11.11.2013 | Top-Thema Die Auswirkungen des DRS 20 auf den Lagebericht

Die Ausgangslage

Kapitel
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Ohne Einschränkung des Anwenderkreises sind mittelgroße und große Kapitalgesellschaften dazu verpflichtet, begleitend zum Abschluss einen Lagebericht i. S. v. § 289 HGB aufzustellen. Konzernabschlüsse sind stets mit einem Konzernlagebericht nach § 315 HGB zu ergänzen.

Der Lagebericht hat die Aufgabe, die Zahlenwerke des Abschlusses zu verdichten sowie in sachlicher und zeitlicher Hinsicht zu ergänzen. Neben Informationen über den vergangenen Geschäftsverlauf einschließlich der ursächlichen Ereignisse und der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage veröffentlicht die Unternehmensführung im Lagebericht vor allem Prognosen zur voraussichtlichen Geschäftsentwicklung einschließlich künftiger Chancen und Risiken. Die hohe praktische Bedeutung dieses Rechnungslegungsinstruments zeigt sich vor allem darin, dass der Lagebericht in den letzten 25 Jahren auf einen dynamischen Fortentwicklungsprozess von Seiten des Gesetzgebers zurückblickt, insbesondere durch Gesetzesreformen wie das KonTraG (1998), BilReG (2004) und BilMoG (2009).

Relevanz des DRS für Einzellageberichte
Zur formalen und inhaltlichen Ausgestaltung der Lageberichterstattung definiert der deutsche Gesetzgeber weder konkrete Vorgaben, noch eine klärende Gesetzesdefinition, sondern stellt im Gesetzestext aus § 289 HGB (bzw. § 315 HGB) lediglich auf die übergeordneten Basiselemente ab, aus denen die Lageberichterstattung zu bestehen hat. Für den Konzernlagebericht nach § 315 HGB ist für Geschäftsjahre, die ab dem Jahr 2013 beginnen, DRS 20 zu beachten, welchen das Deutschen Rechnungslegungs Standard Committee (DRSC) in Konsequenz aus der andauernden Kritik an den Vorgängerregelungen DRS 5 „Risikoberichterstattung“ und DRS 15 „Lageberichterstattung“ am 14.09.2012 verabschiedete. Die Bekanntmachung des DRS 20 durch das BMJ erfolgte am 25.11.2012, so dass DRS 20 nach § 342 Abs. 2 HGB die Vermutung als GoB für den Konzern erlangte. Eine Beachtung des DRS 20 für die Ausgestaltung des Lageberichts nach § 289 HGB wird vom DRSC ausdrücklich empfohlen (DRS 20.2). Ferner wird von einer Ausstrahlungswirkung der DRS auf die Lageberichterstattung nach § 289 HGB ausgegangen (IDW PS 350 Rz 2).

Grundlegende Änderungen durch DRS 20
Das DRSC hat im Rahmen der Erarbeitung des DRS 20 die Mindestanforderungen aus den vorangegangenen Regelwerken DRS 15 und DRS 5 (einschließlich DRS 5-10 und DRS 5-20) zu einem einheitlichen Standard zusammengefasst und diese um eine Reihe von inhaltlichen Konkretisierungen, neuer Berichtselemente und Wahlrechte ergänzt. Zudem wurden im Zuge des DRS 20 die Begrifflichkeiten vereinheitlicht und erweitert. Des Weiteren werden die für kapitalmarktorientierte Konzerne geltenden Regelungen durch den Zusatz des Buchstaben „K“ vor der entsprechenden Teilziffern hervorgehoben. Diese werden in diesem Beitrag ausgeklammert. Über das Gesetz hinaus und vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Berichtspraxis (DRS 20.B21) liefert das DRSC im DRS 20 freiwillig anwendbare Regelungen einzig für eine Strategieberichterstattung (DRS 20.39-44).

Neue Vorschrift für den Prognosehorizont

Eine weitere zentrale Änderung betrifft den Prognosehorizont, welcher der Berichterstattung nach §§ 289 Abs. 1 Satz 4; 315 Abs. 1 Satz 5 HGB zur voraussichtlichen Entwicklung mit ihren wesentlichen Chancen und Risiken zugrunde zu legen ist. Dieser hat nach DRS 20.127 (bzw. DRS 20.156 und DRS 20.165) mindestens jedoch ein Jahr ab dem Abschlussstichtag zu betragen. Ferner finden sich anders als in DRS 15 im DRS 20 keine Empfehlungen zur inhaltlichen Ausgestaltung der Konzernlageberichterstattung, sondern das DRSC fokussiert sich im DRS 20 ausschließlich auf die Mindestanforderungen, um eine klarere Darstellung der Anforderungen anzustreben (DRS 20.B42). Schließlich wurde im Zuge des DRS 20 auch eine Änderung der Grundsätze der Konzernlageberichterstattung vorgenommen. So ist anders als in DRS 15 nicht mehr der Grundsatz der Konzentration auf nachhaltige Wertschaffung im DRS 20 enthalten. Stattdessen hat das DRSC im DRS 20 die Grundsätze der Wesentlichkeit und der Informationsabstufung neu aufgenommen. Nach letzterem sind die Ausführlichkeit und der Detaillierungsgrad der Ausführungen abhängig von den spezifischen Gegebenheiten des Konzerns wie etwa die Größe oder die Inanspruchnahme des Kapitalmarktes. Dieser Grundsatz dient als Grundlage zur Ableitung höherer Berichtsanforderungen an diversifizierte, größere oder kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen (DRS 20.B12 und B14).

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Schlagworte zum Thema:  Lagebericht, Kapitalgesellschaft, Einzelabschluss, DRSC

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