Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / d) Schauspieler, Tänzer, Artist
 

Rn. 96

Stand: EL 130 – ET: 09/2018

Schauspieler sind als Interpreten eines aufzuführenden Werkes grundsätzlich Künstler (BFH BStBl III 1963, 589; BStBl II 1977, 459; 1992, 413; Massbaum, BB 1992, 1763), mE unabhängig von dem interpretierten Werk (aA Kempermann, FR 1992, 250, 253). Wollte man auf das interpretierte Werk abstellen, käme durch eine Hintertür wieder das Kriterium der Gestaltungshöhe ins Spiel. Auch Volksschauspiel, Bauerntheater uÄ bieten formal-typologisch Kunst, zumal auch hier – auf welchem Niveau auch immer – Gestaltungskraft gefordert ist.

Künstler sind auf jeden Fall Schauspieler, die an der Synchronisation ausl Spielfilme eingesetzt werden (BFH BStBl II 1973, 458; 1979, 131; 1981, 706), nicht dagegen bei der Synchronisation von Kultur-, Lehr- und Industriewerbefilmen (BFH BStBl II 1971, 703). Künstler sind auch Regisseure (BFH BFH/NV 2008, 1435), auch als Inhaber eines Tourneetheaters (FG Bln EFG 1982, 479 rkr); ebenso ein Bühnenbildner (BFH BFHE 160, 513). Künstler ist ggf auch der Statist/Komparse (BFH BStBl II 2007, 702). Zur Selbstständigkeit s Rn 57ff.

 

Rn. 96a

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Einnahmen aus schauspielerischer Tätigkeit im Bereich der Werbung können nur dann zu den Einkünften aus selbstständiger künstlerischer Tätigkeit gehören, wenn sie als eigenschöpferische Leistung zu werten ist. Eine solche ist regelmäßig zu verneinen, wenn der Künstler sich darauf beschränkt, die Rolle eines Produktbenutzers zu sprechen oder zu spielen oder lediglich den Gegenstand der Werbung anzupreisen (BFH BStBl III 1962, 385; 1963, 589; 1967, 318; BFH BStBl II 1977, 459; 1992, 353; 1992, 989; BFH/NV 1999, 465; 1999, 1280; 2008, 370; Schneider, DStR 1993, 301; Massbaum, BB 1992, 1763, 1769, der der Rspr im Ergebnis zustimmt, jedoch Kritik hinsichtlich der Feststellung einer künstlerischen Tätigkeit übt). Allerdings sind auch dahingehende Ausnahmen denkbar, dass dem Schauspieler Raum für eine eigenschöpferische Leistung verbleibt (BFH BStBl III 1963, 589; 1992, 413; FG Bre BB 1998, 1618; Grezesch, BB 1998, 1620).

 

Rn. 97

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Als Künstler anzuerkennen sind Conférenciers von Unterhaltungssendungen in Funk und Fernsehen (BFH BStBl II 1977, 459). Die Funktion der Moderatorin im Verkaufsfernsehen ist mangels Spielraum für Eigenschöpferisches nicht künstlerisch (BFH BStBl II 2015, 217; Anm Kanzler, FR 2015, 290), ebenso wenig die des Ansagers bei einer Modenschau (ebenso Withol, FR 1981, 107). Ebenfalls nicht künstlerisch, sondern ggf journalistisch tätig ist, wer Quizfragen und Dialogszenen ausarbeitet sowie für Hörfunk und Fernsehen einrichtet (BFH BStBl II 1977, 459). Die Tätigkeit eines Trauerredners ist gewerblich, wenn er in der Masse der Fälle nach Redeschablonen verfährt (BFH BStBl II 1982, 22; FG Nds EFG 2004, 1314). Unter dieser Voraussetzung hat BFH BStBl II 1987, 376 auch eine künstlerische Tätigkeit bei einem Büttenredner verneint (BFH BStBl II 1987, 37; 2006, 709; aA FG D'dorf EFG 2004, 1628; Allgaier, DStZ/A 1988, 96).

 

Rn. 98

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Balletttänzer und Pantomimen sind im Allg Künstler (BFH BFH/NV 1993, 716, "darstellende Künste"; Wollny, DStR 1975, 577, 583); ebenso Choreographen (BMF BStBl I 1990, 638). Dagegen sind berufsmäßige Turniertänzer und Eiskunstläufer als Berufssportler Gewerbetreibende (s Rn 61). Zwar enthalten auch ihre Darbietungen ein Ausdruckselement, das jedoch dem gängigen Repertoire entlehnt ist; zudem tritt es erheblich hinter der rein sportlichen Leistung zurück.

Noch weniger künstlerischer Ausdruck als tragendes Element ist gegeben bei Artisten (vgl BFH BStBl III 1955, 100), Striptease-Tänzerinnen, Mannequins (BFH BStBl II 1969, 71; 1985, 661; aA zum "Starmannequin" FG D'dorf EFG 1969, 555) und Berufsfotomodellen (BFH BStBl III 1967, 618; ebenso FG He EFG 1974, 580; FG Nbg EFG 1977, 213; FG Ha EFG 1993, 332, alle rkr).

BFH BFH/NV 1993, 716 hat FG Nds EFG 1986, 256 aufgehoben, das Zauberkunst den "freien Künsten" zuordnete. Auch die Tätigkeit eines Fakirs, ebenso eines Hypnotiseurs ist nach der Verkehrsanschauung als gewerblich einzustufen (BFH BStBl III 1951, 97; BFH/NV 1993, 716). Sie vermitteln keine über die optisch und artistisch ansprechenden Leistungen hinausgehenden geistigen oder seelischen Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse.

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