Freiwillig, digital, kostenlos: DNK macht Nachhaltigkeitsberichterstattung zugänglich
Die Regulierungslandschaft der Nachhaltigkeitsberichterstattung hat sich in den vergangenen Monaten grundlegend verändert. Mit dem Omnibus-Paket der EU-Kommission wurde der Kreis der Unternehmen, die verpflichtend nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) berichten müssen, deutlich verkleinert. In gleichem Maße wuchs der Kreis der Unternehmen, für die eine freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung in Frage kommt.
An diese richtet sich der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) mit seiner digitalen Plattform für den Voluntary Standard, kurz VS – bisher unter dem Namen VSME bekannt. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH führt die Weiterentwicklung des DNK durch. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) finanziert seit 2024 die Weiterentwicklung des DNK. Victoria Diekkamp-Reimann, die das Projekt bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) begleitet, beobachtet eine bemerkenswerte Dynamik: „Alleine in den letzten Monaten haben ungefähr 3.500 Unternehmen ihren VSME-Bericht in der DNK-Plattform begonnen – und es werden wöchentlich mehr.“
Breite Zielgruppe, heterogenes Feld
Wer diese Unternehmen sind, lässt sich nicht auf einen einfachen Nenner bringen. „Ein ganz klares Muster können wir tatsächlich noch nicht erkennen, weil wir eine große Bandbreite an Unternehmen haben, die berichten“, sagt Diekkamp-Reimann. Die Nutzerinnen und Nutzer reichen von großen Unternehmen, die sich auf eine künftige ESRS-Berichtspflicht vorbereiten, über den klassischen deutschen Mittelstand bis hin zu kleineren Betrieben. Dass auch letztere das Angebot annehmen, wertet sie als positives Signal – gerade vor dem Hintergrund, dass der Kreis der zur Berichterstattung Verpflichteten durch den Omnibus erheblich geschrumpft ist.
Value Chain Cap wurde relevant
Die Treiber für die freiwillige Berichterstattung sind unterschiedlich. Lieferkettenanforderungen spielen eine zentrale Rolle: Viele Unternehmen stehen unter Druck von größeren Abnehmern, die Nachhaltigkeitsdaten einfordern. Relevant ist dabei auch die sogenannte Value Chain Cap – die Regelung, die begrenzt, welche Datenpflichten entlang der Lieferkette weitergereicht werden dürfen. Daneben bleiben Anforderungen von Banken und Versicherungen ein konstanter externer Treiber, unabhängig davon, ob eine gesetzliche Pflicht besteht oder nicht. Und es gibt Unternehmen, die schlicht aus Überzeugung berichten: Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell der Zukunft, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit als Argumente.
Ein Standard – und der DNK zieht sich zurück
Die Einführung des VS markiert auch einen Einschnitt für den DNK selbst. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex hatte sich über mehr als 15 Jahre als freiwilliger Standard für mittelständische Unternehmen etabliert. Mit dem europäischen VS entfällt nach Einschätzung des DNK die Notwendigkeit für ein paralleles nationales Instrument. „Zwei parallele Standards nebeneinander würden die ursprüngliche Vision konterkarieren“, erklärt Diekkamp-Reimann. Der DNK versteht sich fortan als Umsetzungsinstrument für die europäischen Standards – nicht mehr als eigenständiger Reporting-Standard.
Es gebe durchaus Fans des alten DNK-Standards, die sein Ende bedauerten, räumt Diekkamp-Reimann ein. Dennoch überwiege das Positive: „Je bekannter und je stärker der VSME angenommen wird, desto mehr Unternehmen werden ihn nutzen und sich überhaupt für eine Berichterstattung entscheiden. Und das ist in jedem Fall ein Plus.“ Für Unternehmen, die Kontinuität in ihrer Berichterstattung wahren wollen, gibt es eine Übergangsphase.
Unterstützungsangebote und Funktionen der DNK-Plattform
Die DNK-Plattform führt Unternehmen Schritt für Schritt durch den Berichtsprozess, unterteilt in überschaubare Aufgaben, ergänzt durch Erklärungen, Querverweise und integrierte Checklisten. Diese übersetzen die Anforderungen in eine verständlichere Struktur. Für rund 20 Branchen sind bereits branchenspezifische Hinweise eingearbeitet, entwickelt in Zusammenarbeit mit Branchenverbänden. Ausgabeformate umfassen unter anderem das maschinenlesbare XBRL-Format. Die Nutzung ist kostenlos.
Ergänzt wird die Plattform durch einen Helpdesk, der werktäglich von 9 bis 17 Uhr erreichbar ist, sowie durch den DNK-Campus mit Webinaren, monatlichen Sprechstunden und thematischen Unterstützungsangeboten. Seit Juni gibt es auch ein Factsheet zur Berichterstattung von Treibhausgasemissionen im VSME-Modul.
Wer Plausibilitätscheck abgeschlossen hat, kann DNK-Signet verwenden
Ein zentrales Element der Plattform ist der freiwillige Plausibilitätscheck. Dieser ist optional. Wer ihn nicht durchläuft, erhält den Bericht als Word-Datei zur eigenen Verwendung. Für die Veröffentlichung als PDF auf der DNK-Website und für das DNK-Signet ist ein abgeschlossener Plausibilitätscheck Voraussetzung.
Wer ihn in Anspruch nimmt, reicht den fertiggestellten Bericht bei unabhängigen Gutachterinnen ein, die ihn nach den Kriterien Konsistenz, Kohärenz, Verständlichkeit und formale Vollständigkeit prüfen. Im Dialog mit dem Unternehmen folgen Überarbeitungsschleifen, bis der Bericht den Anforderungen entspricht.
Was der Check explizit nicht leistet: eine inhaltliche Prüfung der Richtigkeit oder eine Überprüfung der zugrundeliegenden Quellen. „Die unabhängigen DNK-Gutachter:innen analysieren Konsistenz, Kohärenz, Verständlichkeit und formale Vollständigkeit. Der Plausibilitätscheck umfasst keine Prüfung von Belegen, Quellen oder sonstigen Nachweisen. Wir sind keine Wirtschaftsprüfer“, stellt Diekkamp-Reimann klar.
Unternehmen, deren Berichte den Plausibilitätscheck abgeschlossen haben, können das DNK-Signet in ihrer Kommunikation verwenden. Es dokumentiert ausschließlich die Durchführung des Plausibilitätschecks und ist keine Bestätigung der inhaltlichen Richtigkeit der Angaben.
Wo Unternehmen an Grenzen stoßen
Aus den über 330 Berichten, die den Plausibilitätscheck bereits abgeschlossen haben, lassen sich erste Erkenntnisse über typische Schwachstellen ableiten. Datenverfügbarkeit ist ein wiederkehrendes Problem: Viele Unternehmen haben schlicht noch nicht alle relevanten Kennzahlen im Griff. Häufig fehlt auch das Bewusstsein, dass das Basismodul für einen VS-konformen Bericht vollständig ausgefüllt sein sollte. Besonders schwer fällt der Bereich Klima, also die Erfassung und Darstellung klimabezogener Daten und Treibhausgasemissionen.
Diekkamp-Reimann plädiert dafür, trotzdem anzufangen: „Auch wenn es noch nicht perfekt ist – ein Unternehmen lernt so.“ Das Motto passt zur Gesamtphilosophie des DNK-Angebots: niedrigschwellig einsteigen, iterativ verbessern, Transparenz schrittweise aufbauen.
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