Horváth CSO-Studie

Chief Sustainability Officers: Wie sie die aktuellen Hürden bewältigen können


Nachhaltigkeitsmanagerin_Frau in Büro

Nachhaltigkeit ist aus vielen Unternehmen nicht mehr wegzudenken, die ausgerufenen Ambitionen sind hoch. Dennoch verliert das Thema derzeit zunehmend an Priorität. Was zunächst widersprüchlich klingt, beschreibt die aktuelle Realität sehr treffend: Während Nachhaltigkeit strategisch als unverzichtbar gilt, rückt sie im operativen Alltag zunehmend in den Hintergrund.

Vor diesem Hintergrund hat die Beratungsgesellschaft Horváth im Rahmen der diesjährigen Chief Sustainability Officer Studie mehr als 300 leitende Nachhaltigkeitsverantwortliche und Chief Sustainability Officers (CSO) befragt, schwerpunktmäßig in der DACH-Region. Die Ergebnisse zeigen ein klares Spannungsfeld: Nachhaltigkeit ist wichtiger denn je – aber aktuell umso schwerer durchzusetzen. Steigende Kosten, geopolitische Unsicherheiten und eine volatile regulatorische Entwicklung verschieben den Fokus vieler Unternehmen auf kurzfristige Ergebnisziele. Die strategische Relevanz und Ambitionen allein reichen nicht mehr aus, um Nachhaltigkeit im Unternehmen zu verankern. Nachhaltigkeit bleibt weiterhin ein zentraler Hebel für Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und Kapitalzugang – muss sich aber zunehmend beweisen. 

Aktuelle Prioritäten und Herausforderungen im Nachhaltigkeitsmanagement

In den kommenden zwei Jahren liegen die Prioritäten der Nachhaltigkeitsverantwortlichen klar auf ESG-Datenmanagement und -Architektur sowie regulatorischen Anforderungen, da Nachhaltigkeit derzeit vor allem durch Letztere Gehör findet. Themen wie nachhaltige Produkte, Lieferketten oder Organisation, Governance und Kompetenzaufbau folgen mit größerem Abstand. 

Zunehmend rückt aber auch der Business Case von Nachhaltigkeit stärker in den Vordergrund. Viele Unternehmen sehen diesen als klares Argument für eine Integration in Entscheidungsprozesse, aber: die Voraussetzungen, den Wert von Nachhaltigkeit messbar und belastbar darzustellen, sind überwiegend nicht gegeben (siehe nachfolgende Grafik).

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Die Herausforderung: Nachhaltigkeit rechnet sich oft nicht sichtbar

Dabei ist die Nachweisbarkeit des Mehrwerts und ein klarer Business Case aktuell wichtiger denn je. Nachhaltigkeit konkurriert direkt mit klassischen Investitionen. In Budget- und Investitionsentscheidungen gilt zunehmend eine einfache Logik: Was sich nicht rechnet, wird nicht priorisiert. Ohne belastbaren Business Case fehlt Nachhaltigkeit die notwendige Durchsetzungskraft in zentralen Entscheidungen.

Eine Herausforderung an dieser Stelle: Viele Unternehmen bewerten den Nutzen von Nachhaltigkeit aktuell vor allem indirekt – die Nachhaltigkeitsverantwortlichen sehen einen deutlichen Beitrag etwa über eine verbesserte Arbeitgeberattraktivität (51 Prozent) Reputation (50 Prozent), oder Resilienz gegenüber transitorischen Risiken (38 Prozent). Direkte Hebel, wie beispielsweise die Reduktion von Kosten (z.B. durch verbesserte Ressourceneffizienz, 23 Prozent) oder verbesserten Zugang zu Kapital (17 Prozent) sind dagegen häufig noch nicht ausreichend quantifiziert, um Wirkung zu zeigen. 

Für Nachhaltigkeitsverantwortliche bedeutet das einen klaren Rollenwandel. Gefragt ist nicht mehr nur inhaltliche Expertise, sondern vor allem die Fähigkeit, wirtschaftliche Wirkung transparent zu machen. 

Nachhaltigkeit ist selten Teil zentraler Entscheidungen

Ein erster Schritt ist hierbei eine Verzahnung mit zentralen Entscheidungen und Steuerungsinstrumenten. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten deutlich ausgebaut, Strategien verabschiedet, Ziele definiert und Berichterstattungsstrukturen etabliert – nicht zuletzt durch die EU-Berichtspflichten. Den Engpass bildet dabei jedoch die operative Verankerung, denn bislang ist Nachhaltigkeit in vielen Unternehmen formell in ausgewählte Prozesse wie übergreifende Strategie und Risikomanagement integriert. 

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In konkreten Entscheidungen zeigt sich jedoch ein anderes Bild: 

  • Investitionsentscheidungen (CapEx) berücksichtigen ESG nur teilweise
  • Portfolio- und Produktentscheidungen sind oft kaum integriert
  • bei M&A-Transaktionen spielt Nachhaltigkeit eine untergeordnete Rolle 

Damit bleibt ein wesentlicher Teil des Wertpotenzials ungenutzt. Nachhaltigkeit wirkt zwar eingeschränkt bereits auf Risikovermeidung, Kostenstrukturen oder Marktpositionierung, entfaltet ihre Wirkung jedoch häufig neben dem Kerngeschäft und nicht in dessen Steuerung. Gerade hier liegt jedoch der entscheidende Hebel: Erst wenn Nachhaltigkeit Teil zentraler Entscheidungen wird, entsteht ein messbarer Beitrag zum Unternehmenserfolg.

Drei Hebel für die praktische Umsetzung

Für Nachhaltigkeitsverantwortliche lassen sich daraus konkrete Handlungsfelder ableiten:

1. Nachhaltigkeit in Entscheidungen integrieren

ESG darf kein parallellaufendes Thema bleiben, sondern muss zunehmend handlungswirksam integriert werden. Erfolgreiche Unternehmen verankern Nachhaltigkeit in:

  • Investitionsentscheidungen, auch in Bezug auf Standorte
  • Produktentscheidungen und Markteintritte
  • Portfolio oder M&A-Entscheidungen
  • Einkaufs- und Lieferantenprozessen (über reine Risikominimierung hinaus)

2. Steuerungslogiken erweitern

Die Verankerung gelingt nur, wenn Nachhaltigkeit Teil der Steuerungsmechanismen wird. Dadurch kann die Verbindlichkeit erhöht werden und die Umsetzung im Business as Usual gestärkt werden. Entscheidende Hebel hierbei:

  • Integration in Zielsysteme und Vergütungskomponenten
  • Verknüpfung mit Planung und Forecasting
  • regelmäßiges Monitoring der Zielerreichung

3. Business Case konsequent entwickeln

Nachhaltigkeit muss wirtschaftlich greifbar werden, idealerweise wird Nachhaltigkeit perspektivisch in der gleichen Logik wie klassische Investitionen argumentiert. So können Zielkonflikte aufgezeigt werden und Investitionsentscheidungen und ihre Effekte datenbasiert getroffen werden. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, welchen konkreten Beitrag Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu Wachstum, Effizienz und Risikoreduktion leisten können. Dafür müssen finanzielle und nichtfinanzielle Informationen miteinander verknüpft werden:

  • Wachstum: Analyse nachhaltigkeitsbedingter Umsatzpotenziale, Preisprämien sowie neuer Kundensegmente und Märkte
  • Effizienz und Kostenvermeidung: Quantifizierung von Energie-, Material- und Ressourceneinsparungen sowie vermiedenen regulatorischen Kosten
  • Risiko und Resilienz: Bewertung finanzieller Auswirkungen von Nachhaltigkeitsrisiken und der Wirkung von Maßnahmen zur Risikoreduzierung

Fazit: Relevanz sichern, um die Zukunft zu gestalten

Nachhaltigkeit steht heute stärker, denn je im Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Ressourcen. Die strategische Bedeutung ist klar, doch die Herausforderung liegt in der operativen Durchsetzung. Die Ergebnisse der CSO-Studie 2026 machen deutlich: Ohne messbaren wirtschaftlichen Beitrag verliert Nachhaltigkeit an Einfluss. 

Für ESG-Verantwortliche bedeutet das einen klaren Perspektivwechsel: Über den Aufbau von belastbaren, prüfsicheren und effizienten Strukturen sowie fundiertes Reporting hinaus muss Nachhaltigkeit zunehmen in die Kernprozesse unternehmerischer Entscheidungen integriert werden. Es reicht nicht aus, die Berichtspflichten zu erfüllen – das Nachhaltigkeitsmanagement muss aktiv den Wertbeitrag von Nachhaltigkeit identifizieren, integrieren und stärken. Unternehmen, die Nachhaltigkeit konsequent in ihre Steuerungslogik integrieren und ihren ökonomischen Nutzen transparent machen, sichern nicht nur die Relevanz des Themas – sie schaffen gleichzeitig die Grundlage für langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Download finden Sie hier.

 

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