Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / c) Erststudium
 

Rz. 15

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Der BFH erkennt Aufwendungen für ein Studium grundsätzlich als WK an (> Rz 20). Lediglich bei einem Erststudium, das nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses und nicht nach einer bereits abgeschlossenen erstmaligen Berufsausbildung betrieben wird, sind die Aufwendungen nicht als WK abziehbar (§ 9 Abs 6 EStG; > Rz 12; zu weiteren Einzelheiten > Rz 6). "Studium" meint eine berufsqualifizierende akademische Ausbildung an einer Hochschule (> Rz 15/1), die hochschulrechtlich als Studiengang eingeordnet ist und die mit einer staatlichen oder staatlich anerkannten Prüfung abgeschlossen wird. "Erststudium" ist ein Studium, wenn ihm kein anderes durch einen berufsqualifizierenden Abschluss beendetes Studium vorausgegangen ist.

 

Rz. 15/1

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Hochschulen iSd Hochschulrahmengesetzes (HRG) sind Universitäten, Pädagogische Hochschulen, Kunsthochschulen, Fachhochschulen und die sonstigen Einrichtungen des Bildungswesens, die nach Landesrecht staatliche Hochschulen sind. Gleichgestellt sind private und kirchliche Bildungseinrichtungen sowie die Hochschulen des Bundes, die nach Landesrecht als Hochschule anerkannt sind (vgl § 70 HRG). Das gilt auch, wenn ein solches Studium als Fernstudium durchgeführt wird (vgl § 13 HRG). Ein Studiengang an einer Hochschule führt idR zu einem berufsqualifizierenden Abschluss (vgl § 10 Abs 1 Satz 1 HRG).

 

Beispiele:

Studium ist auch ein (Fern-)Studium an einer privaten Fern-Fachhochschule mit einem Diplom-Abschluss (FH) (BFH/NV 2003, 475) oder das Studium an der staatlich anerkannten FH der AKAD mit einem Diplom-Abschluss (FH) (BFH 201, 211 = BStBl 2003 II, 407).

Eine Berufsakademie kommt nur dann ausnahmsweise für ein Erststudium iSv § 9 Abs 6 EStG in Betracht, wenn bestimmte Ausbildungsgänge nach Landesrecht dem Studium an einer FH gleichgestellt sind.

 

Rz. 15/2

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Merkmal eines Studiums iSd HRG ist es, dass dem Stpfl beim erfolgreichen Abschluss eines berufsqualifizierenden Hochschulstudiums ein Hochschulgrad verliehen wird (Ausnahmen gelten für Studiengänge im künstlerischen Bereich). Das ist zB ein Diplom- oder Magistergrad (vgl § 18 HRG); ebenso ein nach berufsqualifizierender Prüfung verliehener Bachelor- oder Bakkalaureusgrad. Das Landesrecht kennt weitere Hochschulgrade. Ein Studiengang, der einen bereits erreichten Hochschulabschluss (Bachelor) voraussetzt und mit dem Magister- oder Mastergrad abschließt (vgl § 19 HRG), ist kein "Erststudium" (BMF vom 22.09.2010 Rz 24, BStBl 2010 I, 721; aA – > Rz 14/2 – BFH 251, 10 = BStBl 2016 II, 166 zum Kindergeld bei einem zeitlich und inhaltlich an den Bachelor anschließenden Masterstudium; zu weiteren Entscheidungen > Kinderfreibeträge Rz 87 ff).

Einzelfälle: Kein „Studium“ iSd HRG ist der Besuch einer höheren Wirtschaftsfachschule wie der Akademie für angewandte Betriebswirtschaft Überlingen eV mit dem Abschluss als "praktischer Betriebswirt HWL" (vgl BFH 116, 169 = BStBl 1975 II, 645) oder das zweijährige Ganztagsstudium am Institut für Industrie-Betriebswirtschaft der deutschen Angestelltenakademie (vgl BFH 128, 472 = BStBl 1979 II, 773). Auch die berufsbegleitende Fachschule wird vom Abzugsverbot für ein Erststudium nicht erfasst; uE auch nicht vom Abzugsverbot für die erstmalige Berufsausbildung (> Rz 13 ff), weil der Fachschulbesuch Bestandteil des Ausbildungsdienstverhältnisses ist. Für ein Erststudium kommen ebenfalls nicht in Betracht andere (private) Studiengänge, die ohne Verleihung eines akademischen Grades oder des Titels "grad" abgeschlossen werden (vgl BFH 128, 390 = BStBl 1979 II, 675). UE gilt aber nichts anderes für Abschlüsse mit einem solchen Grad: Der BFH hat zwar für die früher maßgebende Abgrenzung zwischen Ausbildung und Fortbildung auch das Studium an einer Ingenieur-Fachschule (vgl BFH 104, 223 = BStBl 1972 II, 254) und an einer höheren Wirtschaftsfachschule dem Studium an einer Hochschule gleichgestellt, wenn mit diesem Studium die Stellung eines graduierten Ingenieurs bzw eines graduierten Betriebswirts angestrebt wird, weil diesen im beruflichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben eine Stellung zukommt, die zwar nicht derjenigen des Absolventen einer technischen Hochschule gleichgestellt werden kann, die aber in ähnlicher Weise eine herausgehobene berufliche Stellung vermittelt (BFH 116, 169 = BStBl 1975 II, 645). Diese Gleichstellung betrifft aber nur den beruflichen Aufstieg des Stpfl in einen "gehobenen Stand"; einem Hochschulstudium hat der BFH die Berufsbildung an der Fachschule aber ausdrücklich nicht gleichgestellt. Vgl auch BFH 214, 250 = BStBl 2006 II, 717 zur Fachoberschule für Technik.

 

Rz. 15/3

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Dem Hochschulstudium im Inland steht ein vergleichbares Hochschulstudium im Ausland gleich. Im Zweifel kann uE darauf abgestellt werden, ob die Zugangsvoraussetzungen zum Studium vergleichbar sind und ob es mit einem berufsqualifizierenden Abschluss beendet wird. Wegen der nicht immer eindeutigen Vergl...

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