expo Real, Mipim & Co. wirklich noch eine weitere Immobilienmesse?
Inga Frauendorf: Die Frage haben wir uns in der Gründungszeit gestellt – und gemeinsam mit unserem Netzwerk in Hannover klar mit "Ja" beantwortet. Eine klassische Messe braucht die Welt vielleicht nicht mehr. Aber so, wie wir sie konzipiert und ins Leben gerufen haben, mit dem Dreiklang bestehend aus Ausstellern, PropTech Conference und Community entsteht etwas, das diese Messe weit nach vorne bringt.
Die REA ist bewusst anders gebaut als andere Formate. Es geht nicht um reine Selbstdarstellung, sondern darum, konkrete Lösungen zu entwickeln – gemeinsam. Wir bringen den Mittelstand zusammen, die Kommunen, Projektentwickler, PropTechs, und daraus soll eine echte Zusammenarbeit entstehen. Das heißt: weniger sehen und gesehen werden, sondern an der Zukunft arbeiten und mutig, kontrovers und nah dran bleiben.
Die komplette L'Immo-Folge mit Inga Frauendorf und Gastgeber Jörg Seifert |
Das Motto der REA 2026 lautet "Wir bauen Zukunft". Gleichzeitig stagniert die Bauwirtschaft, die Zinswende hat viele Projekte eingefroren und der Wohnungsbau ist weit weg von seinen Zielen. Ist das Motto nicht eher Wunschdenken als Realität?
"Wir bauen Zukunft" ist für uns nicht ein Zustandsbericht, sondern ein Anspruch. Wenn wir ehrlich sind, passiert Zukunftsbau gerade nicht im geplanten Tempo. Das wissen wir alle. Und deshalb braucht es Orte wie die REA, an denen neu gedacht wird.
Wir sehen aktuell einen Umbruch. Projekte werden anders kalkuliert, Partnerschaften verändern sich, viele Akteure sind gezwungen, kreativer zu werden – bei Nutzungskonzepten, Finanzierungen und Prozessen. Das Motto ist kein Wunschdenken, sondern eine Aufforderung. Und wenn die klassischen Wege nicht mehr funktionieren, müssen wir neue bauen. Diese Ansätze wollen wir sichtbar machen und die Akteure bei uns zusammenbringen.
Lange Zeit hat die Immobilienbranche Sicherheit eher indirekt mitgedacht – über Standortqualität, Mieterbonität oder regulatorische Themen. Was sich gerade verändert, ist die Perspektive. Immobilien werden zunehmend als Teil kritischer Infrastruktur verstanden.
Spätestens durch die geopolitischen Spannungen der vergangenen Jahre wird klar: Energieversorgung, Resilienz von Quartieren, Schutz von Gebäuden oder Datensicherheit sind keine Randthemen mehr. Unser Programm ist beides: Abbild einer Entwicklung und gleichzeitig bewusster Impuls. Wir wollen die Diskussionen früher führen, bevor sie uns von außen aufgezwungen werden. Wer heute baut oder entwickelt, trägt auch Verantwortung für die Stabilität und Funktionalität von morgen.
"Formate, die auch Reibung erzeugen"
Die Messe setzt stark auf Austausch und neue Netzwerke. Klingt gut – aber wie viel davon bringt wirklich neues Wissen für erfahrene Branchenteilnehmer?
Es wird nicht so sein, dass jemand nach 20 Jahren in der Branche zur REA kommt und sagt: "Ich will komplett neues Wissen haben" – im Sinne von völlig unbekannten Fakten. Der Mehrwert entsteht dort, wo ein Perspektivwechsel eingenommen wird. Und genau das wollen wir ermöglichen.
Deshalb ist die Real Future Conference bewusst so aufgebaut, dass wir unterschiedliche Formate haben: Key Notes für Impulse, Fishbowls für echte Diskussionen, Master Classes, in denen wirklich in die Tiefe gegangen wird, außerdem Deep Dives und Pitches für den Blick nach vorn.
Es geht dabei weniger um völlig neue Erkenntnisse, sondern vielmehr darum, bekannte Themen neu zu sortieren, neu zu bewerten und gemeinsam mit anderen Akteuren weiterzudenken.
Und ja, klar: Es ist ein Branchentreff – aber einer, der nicht nur bestätigt, was man ohnehin schon weiß, sondern auch Reibung erzeugt. Genau daraus entstehen oft die interessanten Gespräche, Entscheidungen und letztlich auch Lösungen für die Fragen von morgen.
Das ist ein redaktionell bearbeiteter Auszug aus dem L'Immo-Podcast mit Inga Frauendorf.
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