Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / b) Erstmalige Berufsausbildung
 

Rz. 13

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Der Begriff der Berufsausbildung als Erstausbildung ist seit dem VZ 2015 in § 9 Abs 6 Satz 2 bis 5 EStG gesetzlich definiert. Damit ist BFH 240, 352 = BStBl 2015 II, 180 überholt, nach dem weder das Berufsausbildungsgesetz maßgebend noch eine bestimmte Ausbildungsdauer oder eine formale Abschlussprüfung erforderlich ist.

 

Rz. 13/1

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Berufsausbildung als ‚Erstausbildung‘ ist die Ausbildung für einen Beruf, die dem Stpfl die notwendigen fachlichen Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt, die ihn zur Aufnahme des erlernten oder eines anderen Berufs befähigen. Es muss sich um eine geordnete Ausbildung handeln, die bei Vollzeit mindestens 12 Monate andauert und mit einer Prüfung abgeschlossen wird (§ 9 Abs 6 Satz 2 EStG). Eine geordnete Ausbildung beruht auf der Grundlage von Rechts- und Verwaltungsvorschriften oder internen Vorschriften eines Bildungsträgers (§ 9 Abs 6 Satz 3 EStG). Im Rahmen der Ausbildung sind die zur Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit notwendigen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln. Grundlage der Ausbildung sind definierte Ausbildungsziele, feststehende Lehrpläne sowie ein festgelegter Beginn und Abschluss der Ausbildung. Neben staatlich anerkannten oder staatlich geregelten Ausbildungen sind dies auch solche Ausbildungen, die nach Richtlinien von Berufs- oder Wirtschaftsverbänden oder internen Vorschriften der Bildungsträger geordnet sind (vgl BT-Drs 18/3017 S 43).

 

Rz. 13/2

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Die Ausbildungsdauer hat nach § 9 Abs 6 Satz 2 EStG einen Zeitraum von 12 Monaten zu umfassen. Nach dem ursprünglichen Gesetzesentwurf war eine Dauer von 18 Monaten – orientiert an dem Berufsbildungsgesetz – vorgesehen (vgl BT-Drs 18/3017, aaO). Um jedoch auch kürzere Ausbildungen insbesondere der Helfer und Helferinnen im Gesundheits- und Sozialwesen zu berücksichtigen, ist die Mindestdauer entsprechend angepasst worden (vgl BT-Drs 18/3441 S 56). Folglich sind berufsvorbereitende Maßnahmen und Ausbildungen, die die Mindestdauer von 12 Monaten unterschreiten, keine Erstausbildung (dann Abzug der WK); hierzu zählen etwa Kurse zur Erlangung der Fahrerlaubnis für Nutzfahrzeuge, Betriebspraktika, Maßnahmen zur Erlangung einfachster Berufstätigkeiten (Anlerntätigkeiten, kurzfristige Einweisungen) oder die Grundausbildung bei der Bundeswehr. Das Gleiche gilt auch bei Abschluss mehrerer aufeinander aufbauender Kurse. Weiterhin ist die Ausbildung in Vollzeit, das heißt durchschnittlich mit mindestens 20 Wochenstunden durchzuführen.

 

Rz. 14

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Die Berufsausbildung beginnt idR erst nach der allgemeinbildenden Schule. Die Unterrichtung durch eine allgemeinbildende Schule (Grundschule, Hauptschule, Gymnasium) gehört noch nicht zur Berufsausbildung iSv § 9 Abs 6 EStG (> Rz 5); ebenso bei einer Fachschule (vgl BMF vom 22.09.2010 Rz 18, BStBl 2010 I, 721) oder einer Fachoberschule (EFG 2009, 20); hier fehlt es ohnehin an einem hinreichend konkreten, objektiv feststellbaren Zusammenhang mit künftigen besteuerbaren Einnahmen (BFH 214, 250 = BStBl 2006 II, 717 mwN). Entsprechendes gilt uE für eine andere Schule, die zu einem allgemeinbildenden Abschluss führt (dazu > Schulgeld Rz 13 ff). Zum Erwerb der Allgemeinbildung und nicht zur Berufsausbildung gehört es uE auch, wenn zB das Abitur nach Abschluss der Berufsausbildung nachgeholt wird. Ebenso kann ein ausgelernter und in diesem Beruf tätiger Elektroniker Aufwendungen für den "nachgeholten" Besuch einer allgemeinbildenden Fachoberschule, mit der er die allgemeine Hochschulreife für ein Elektronik-Erststudium erlangen will, nicht abziehen (BFH 214, 250 – aaO).

 

Rz. 14/1

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Die Berufsausbildung endet mit dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung, typischerweise mit einer Abschlussprüfung. Ist eine solche nach dem Ausbildungsplan nicht vorgesehen, wird die Berufsausbildung mit der tatsächlichen planmäßigen Beendigung abgeschlossen (§ 9 Abs 6 Satz 4 EStG). Wird die Ausbildung vorzeitig abgebrochen oder die Abschlussprüfung nicht bestanden, hat der Stpfl keine abgeschlossene Erstausbildung; dann Abzug von WK, wenn ein beruflicher Veranlassungszusammenhang gegeben ist.

 

Rz. 14/2

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

In § 32 Abs 4 EStG wird der Begriff der Berufsausbildung ebenfalls, aber mit anderer Zielsetzung verwendet (> Kinderfreibeträge Rz 55 ff [65 ff]). Die Voraussetzungen an den Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung können deshalb von § 9 Abs 6 EStG abweichen (vgl BFH 246, 427 = BStBl 2015 II, 152; BFH/NV 2015, 1299).

 

Rz. 14/3

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Stpfl, die schon viele Jahre in ihrem Beruf arbeiten und dadurch entsprechende Kenntnisse und Fähigkeiten erworben haben, können zur Abschlussprüfung zugelassen werden, ohne die entsprechende Ausbildung vorher zu durchlaufen (vgl zB § 45 Abs 2 BBiG und § 37 Abs 2 HwO). Handelt es sich bei einer solchen Ausbildung um eine durch Rechts- oder Verwaltungsvorschriften geregel...

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