01.03.2016 | Top-Thema Frühwarnindikatoren: Mit Kennzahlen Schieflagen erkennen

Frühwarnindikatoren Finanzen

Kapitel
Die Finanzkennzahlen sollten Unternehmer immer im Blick haben.
Bild: Haufe Online Redaktion

Ob ein Unternehmen erfolgreich wirtschaftet, wird am Ende natürlich vor allem anhand finanzieller Kenngrößen beurteilt. Die meisten finanziellen Kennzahlen werden dazu genutzt, um zu dokumentieren, was ein Unternehmen in der Vergangenheit erreicht hat. Dennoch können auch klassische Finanzkennzahlen bei richtiger Interpretation und Analyse als Frühwarnindikatoren genutzt werden.

Vorratsquote = Summe Vorräte * 100/Bilanzsumme

Die Kennzahl zeigt den Anteil der Vorräte (Einkaufs- und Verkaufswaren) an der Bilanzsumme.

Der Anteil sollte sich möglichst unterhalb des in der Branche üblichen Wertes bewegen. Ist kein Vergleich möglich, sollte darauf geachtet werden, dass die Relation von Vorräten zur Bilanzsumme nicht ansteigt, sondern in der Tendenz fällt. Ein Anstieg der Vorräte kann u.a. auf Mängel im Lieferantenmanagement (u.a. unsystematische Verhandlungen, fehlende Lieferstrategien), auf ein schlechtes Innovationsmanagement, eine veraltete Produktpalette (viele Ladenhüter), auf bessere Wettbewerber, eine unsystematische Kundenakquise und –pflege oder Kommunikationsprobleme zurückzuführen sein. Oft kommen Qualitätsprobleme in der Produktion hinzu. Nicht zuletzt führen breite und tiefe Sortimente zu steigenden Lagerbeständen. Ein vorübergehender Anstieg, etwa, weil man in neue Märkte expandieren und neue Kunden gewinnen will, ist dann unkritisch, wenn die Vorratsquote nach der Start- und Anlaufphase wieder auf einen Wert zurückgeht, den das Unternehmen anstrebt.

Forderungsquote = Summe Forderungen * 100/Bilanzsumme

Die Kennzahl zeigt den Anteil der Forderungen an der Bilanzsumme.

Der Anteil sollte sich unterhalb des branchenüblichen Werts bewegen. Lässt sich eine Vergleichszahl nicht ermitteln, sollte darauf geachtet werden, dass die Relation von Forderungen zur Bilanzsumme über einen längeren Zeitraum gesehen sinkt. Ein steigender Forderungsanteil ist i.d.R. ein Hinweis auf Probleme im Forderungsmanagement, auf eine veraltete Produktpalette (Verkäufe sind nur möglich, wenn man den Kunden mit den Konditionen entgegen kommt) oder mit der Kommunikation im Betrieb.

Operativer Cashflow

(nach IAS 7, hier ohne weitere Verwendungsrechnung, z.B. Investitionstätigkeit)

= Jahresüberschuss/-fehlbetrag

+ Abschreibungen

+/- Veränderung der langfristigen Rückstellungen

= Cashflow i.e.S.

+ /-Verminderung /Erhöhung der Forderungen, Vorräte etc.,

+/- Erhöhung/Verminderung der Lieferverbindlichkeiten etc.

Der operative Cashflow zeigt, welche Geldmittel einem Unternehmen aus dem Tagesgeschäft verbleiben, nachdem abgebildet wurde, wie sich Forderungen, Vorräte und kurzfristige Verbindlichkeiten (i.d.R. gegenüber Lieferanten) verändert haben. Bei Forderungen und Vorräten gelten die gleichen Aussagen wie zuvor bei den Quoten. Auf der Seite der Verbindlichkeiten haben viele Betriebe Mängel im Kreditorenmanagement. Beispielsweise fehlen Einkaufsrichtlinien, es wird nicht systematisch verhandelt oder es wird kaum Skonto gezogen. Je stärker Forderungen und Vorräte ansteigen, desto geringer der operative Cashflow und desto weniger Geld verbleibt dem Betrieb, um z.B. Investitionen, Entnahmen oder Tilgungen aus eigener Kraft zu begleichen.

Working-Capital = Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten

(Hinweis: aus L+L) Das Working-Capital ist einerseits eine Kennzahl, mit der man die Liquiditätslage eines Unternehmens beurteilen kann. Andererseits lässt sich die Kennziffer auch als Frühwarnindikator nutzen. Denn steigt das Umlaufvermögen über einen längeren Zeitraum, besteht das Risiko, dass es im Unternehmen strukturelle Probleme gibt oder diese demnächst anstehen können. Die Zusammenhänge und Aussagen sind die gleichen wie bei den Quoten bzw. dem operativen Cashflow.

ROI (Return on Investment) = (Gewinn/Umsatz) * (Umsatz/Gesamtkapital) * 100

Die Kennzahl gibt zum einen an, wie gut sich das operative Geschäft entwickelt (Umsatzrendite = Gewinn/Umsatz * 100).

Zum anderen wird ersichtlich, wie effizient das im Unternehmen gebundene Kapital eingesetzt wird (Kapitalumschlag = Umsatz/Gesamtkapital).

Dabei sollte der Kapitalumschlag größer 1 sein. Dann wird das eingesetzte Kapital rechnerisch mehr als einmal im Jahr umgeschlagen, was u.a. positive Auswirkungen auf Liquidität und Wirtschaftlichkeit hat. Sinkt der Wert, sollte nach den Ursachen gesehen werden. Häufig sind Verschlechterungen im Umlaufvermögen die Ursache, oft wegen der bereits angesprochenen Mängel. Allerdings muss bedacht werden, dass Investitionen zur Folge haben, dass sich Umsatzrendite und Kapitalumschlag (zunächst) verschlechtern, auch wenn Investitionen darauf abzielen, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Umgekehrt verbessert sich der ROI, wenn Unternehmen nicht oder nur in geringem Umfang investieren (niedrigere Abschreibungen, geringere Kapitalbindung), was langfristig zu Wettbewerbsnachteilen führt.

Forderungsausfallquote = Forderungsausfälle * 100/Umsatzerlöse

Die Kennzahl zeigt, ob und in welcher Höhe Forderungen ausfallen. Schon eine von vielen Unternehmern als gering angesehene Quote (ca. 1%) ist für einen Betrieb gefährlich, da sie sich direkt negativ auf die Marge auswirken und hohe Absatz- und Umsatzsteigerungen notwendig sind, um einen Ausgleich herbeizuführen.

Praxis-Beispiel:

Ein Unternehmen erzielt einen Umsatz von 1 Mio. Euro und eine Umsatzrendite von 5%, was einem Gewinn von 50.000 Euro entspricht.

Fällt 1% der Forderungen aus, reduziert sich der Gewinn auf nur noch 40.000 Euro bzw. 4%. Und es ist notwendig, einen Mehrumsatz von 200.000 Euro (20%) zu erzielen, um den Ausfall auszugleichen (200.000 Euro * 5% = 10.000 Euro).

Steigen die Werte über mehrere Perioden sogar, ist das fast immer ein Indiz dafür, dass das Forderungsmanagement im Unternehmen Mängel aufweist, Kunden nicht auf Bonität überprüft oder nicht konsequent gemahnt und ggf. auch verklagt wird.

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Schlagworte zum Thema:  Kennzahl, Risikomanagement

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