Business-Aktivismus

Ausstieg statt Abstieg: Wie wir die Wirtschaft zum Springen bringen


Füße und Wasser

Was braucht es, um die deutsche Wirtschaft zukunftsfähig zu machen? Jule Bosch zeigt in ihrer Kolumne, welche Rolle Innovationen spielen – und warum Deutschland mehr Mut benötigt, veraltete Technologien hinter sich zu lassen. 

Liebt ihr es auch, Neues anzufangen? Gute Ideen zu entwickeln und umzusetzen, innovative Startups zu entdecken und sich davon für die Zukunft inspirieren zu lassen?

All diejenigen unter euch, die sich mit dieser Art das (Berufs-) Leben zu bestreiten, identifizieren können, sind sicher schon mal über das Konzept der Sprung-Innovation gestolpert. Damit sind Lösungen gemeint, die schwuppdiwupp ein paar Stufen von Entwicklung überspringen und somit – könnte man sagen – noch innovativer als innovativ sind. Hyperinnovativ. Dabei allerdings nicht unbedingt disruptiv, weil nicht das, was bereits da ist, wegdisruptiert wird, sondern es wird einfach übersprungen, bevor es überhaupt da war.

Das klassische Beispiel: In Kenia wurde schon vor Jahrzehnten die Geldüberweisung via SMS entwickelt, und zwar komplett ohne Konto oder physische Bankschalter. Lange bevor in Europa über digitales Banking auch nur nachgedacht wurde, war es in dem afrikanischen Land schon Realität! Auf Englisch sagt man dazu passenderweise auch „leapfrog“ – ein Froschhüpfer über das, was sich eigentlich hätte entwickeln sollen, nun aber nicht mehr notwendig ist, weil wir mit der Sprung-Innovation schon ein paar Stufen weiter sind. Ist das nicht grandios?!

Der Schluss liegt nahe: Je mehr Sprung-Innovationen in verschiedenen Branchen die Wirtschaft in einem Land entwickelt und umsetzt, desto innovativer und fortschrittlicher ist es, desto stärker wird langfristig seine Wirtschaft sein. Entsprechend fördert Deutschland tatsächlich die Forschung und Entwicklung an sowie die Umsetzung von Sprung-Innovationen durch die „Bundesagentur für Sprunginnovationen“ kurz SPRIND. Note to self (und an jeden, der es gerade hören möchte): Gelegentlich macht der Staat auch richtig gute Sachen!

Das Problem mit dem Festhalten am Alten: Warum Innovation oft blockiert wird

Doch so schön das ist, hier lauert ein ziemlich großes ABER. Leider können wir nämlich noch so viele tolle Innovationen und Sprung-Innovationen und gute Leute und großartige Ideen haben – das Neue hat es trotzdem extrem schwer, sich durchzusetzen, selbst wenn es innovativer, effizienter, günstiger, ökologischer, usw. ist als das Etablierte. Während wir die Startups dieser Welt zwar öffentlich als Helden feiern, laufen unsere wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozesse weiterhin auf einem alten Betriebssystem. Und während das Neue minutiös auf Nützlichkeit und Investitionskosten hinterfragt und oft genug abgelehnt wird, ruckelt die alte Software – also Industrieprozesse, Technologien, Denkmuster – unhinterfragt weiter und blockiert damit das eigentlich Bessere.

Sprung-Exnovation für eine bessere Wirtschaft

Das Fest der Wunder ist ja nicht mehr weit - zwischen heute und Weihnachten liegt nur noch ein bisschen Fußball WM, das Sommerloch und mein Geburtstag – daher formuliere ich jetzt einfach mal einen frommen Wunsch an die deutsche Wirtschaft und Politik: Ich wünsche mir nicht nur mehr Sprung-Innovation, sondern vor allem auch drastische Sprung-Exnovation! Bitte lasst uns strategisch und konsequent aus veralteten Technologien und Wirtschaftszweigen aussteigen, dabei gleich ein paar Stufen überspringen und so richtig viel Platz für das Neue, das Bessere machen!

Auch wenn man es mir entsprechend auslegen könnte, das hier ist kein Plädoyer für den Abschwung, für ein Weniger – ganz und gar nicht! Es ist lediglich die Erkenntnis, dass, wer Sprung-Innovation sagt, am besten auch Sprung-Exnovation sagen sollte. Sonst stellen wir unserer guten Zukunft nämlich selbst ein Bein. Wenn es nach mir ginge, könnte sie stattdessen lieber wirklich ein paar schöne Frosch-Hüpfer hinlegen. Und das geht doch wohl am besten, wenn wir die dreckige Wäsche, die überall auf dem Weg herumliegt, einfach mal aufräumen. 

Schlagworte zum Thema:  Innovation , Nachhaltigkeit
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