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Unter bestimmten Voraussetzungen darf ein Teil der Geldbuße als Betriebsausgabe abgezogen werden. Bild: Haufe Online Redaktion

Zu den Geldbußen gehören alle nach Deutschem Recht so bezeichneten Sanktionen, insbesondere die nach dem Ordnungswidrigkeitenrecht.

Geldbußen nach dem Ordnungswidrigkeitenrecht

Zu den Geldbußen nach dem Ordnungswidrigkeitenrecht (OWiG) gehören gemäß § 30 OWiG auch Geldbußen gegen juristische Personen oder Personenvereinigungen, Geldbußen nach den berufsgerichtlichen Gesetzen des Bundes oder der Länder, z. B.

  • der Bundesrechtsanwaltsordnung,
  • der Bundesnotarordnung,
  • der Patentanwaltsordnung,
  • der Wirtschaftsprüferordnung oder
  • dem Steuerberatungsgesetz sowie
  • Geldbußen nach den Disziplinargesetzen des Bundes oder der Länder.

Betrieblich veranlasste Geldbußen, von Gerichten oder Behörden anderer Staaten festgesetzt - kein Abzugsverbot

Betrieblich veranlasste Geldbußen, die von Gerichten oder Behörden anderer Staaten festgesetzt werden, fallen nicht unter das Abzugsverbot. Das gilt auch für Bußgelder durch das Bundesamt für Justiz.

Dieses kann ein Ordnungsgeld zwischen 2.500 EUR und 25.000 EUR festsetzen, wenn Bilanzen nicht oder nicht fristgerecht veröffentlicht werden (§ 335 HGB).

Die zur Offenlegung Verpflichteten sind in der Vorschrift aufgezählt. Sie betrifft u. a. GmbH`'s. Wird die Frist versäumt und ein Bußgeld festgesetzt, ist dieses nicht als Betriebsausgabe abzugsfähig. Ist für die Fristversäumnis ein Dritter, z. B. der Steuerberater verantwortlich und erstattet dieser der GmbH das festgesetzte Bußgeld, führt das zu einer Betriebseinnahme, obwohl die GmbH das Bußgeld nicht als Betriebsausgabe geltend machen kann (FG Münster v. 10.3.2015, 13 K 3129/13 K).

Das FG hat ausdrücklich festgestellt, dass in einem solchen Fall die Erfassung der Schadensersatzleistung durch den Steuerberater als Betriebseinnahme nicht der Umstand entgegensteht, dass die Geldbuße das steuerliche Einkommen der GmbH nicht mindern durfte. Denn § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr.8 EStG i. V. m. § 8 Abs. 1 Satz 1 KStG ordne das Abzugsverbot ausdrücklich an. Eine korrespondierende Vorschrift, welche die Erfassung der Schadensersatzleistung als steuerpflichtige Einnahme verhindere, existiere im Ertragsteuerrecht nicht.

Das Abzugsverbot für Geldbußen gilt nicht für den Teil, der den rechtswidrig erlangten wirtschaftlichen Vorteil abschöpft. Allerdings gilt das Abzugsverbot für die Geldbuße dann uneingeschränkt, wenn bei der Berechnung des Vermögensvorteils die ertragsteuerliche Belastung (ggf. im Wege der Schätzung) berücksichtigt worden ist.

Unter Umständen ist ein Teil der Geldbuße als Betriebsausgabe abziehbar

Macht der Unternehmer durch geeignete Unterlagen glaubhaft, dass

  • die ertragsteuerliche Belastung nicht berücksichtigt und
  • der gesamte rechtswidrig erlangte Vermögensvorteil abgeschöpft wurde,
  • darf er den Teil der Geldbuße als Betriebsausgabe abziehen,
  • der auf die Abschöpfung entfällt.

Die von der Europäischen Kommission festgesetzten Geldbußen wegen Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht enthalten keinen Anteil, der den rechtswidrig erlangten wirtschaftlichen Vorteil abschöpft, und unterliegen in vollem Umfang dem Betriebsausgabenabzugsverbot (R 4.13 EStR). Diese Rechtsprechung hat der BFH zuletzt mit Urteil vom 7.11.2013 (BFH, Urteil, 7.11.2013, IV R 4/12) bestätigt. Danach ist eine von der Europäischen Kommission wegen eines Kartellrechtsverstoßes verhängte Geldbuße auch nicht nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 8 Satz 4 EStG als Betriebsausgabe teilweise abziehbar.

Ordnungsgelder sind die nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland so bezeichneten Unrechtsfolgen, die in den Verfahrensordnungen oder in verfahrensrechtlichen Vorschriften anderer Gesetze vorgesehen sind. So zum Beispiel,

  • das Ordnungsgeld gegen einen Zeugen wegen Verletzung seiner Pflicht zum Erscheinen und
  • das Ordnungsgeld wegen Verstoßes gegen eine nach einem Vollstreckungstitel bestehende Verpflichtung, eine Handlung zu unterlassen oder die Vornahme einer Handlung zu dulden.

Nicht unter das Abzugsverbot fallen Zwangsgelder!

Verfahrenskosten sind abziehbare Betriebsausgaben

Bei betrieblich veranlassten Sanktionen sind die Verfahrenskosten, insbesondere Gerichts- und Anwaltsgebühren, auch dann abziehbare Betriebsausgaben, wenn die Sanktion selbst nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 8 EStG vom Abzug ausgeschlossen ist (H 4.13 EStH). Das heißt, die Kosten eines Verfahrens und der Verteidigung sind in der Regel als Betriebsausgaben abziehbar.

Strafverteidigungskosten sind nur dann als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehbar, wenn der strafrechtliche Vorwurf, gegen den sich der Unternehmer zur Wehr setzt, durch sein berufliches Verhalten veranlasst gewesen ist (BFH, Urteil v. 16.04.2013, IX R 5/12).

Das ist der Fall, wenn er die ihm zur Last gelegte Tat in Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit begangen hat. Die vorgeworfene Tat muss ausschließlich und unmittelbar aus der betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit heraus erklärbar sein.

Schlagworte zum Thema:  Betriebsausgaben, Geldbuße, Ordnungsgeld, Werbungskosten

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