11.11.2013 | Top-Thema Die Auswirkungen des DRS 20 auf den Lagebericht

Anforderungen an den Prognosebericht

Kapitel
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Zur materiellen Ausgestaltung des Prognoseberichts löst sich das DRSC mit Blick auf die Prognosegegenstände von den starren Vorgaben aus DRS 15.88, wonach Prognosen zur Ertrags- und Finanzlage abzugeben waren.

Lagebericht als MarketinginstrumentStattdessen sind nach DRS 20.126 im Prognosebericht nunmehr Prognosen jenen bedeutsamen finanziellen und nichtfinanziellen Leistungsindikatoren abzugeben, die nach DRS 20.102 und DRS 20.106 im Wirtschaftsbericht berichtet wurden. Dabei müssen die Plan- und Istwerte der Leistungsindikatoren so ermittelt werden, dass diese für denselben Berichtszeitraum vergleichbar sind (DRS 20.126). Mit der Forderung aus DRS 20.126 geht folglich eine stärkere Betonung des Management Approachs und Würdigung der individuellen Gegebenheiten der jeweiligen Unternehmen in der Prognoseberichterstattung einher. Die Rechnungslegungsadressaten erhalten zum einen stärken Einblick in die internen Planungs- und Entscheidungsprozesse des Managements und vor allem gewinnen sie hierdurch Erkenntnisse darüber, welche Leistungsindikatoren vom Management zur Steuerung des Unternehmens als entscheidungsrelevant erachtet werden.

Mehr Raum für branchenspezifische Besonderheiten

Zum anderen können die Unternehmen ihrerseits verstärkt auf ihre branchenspezifischen Besonderheiten im Rahmen der Darstellung von Kennzahlen eingehen. Zu nennen seien z. B. bei F&E-Kennzahlen von Unternehmen aus den Branchen Chemie, Pharmazie, Luft- und Raumfahrt, Gen-Technik, Bio- und Informationstechnologie, Automobilindustrie oder Maschinen- und Anlagenbau. Einerseits mag sich dies auf den ersten Blick zwar einschränkend auf die Vergleichbarkeit der Prognoseberichte auswirken. Andererseits dürfte sich durch DRS 20.126 hierdurch aufgrund der unternehmensindividuelleren Prognoseberichterstattung tendenziell der Informationsnutzen für die Abschlussadressaten erhöhen. In diesem Kontext ist hervorzuheben, dass externe Prognosen nach DRS 20.120 nur die wesentliche Annahmen für die unternehmensbezogenen Prognosen darzustellen sind und insofern keine Prognosen zur voraussichtlichen Entwicklung des Konzerns darstellen. Um den Adressaten die Herkunft dieser Annahmen kenntlich zu machen, muss bei Verwendung von Prognosen externer Organisationen (z. B. von Wirtschaftsforschungsinstituten) eine entsprechende Quellenangabe erfolgen (DRS 20.123). Ferner dürfen nach DRS 20.124 aus Gründen wie bei der Berichterstattung zu den gesamtwirtschaftlichen und branchenbezogenen Rahmenbedingungen (DRS 20.B25) Prognosen zur Gesamtwirtschaft und zur Branche nur in jenem Maße im Lagebericht vorgetragen werden, wie es für das Verständnis der Aussagen zur voraussichtlichen Geschäftsentwicklung des Unternehmens erforderlich ist.

Strengere Maßstäbe an Prognosegenauigkeit

Zudem setzt DRS 20 gegenüber DRS 15 strengere Maßstäbe an die Prognosegenauigkeit. Anders als DRS 15.88, wonach Prognosen mindestens als positiver oder negativer Trend zu beschreiben waren, verlangt DRS 20 explizit, dass bei den abgegebenen Prognosen neben der Richtung (als positiver oder negativer Trend) auch die Intensität (Stärke des Trends) der erwarteten Veränderung gegenüber dem Istwert des Berichtsjahres ersichtlich sein muss (DRS 20.128-129). Diese Anforderung an die Prognosepräzision erfüllen nach DRS 20.130 künftig nur noch Punkt-, Intervall und qualifiziert-komparative Prognosen. Qualitative und komparative Prognosen entsprechen somit nicht den Anforderungen aus DRS 20.128, denn bei diesen können die Abschlussadressaten die Veränderungsrichtung zwar erkennen, jedoch sind Rückschlüsse über die erwartete Intensität dieser Veränderung nicht möglich.

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Schlagworte zum Thema:  Lagebericht, Kapitalgesellschaft, Einzelabschluss, DRSC

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